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Zecken mit einem Pilz bekämpfen

Wädenswiler Forscher tüfteln an einer biologischen Zeckenfalle. Sie soll die Tiere stark dezimieren.

Von Pascal Münger Wädenswil – Sobald die Temperaturen wieder höher werden und man bei schönem Wetter durch den Wald spaziert, weiss man: Auch Zecken sind wieder aktiv und suchen nach unbedeckter Spaziergängerhaut für eine sogenannte Blutmahlzeit. Bis zu 12 000 Menschen werden jedes Jahr schweizweit von Zecken gebissen. Jedes zweite Tier – auch im Bezirk Horgen – kann die Bakterien für die heimtückische Lyme-Borreliose übertragen. Forscher der Fachstelle Phytomedizin am Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil arbeiten darum an einer biologischen Waffe, die die Zeckenpopulation reduzieren und damit den Menschen vor den Bissen besser schützen soll. «Wir wollen eine biologisch abbaubare Zeckenfalle entwickeln, welche die Zecken mit einem Lockstoff anlockt und anschliessend mit Pilzsporen infiziert und tötet», sagt Thomas Hufschmid, der federführende Forscher. Letzten Sommer hat er eine vom Bund (Kommission für Technologie und Innovation) finanzierte einjährige Machbarkeitsstudie zu seinem Fallenkonzept mit dem Namen «Attractand Kill» erfolgreich abgeschlossen.«Nun stehen wir vor der Eingabe eines dreijährigen Nachfolgeprojekts beim Bund, um unsere Variante der Zeckenbekämpfung weiter zu erforschen», sagt Hufschmid. Da der Bund aber nur einen Teil der Kosten übernehmen wird, sucht man an der ZHAW nach weiteren möglichen Geldgebern.Auf die Idee, Zecken mit pathogenen Pilzsporen anzugreifen, ist Hufschmid zufällig gestossen. «Eine Zecke, die wir zu Forschungszwecken eingefangen haben, starb ein paar Tage später im Labor an den Folgen eines Pilzbefalls, den sie in der Natur auflas.» Die Forscher an der ZHAW konnten den für Zecken tödlichen Pilz isolieren. Nun müsse man erforschen, ob der Pilz nur gefährlich für Zecken ist oder ob er auch schädlich für andere Tiere sein könnte. «Natürlich darf der Wirkstoff nur Zecken befallen und keinesfalls Mäuse, Füchse und andere Tiere im Wald», sagt Hufschmid. Fallen an «Brennpunkten» Wenn die Forscher Erfolg haben, könnte es zum ersten Mal einen Wirkstoff geben, der Zecken bereits in der Natur bekämpft und Zeckenbisse damit stark minimiert. «Natürlich soll unsere Methode nicht alle Zecken im Wald töten. Wir wollen die Tierart keinesfalls ausrotten», sagt Hufschmid. Darum würden die Fallen auch nicht zu Tausenden im Wald aufgestellt werden, sondern nur an ausgewählten Punkten. Hufschmid: «Einsatzgebiete könnten Wanderwege, Grillstellen, Vita-Parcours oder Einsatzstellen von Forstarbeiten sein.» Die Zeckenfalle soll auch nicht sofort in der ganzen Schweiz eingesetzt werden, sondern vorerst nur regionale «Brennpunkte» wie den Sihlwald von einem Grossteil der Tiere befreien.

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