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«Wozu braucht es für Naturerlebnisse eine Waffe?»

Jagdfieber Karl Lüönd: Warum ich Jäger bin, TA vom 19. August Doch Natur konsumiert. Der Autor, Jäger und selbst ernannter Magier, schwärmt vom Schweigen und Lauschen. Fährten lesen und den Wind prüfen. Er bezeichnet sich und seine Jägerfreunde als Naturschützer und natürlich auch als Tierfreunde. Damit die Jäger das Wild «tiergerecht» abschiessen können, trainieren sie ihr Handwerk mit viel Hingabe. Und weil die Mannen ihre Freizeit so gerne in der freien Natur verbringen, üben sie das Töten in Outdoor-Schiessanlagen wie jener in Embrach. Dort haben die wackeren Naturschützer die bundesrechtlich geschützte Aue in den letzten vierzig Jahren weiträumig in eine sanierungsbedürftige Sondermülldeponie verwandelt. Da tönt es schon etwas aberwitzig, wenn der Autor des Jagdartikels behauptet, dass die Jäger die Natur nicht einfach konsumieren, sondern auch aktiv etwas für sie tun. Wie dieses Tun aussieht respektive wie es tönt, kann man in Embrach anschauen und hören. Und die Zeche, sprich die Sanierung dieser Jagdschiessdeponie, bezahlen wir mit Steuergeldern. Es ist also keineswegs so, dass die Jäger für ihr Hobby keine Staatsgelder beanspruchen. Marianne Trüb, Dättlikon Verein Pro Töss-Auen Das Töten fällt ihm leicht. Der Aufsatz von Karl Lüönd liest sich fast wie ein Psychogramm seiner Person. Und da müssten bei einem Gerichtspsychiater sämtliche Alarmglocken schrillen, wenn er schreibt: «Nein, ich empfinde keine Lust, wenn ich abdrücke, so wenig, wie wenn ich im Herbst einen Apfel vom Baum pflücke.» Puh, so leicht fällt ihm also das Töten. Wenn er von den eindrücklichen Naturerlebnissen schwelgt, ist dies hingegen nachvollziehbar. Doch wozu braucht es da noch eine Waffe? Wenn Karl Lüönd die Jagd als «Kulturtechnik» beschreibt, wird es richtig archaisch: Man sieht ihn förmlich vor sich, wie er im grob zusammengeschusterten Pelzkleid durchs Unterholz huscht und anschliessend die Beute in die Höhle schleppt, wo ihn Weib und Kind erwarten. Locker behauptet er: «Ohne die Jäger wäre weder die Wiederansiedlung der Steinböcke noch die der Bartgeier gelungen.» Fakt ist: Dies waren vorab Projekte der Naturschutzorganisationen. Erinnern wir uns: Ein Walliser Jäger prahlte damit, einen Bartgeier geschossen zu haben. Zahlreiche Luchse wurden bereits gewildert, da die Jäger die Wildtiere als lästige Konkurrenz betrachten. Momentan gehts dem Wolf an den Pelz, da das scheue Tier offenbar illegal in die Schweiz eingereist ist. Kaum hatte ein Wolfspaar im Wallis zwei Rinder gerissen, wurde kurz darauf ein Wolf abgeschossen. Der Bär im Bündnerland hat sich inzwischen vorerst wieder verzogen – zu seinem Glück. Denn wer weiss, vielleicht wäre er ebenfalls früher oder später von eifrigen Jägern abgeknallt worden. Die Jagdsaison hat eben erst begonnen. Barbara Trentini, Maschwanden Betulicher Traditionalismus. Karl Lüönd ist ein beredter Autor, der die Jagd mit viel soziologischem und kulturgeschichtlichem Dekor legitimiert. Dabei bestätigt sich zweierlei: Die Jagd lebt von einem betulichen Traditionalismus und hinkt einer fortschrittlichen Tier-Ethik weit hintennach. Zum andern: Auch Lüönds Jagddiskurs ignoriert die zentrale Frage: Der jagdliche Arbeitsaufwand und Lustgewinn dient letztlich dem einzigen Ziel, einem anderen Lebewesen das Leben zu nehmen. Und das ist eine Sache nicht nur der Wildtierbiologie, sondern der philosophischen Werthaltung. Roland Stiefel, Rombach Jagd hinterfragen. Für Karl Lüönd ist die Jagd ein uraltes Kulturerbe, das es zu erhalten gilt. Jäger verpassen keine Gelegenheit ihren Respekt vor der Schöpfung und den Tieren in den Vordergrund zu stellen und zu betonen, dass sie für das Jagdpatent sogar noch bezahlen müssen. Zum ersten Mal höre ich allerdings, dass sie sich rühmen, für ihr Hobby noch nie Subventionen verlangt zu haben. Karl Lüönd empfindet keine Lust beim Töten von Tieren, es ist für ihn dasselbe Gefühl, wie wenn er einen Apfel vom Baum pflückt. Vor dem Abdrücken fragt er sich, ob das Tier «schussbar» ist, es ist also ein rein technisches Vergnügen. Lüönd greift den Tierschutz an, der Schuld daran trage, dass die Pelze der erlegten Tiere nur schwer absetzbar seien. Tatsache ist, dass keine grosse Nachfrage nach diesen Fellen besteht. Die Anti-Pelz-Kampagne des Tierschutzes richtet sich jedoch gegen Pelztierfarmen, also die industrielle Pelzgewinnung und kämpft für eine klare Deklaration, über die Herkunft der Pelze. Ich frage mich, wie viele «gefährliche Raubtiere» (Wolf im Wallis) noch abgeknallt werden müssen, bis die noble Selbstverpflichtung, wie die Jagd von Karl Lüond auch bezeichnet wird, von einer aufgeklärten Bevölkerung hinterfragt wird. Beatrice Meister, Unterlunkhofen Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Beute und Hund einer Treibjagd im Zolliker Wald. Foto: Michael Trost

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