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Zum Guetsle nimmt sie sich drei Tage frei

Die Uetikerin Beate Hagen verwöhnt Familie und Freunde mit 60 Sorten Weihnachtsguetsli.

Von Bettina Bernet-Hug Uetikon – Für Beate Hagen beginnt die Adventszeit mit einer Strichliste. Pro 100 Gramm Butter macht sie ein Strichlein und pro 100 Gramm Zucker auch; ebenfalls für Puderzucker, kandierte Früchte, Mehl sowie für jedes Ei. Vorgängig hat sie handgeschriebene und gekaufte Rezeptbücher durchforstet und ihre Notizen zu den besten Guetslirezepten hervorgeholt. Die Uetikerin backt aus Leidenschaft. Und nicht etwa wenig. 60 Sorten der köstlichsten Plätzchen müssen gut geplant werden. Logistik ist vorerst einmal Trumpf. «Ich muss mir genau überlegen, welchen Teig ich zuerst vorbereite, weil er noch ein paar Stunden lagern muss, und welchen ich sofort verarbeiten kann. Blind drauflos backen nützt da gar nichts», sagt Hagen. Sie verarbeitet unter anderem 140 Eier, 15 Kilo Mehl, 8 Kilo Zucker, 3 Kilo Marzipan und 7½ Kilo Butter. Für besondere Zutaten, wie etwa Schmalz oder eine spezielle Mohnfüllung, reiste sie eigens nach Deutschland, da beides in der Schweiz nicht erhältlich ist. Ein Stück Käse ist ihr lieber Drei Tage hat Beate Hagen Ferien genommen, um ihr Pensum an Springerle, Kugeln und Läckerli zu bewältigen. Von morgens um sechs bis abends um zehn steht sie in der Küche ihrer neu bezogenen Wohnung hoch über Uetikon. Während dieser Zeit knabbert sie selber nie an ihren Plätzchen, von den Teigen schnabuliert sie kaum. «Ein Stück Käse ist mir in dieser Zeit, wenn man den ganzen Tag im süssen Guetsliduft steht, schon lieber», sagt sie schmunzelnd. Bereits als Kind hat Beate Hagen mit ihrer Mutter gerne gebacken. «Damals blieb das Guetsle allerdings noch im normalen Rahmen von gut acht Sorten», sagt die gebürtige Deutsche. Ihre erste wirklich lange Guetsliliste stammt aus dem Jahr 1991. 46 Rezepte hat sie damals ausprobiert. Diese Liste ändere sich jedes Jahr. Es gebe Plätzchen, die immer dabei seien, und solche, die neu hinzukämen. «Ich habe so viele Rezepte, dass ich einfach eine Auswahl treffen muss.»Äusserlich entspricht Beate Hagen nicht dem Bild, das man sich gemeinhin von einer Plätzchen backenden Hausfrau macht. Die 2008 aus Düsseldorf zugewanderte Frau ist von eleganter Gestalt, und ihre Wohnung strahlt modernes Design aus. Beate Hagen ist stets perfekt geschminkt, trägt eine rassige Kurzhaarfrisur, und die farblich passenden hohen Stiefel sind ihr Markenzeichen. Beruflich ist Hagen zu 100 Prozent als Assistentin des Chefs bei einer grossen Unternehmensberatungsfirma in Zürich tätig. Die Mitarbeiter kommen jede Woche in den Genuss eines ihrer selbst gebackenen Kuchen. Der Kirchgemeinde Männedorf stellt sie ihr Engagement als Kirchenpflegerin zur Verfügung. Auch jene Sitzungen werden oftmals mit Köstlichkeiten aus Hagens Ofen versüsst. «Tag der offenen Guetslidose» Ein Zimmer in Beate Hagens Wohnung lockt mit all den weihnachtlichen Herrlichkeiten. In dem ungeheizten Raum bewahrt sie die Guetsli auf, fein säuberlich sortiert, in den unterschiedlichsten Dosen. «Ich verschenke eigentlich alle. Nehme sie an Sitzungen und ins Büro mit, und meine Familie in Deutschland freut sich auch bereits auf die für sie reservierte Ration.» Jeden Dezember organisiert Beate Hagen einen «Tag der offenen Guetslidose»: «Dieser spezielle Tag ist das Highlight meiner Adventszeit. Dann lade ich Freunde, Bekannte und Mitarbeiter zu mir ein, und alle können so viele Plätzchen essen, wie sie mögen.» Glücklich kann sich schätzen, wer am «Tag der offenen Guetslidose» bei Beate Hagen in Uetikon eingeladen ist. Für Freunde und Bekannte verpackt Beate Hagen kiloweise Guetsli in farbige Dosen. Foto: Reto Schneider

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