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Zwischen Europameister und Weltmeister: GC und die Jugend

Der Dritte der letzten Saison geht mit stark verändertem Kader in die Saison.

Super League Die 1. Runde Grasshoppers - Xamax Samstag 17.45 Thun - Young Boys Samstag 17.45 Bellinzona - Sion Sonntag 16.00 Luzern - St. Gallen Sonntag 16.00 Basel - FC Zürich Dienstag 20.15 Von Peter Bühler und Ueli Kägi 13 Spieler hat GC auf die neue Saison hin ziehen lassen oder verkauft, um seine finanziellen Schwierigkeiten zu lindern. Die Lücken im Kader haben die Zürcher mit 10 Zuzügen und 3 aus dem Nachwuchs aufgestiegenen Spielern geschlossen. 5 von ihnen sprechen über ihre Ziele beim Rekordmeister. Swen König: Der Europameister In diesen Tagen ist Swen König im Zügelstress. Von Sursee zieht er mit seiner Freundin nach Lenzburg. Er sagt: «Wenn die Grasshoppers rufen, dann darf man nicht Nein sagen.» Für den Aargauer König ist GC noch immer der beste und bekannteste Verein der Schweiz. Er betont: «GC ist der Rekordmeister, GC bleibt GC.» Und nach seinen drei Jahren beim FC Luzern, wo er nicht an David Zibung vorbeikam und immer nur Goalie Nummer 2 blieb, weiss er: «Keinen Gegner besiegt man lieber als die Grasshoppers. Sie sind das Bayern München der Schweiz.» König möchte bei den Schweizer Bayern als Nachfolger von Yann Sommer, der von seinem Stammklub Basel zurückgeholt wurde, im Tor stehen. Er duelliert sich mit Ivan Benito. König ist 25-jährig und der Junge, Benito ist bald 34 und der Routinier. «Wir liefern uns einen harten, aber fairen Zweikampf. Der Bessere soll spielen.» König schätzt eine klare Hierarchie auf der Position. Es müsse einen Stamm- und einen Ersatzgoalie geben. «Ein Torhüter braucht Vertrauen. Dieses bekommt er nur, wenn er immer spielt.» Nach drei unbefriedigenden Jahren in Luzern, in denen er nicht einmal auf ein Dutzend Super-League-Einsätze kam, brennt König auf Spielpraxis. Das war mit ein Grund, dass der U-17-Europameister von 2002 sich mit dem von GC offerierten Einjahresvertrag sofort einverstanden erklärte. Wenn er sich nicht durchsetzt, dann will er auch nicht bei GC bleiben: «Mein Beruf ist Fussballspieler – ich will endlich spielen.» Ivan Benito: Der Konkurrent Ivan Benito sagt über sich selbst: «Aarau ist für mich eine Herzensangelegenheit.» In Aarau ist er aufgewachsen. In Aarau war er elf Jahre Profi. Mit Aarau stieg er nach der vergangenen Saison und mit auslaufendem Vertrag ab. Von Aarau erwartete er ein Zeichen, wie es weitergehen könnte. Es kam nicht. Also fuhr Benito in die Ferien – und erhielt bald die Offerte der Grasshoppers. Er hat sich das Angebot nicht lange überlegen müssen. «Über die Marke müssen wir nicht diskutieren», sagt er. Ihm gefällt, wie sich die Mannschaft in der vergangenen Saison entwickelt hat. Er hat einen Zweijahresvertrag unterschrieben und findet bei GC die Herausforderung, sich «jeden Tag neu beweisen zu müssen». Benito ist der einzige Routinier unter den Zuzügen. Er hat eine «sportlich starke Mannschaft» kennen gelernt und ist erstaunt, wie weit die jüngeren Spieler in ihrer Entwicklung bereits fortgeschritten sind. Über seinen Konkurrenten Swen König sagt Benito: «Er hat viel Potenzial und Talent.» Benito weiss, dass von ihm erwartet wird, König etwas mitzugeben von seiner Erfahrung. Er sagt aber auch: «Ich bin nicht in erster Linie der Vater. Ich bin ein Konkurrent.» Daniel Pavlovic: Der Rückkehrer Zu einem Vertrag beim 1. FC Kaiserslautern kam Daniel Pavlovic fast wie die Jungfrau zum Kind. Im Juni letzten Jahres trat er mit dem FC Schaffhausen zu einem Test gegen den Traditionsklub aus der 2. Bundesliga an – und spielte so gut, dass er noch am selben Abend von den Lauterern verpflichtet wurde. Statt mit Schaffhausen zurück in die Schweiz, fuhr er im Bus direkt ins Trainingslager. Pavlovic lacht über die Geschichte und erzählt: «Dieses Angebot musste ich doch einfach annehmen.» Er erhielt in Kaiserslautern einen Vertrag für eine Saison. Auf der linken Abwehrseite kam er zu 14 Einsätzen, zwei davon über 90 Minuten. Der FCK stieg Ende Saison als Tabellenerster in die Bundesliga auf – und Pavlovic war nicht mehr erwünscht. Im allerletzten Training vor der Sommerpause wurde ihm mitgeteilt, dass der Vertrag nicht verlängert werde. «Das schmerzte schon, weil ich der Meinung war, dass ich eine gute Saison gespielt hatte», sagt der 22-Jährige. An die Zeit in der Pfalz denkt er dennoch gern zurück: «Kaiserslautern ist Provinz, dort gibt es nur den Fussball, sonst gar nichts.» Kroatische Wurzeln hat Pavlovic, aufgewachsen ist er in Rorschach. Seine Lehre als Sport- und Fitnesskaufmann machte er im Breisgau im Ausbildungszentrum des SC Freiburg. Seit vier Jahren ist er Profi und von Schaffhausen vorerst für diese Saison an GC ausgeliehen. Das Interesse der Zürcher wertet der U-21-Nationalspieler als grosse Chance. Innocent Emeghara: Der Lustige In einem nigerianischen Dörfchen ist Innocent Emeghara aufgewachsen. Manchmal hatten die Einwohner Mühe, an Wasser zu kommen. Ein Fussballmatch aber war immer möglich. Und Innocent haben sie dann manchmal Namen von berühmten Spielern gegeben, weil er der Beste von ihnen war. Mit 12 spielte er mit 16- und 17-Jährigen. Mit 13 verliess er das Dorf, um seiner Mutter nachzureisen. Sie hatte einen Schweizer kennen gelernt und war nach Winterthur gezogen. Emeghara glaubte lange nicht daran, Profifussballer werden zu können. Seine Mutter schickte ihn nur deshalb zum FC Töss, weil er nach der Schule immer alleine war. Beim FC Winterthur meldete er sich zu einem Probetraining der U-15 an, nachdem ihn ein beeindruckter Schiedsrichter dazu ermuntert hatte. Später folgte der Wechsel zum FCZ, weil ihm die Stadtzürcher einen Ausbildungsplatz als Berufssportler geben konnten. Vor wenigen Wochen noch verkaufte Emeghara im FCZ-Fanshop Trikots. Er wohnte mit den Gebrüdern Koch in einer FCZ-WG. Und er stürmte auf Leihbasis wieder bei Winterthur, 17 Tore gelangen ihm in 28 Challenge-League-Spielen. Nun ist der 21-Jährige bei GC angekommen. Bis 2014 hat Emeghara unterschrieben. Die Behauptung, dass er sich mit seinem Tempo manchmal selbst überfordere, weil seine Technik nicht ausgereift sei, wischt der fröhliche junge Mann mit einem Lächeln weg. Seine Grundtechnik genüge schon, sagt er und findet sich lieber «unberechenbar». Charyl Chappuis: Der Weltmeister Auf seinen Unterarm hat er sich schwarz ein Datum tatöwieren lassen: 15.11.2009. An diesem Tag wurde Charyl Chappuis mit der Schweiz U-17-Weltmeister. Dieser Erfolg öffnete ihm auch den Weg nach ganz oben bei GC. Seit einem halben Jahr trainiert Chappuis mit dem Super-League-Team, er steht stellvertretend für die nächste Generation von Nachwuchsspielern, die auch in Wettbewerbsspielen den Sprung ins Team schaffen könnte – und die typisch geworden ist für das GC mit weniger Geld, aber mit den Ideen von Trainer Sforza. In Kloten ist Chappuis aufgewachsen, den asiatischen Einschlag hat ihm seine thailändische Mutter geschenkt. Zu GC kam er vor sechs Jahren. In diesen Tagen nimmt er erste Fahrstunden. Bis er ein Auto hat, wird er weiterhin Zug fahren. Früher war Chappuis einmal Stürmer. Danach ist er über die Positionen der 10 und der 6 langsam nach hinten gerückt, bis er in der U-18 und in der Nationalmannschaft Innenverteidiger war. Mit seiner Ruhe am Ball und seiner Übersicht fühlt er sich im Mittelfeld am wohlsten. Chappuis ist im letzten Jahr seiner kaufmännischen Ausbildung angekommen. Unter die ersten 18 im Team möchte er sich vorerst spielen. Und wenn er noch weiter nach oben kommt, wird er darüber nachdenken, ob und wie es mit seiner beruflichen Ausbildung weitergehen kann. Erkannte viel Potenzial: Ivan Benito. Verkaufte FCZ-Shirts: Innocent Emeghara. Möchte endlich spielen: Swen König. Tankte Selbstvertrauen: Charyl Chappuis. Fotos: Nicola Pitaro Spielte in Kaiserslautern: Daniel Pavlovic.

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