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Zwei Duelle entschieden

Mario Birrer hat an der Steher-Schweizer-Meisterschaft den amtierenden Europa- und Schweizermeister Giuseppe Atzeni entthront.

Dominic Illi, Zürich-Oerlikon Gestern Dienstag ging auf der Offenen Rennbahn in Oerlikon die 98. Schweizer Meisterschaft der Steher über die Bühne. Die neuste Ausgabe der traditionsreichen Bahnmeisterschaft, bei der die Radsportler im Windschatten der motorisierten Schrittmacher über 50 Kilometer oder 150 Runden Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 70 Stundenkilometern erreichen, lockte 1242 Zuschauer auf die Tribüne. Dabei kam es zum selben Spitzenduell wie letztes Jahr, allerdings mit vertauschten Rollen. Einzig Giuseppe Atzeni (Steinmaur) mit Schrittmacher Wilfried Baumgartner erreichte das Ziel ohne Rundenverlust. Der Basler Mario Birrer und dessen Schrittmacher Felix Weiss dominierten das Rennen und blieben über die ganze Strecke unantastbar in Führung. So konnte sich Birrer erstmals in seiner Karriere das Meistertrikot überstreifen. Das andere grosse Duell lieferte sich Reto Frey (Bubikon) mit Peter Jörg (Steinmaur). Lange klebte Jörg an Freys Fersen. Nach knapp 120 Runden konnte Jörg aber nicht mehr mithalten, wurde von Frey überrundet und musste diesem die Bronzemedaille überlassen. «Atzeni ist wohl eine Nummer zu gross, und auch Birrer fährt sehr stark. Es ist natürlich genau der Platz von Peter Jörg, um den wir mitstreiten können», hatte Robert Buchmann, Schrittmacher von Reto Frey, vor dem Rennen gesagt und machte damit deutlich, dass sie den dritten Platz anvisieren würden. Die Taktik hatte Buchmann gleich parat: «Wir werden abwartend fahren. Denn beim Steher ist immer entscheidend, was die anderen vorhaben.» Dass sich das Duo Frey/Buchmann auf ein Duell mit Jörg/Aebi gefasst machte, war kein Zufall. In den fünf Rennen der laufenden Saison auf der offenen Rennbahn lieferten sich die beiden Teams ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wobei Frey dreimal als Sieger hervorging. Brisant: Noch vor zwei Jahren stieg Buchmann für Jörg in den Töffsattel. Dreizehn Saisons lang waren die beiden ein Team. Ein Team, das den Schweizer Stehersport von unten her aufrollte, viermal den Schweizer Meistertitel holte. Nachdem sich Buchmann und Jörg wegen Meinungsverschiedenheiten trennten, hatte Buchmann, der schon seit 1981 Schrittmacher ist, erst mal genug. Comeback wider Willen Dass er jetzt doch wieder Runden dreht, hat er Reto Frey zu verdanken. «Eigentlich wollte ich ja meine Ruhe», erinnert sich Buchmann, «aber er hat mich bestürmt, bis ich zugesagt habe. Und jetzt bin ich froh, es nochmals gewagt zu haben.» Der Erfolg gibt ihnen recht. «Ich erhoffte mir einen Leistungssprung, der auch eingetreten ist», begründet Frey seine Hartnäckigkeit. Mit seinem neuen Schrittmacher sei er einen Schritt näher an die Spitze gerückt. «Der Anteil des Schrittmachers ist enorm. Steherrennen haben meine Liebe geweckt, weil es eine Teamdisziplin ist.» Auch Buchmann ist von seinem neuen Schützling angetan: «Wenn er sich weiterhin derart steigert, können wir es nach ganz vorne schaffen.» Dabei kann auch er als alter Hase im Geschäft noch von Frey profitieren. «Er hat mir den Tipp gegeben, lockerer zu fahren. Und er hatte recht, ich war oftmals etwas zu verkrampft.» Wie lange er noch dabei sein will, weiss Buchmann nicht. «In drei Jahren werde ich pensioniert. Dann habe ich noch mehr Zeit», sagt er und überlegt: «Oder auch weniger, wir werden sehen.» Gemeinsam an die Spitze: Robert Buchmann (l.) und Reto Frey. Foto: Sophie Stieger

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