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20-Millionen-Deal mit Martin Ebner für neue Mittelschule

Der Kanton baut im Wädenswiler Ortsteil Au ein neues Gymi – auf einem Areal, das zum Imperium des Financiers gehört.

Auf dem Areal sollen neben der Schule auch Wohnungen, Gewerbeflächen und ein Park entstehen. Foto: ETH-Bibliothek
Auf dem Areal sollen neben der Schule auch Wohnungen, Gewerbeflächen und ein Park entstehen. Foto: ETH-Bibliothek

Das Gerücht kursierte am linken Zürichseeufer schon lange – gestern hat es der Kanton bestätigt: Im «AuPark» in Wädenswil will der Kanton die neue Kantonsschule für die Region realisieren. Sie ist auf mindestens 1000 Schülerinnen und Schüler ausgerichtet. Damit will der Kanton auf die steigenden Gymnasiastenzahlen im Bezirk Horgen reagieren, wie der Regierungsrat in einer Mitteilung schreibt. Gegenwärtig pendeln aus der Region schon rund 1600 Schülerinnen und Schüler täglich in die Stadt Zürich. Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) spricht von einem wichtigen Schritt in der langfristigen Planung von Schulraum für Gymnasien.

Die Kantonsschule Zimmerberg wird ihren Schulbetrieb auf das Schuljahr 2020/21 in einem Provisorium für bis 500 Schüler aufnehmen. Gestartet wird mit je zwei Klassen des Langzeit- und Kurzzeitgymnasiums. Wann der Neubau der Mittelschule steht, ist noch offen.

Moderater Preis

Der Kanton Zürich soll für den Bau rund 10'880 Quadratmeter Land gegenüber der Halbinsel Au in der Nähe des Bahnhofs erwerben. Auf dem Areal hatte einst die Telecomfirma Alcatel ihren Sitz. Das Areal gehört der Intershop-Gruppe, bei welcher der bekannte Financier Martin Ebner mit einem Drittels­anteil Hauptaktionär ist.

Ausgehandelt wurde ein Kaufpreis von 19,8 Millionen Franken, was etwas über 1800 Franken pro Quadratmeter ergibt. Das ist etwa der Durchschnittspreis, der in Wädenswil in den vergangenen Jahren für Land in der Wohnzone bezahlt wurde. Das betreffende Areal hingegen liegt in der Industriezone und müsste erst noch in eine Mischzone umgewandelt werden. Neben der Mittelschule sollen auf dem Areal zudem ein öffentlicher Park, Wohnungen und Gewerberäume entstehen. Für die Nutzung der angrenzenden Parkanlagen bezahlt der Kanton einen einmaligen Beitrag von 825'000 Franken.

Blick über den neuen Schulhof der Kantonsschule Au-Wädenswil. Links liegt das neue Gymi-Gebäude.
Blick über den neuen Schulhof der Kantonsschule Au-Wädenswil. Links liegt das neue Gymi-Gebäude.
Intershop
Bauten mit Gewerberäumen stehen in einer Reihe mit der Ladenpassage. Darüber liegt der Park.
Bauten mit Gewerberäumen stehen in einer Reihe mit der Ladenpassage. Darüber liegt der Park.
Intershop
Das Übersichtsmodell des AuParks.
Das Übersichtsmodell des AuParks.
Intershop
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Vergleicht man die Schule mit dem neuen Gymnasium in Uetikon für ebenfalls 1000 Schülerinnen und Schüler, erscheint das Areal in der Au klein, der Quadratmeterpreis hoch. In Uetikon hat der Kanton für 32'500 Quadratmeter Land 26 Millionen Franken bezahlt – 800 Franken für den Quadratmeter. Doch die beiden Käufe sind nicht miteinander vergleichbar. In Uetikon stand vorher die Chemiefabrik CPH Chemie + Papier Holding AG. Bausubstanz, Untergrund und Seeboden sind belastet. Die Entsorgung von belastetem Untergrund und belasteter Gebäudesubstanz wurden im Kaufpreis berücksichtigt.

Lange Verkaufsverhandlungen

Ursprünglich wollte sich der Kanton schon Ende 2015 auf einen Standort festlegen. Dass es bis zur offiziellen Bekanntgabe des Entscheids so lange gedauert hat, könnte an den Kaufverhandlungen liegen. Silvia Steiner sagt: «Es war ein intensives Ringen aufgrund der Komplexität des Geschäftes.» Dass es dabei um den Preis ging, will Steiner nicht bestätigen. Sie sagt lediglich: «Auch der Kanton kauft nicht alles zu jedem Preis.»

Der Kaufvertrag wurde unter zwei Vorbehalten abgeschlossen: Der Kantonsrat muss der Gründung einer Kantonsschule Au-Wädenswil zustimmen, der private Gestaltungsplan «AuPark» rechtskräftig sein. Zudem sind Anpassungen am kantonalen Richtplan nötig. Der «AuPark» hat sich in der Endphase gegen das Allmend-Areal etwas abseits der S-Bahnströme durchgesetzt. Dort wäre das Land allerdings bereits im Besitz des Kantons gewesen. Wädenswil ist mit dem Zuschlag für den Standort aber auch in der Pflicht. Die Stadt muss beim Schulhaus Ort gegenüber dem Areal mehrere Turnhallen erstellen, der Kanton wird sich darin einmieten. Ein erster Vorstoss der Stadt in diese Richtung hat das Parlament aber abgewiesen.

Widerstand gegen das Projekt dürfte es vonseiten der IG Wädi-Au geben. Sie befürchtet, dass auf dem Areal vor allem in die Höhe gebaut wird. Im revidierten kommunalen Richtplan, den die Stadt im Sommer vorgestellt hat, ist das Areal in der Hochhauszone mit einer Bauhöhe bist 40 Meter eingetragen. Gegen die Hochhauszonen sind 600 Unterschriften eingegangen. IG-Mitglied Monica Fahmy sagt: «Uns freut, dass das Gymnasium in die Au kommt. Aber wir fordern, dass die Bevölkerung in jeden Planungsschritt des ‹AuParks› miteinbezogen wird.»

Vorbild Uetikon

So sehr sich Philipp Kutter, Stadtpräsident (CVP) von Wädenswil, über die Stärkung seiner «Bildungsstadt» freut, er ist sich der Skepsis in der Bevölkerung bewusst. Die Stadt will deshalb transparent informieren – ein Mitwirkungsverfahren ist eingeleitet. «Wir nehmen die Anliegen der Bevölkerung ernst. Insgesamt, davon bin ich überzeugt, wird sie dem Projekt zustimmen», sagt der Stadtpräsident. Auch die neue Dreifachturnhalle beim Schulhaus Ort dürfte aus Sicht von Kutter nun politisch und finanziell tragfähig werden.

Die neue Kantonsschule in Wädenswil wird nach einem ähnlichen Prinzip wie jene in Uetikon aufgebaut. Diese nimmt nächsten Sommer den Betrieb mit vier Klassen auf. Das Lehrerteam ist zusammengestellt, der Rektor ernannt. Ab dem 15. November können sich interessierte Schülerinnen und Schüler für die neue Kantonsschule anmelden. Der Schulbetrieb im Neubau wird voraussichtlich 2028 starten.

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