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Wenn grüne Eindringlinge zum Problem werden

Einige exotische Pflanzen breiten sich hierzulande übermässig aus. Otelfingen und Boppelsen haben ihnen gemeinsam den Kampf angesagt.

Der Riesenbärenklau wird bis zu 3,5 Meter gross und sieht dem einheimischen Kerbel ähnlich. Er stammt aus dem Kaukasus. Weil das Berühren der Pflanze, kombiniert mit gleichzeitiger oder späterer Sonneneinstrahlung, zu Blasen und Verbrennungen führen kann, ist die Pflanzung verboten. Die stattlichen Stängel wachsen schnell, wobei einheimische Pflanzen wegen Lichtmangel verdrängt werden. Bereits im 18. Jahrhundert wurde der Zierbaum aus China und dem Norden Koreas in Europa eingeführt. Seine Verbreitung ist schwer kontrollierbar. Mit seinem schnellen Wachstum verdrängt er heimische Pflanzen und beschädigt Bauten. Rinde und Blätter können Hautreizungen verursachen (Roden nur mit Handschuhen!), der Blütenstaub kann allergische Reaktionen hervorrufen. (asö) Die knapp ein Meter hohe Pflanze trägt ähnliche Blüten wie die Wicke. Sie stammt aus dem Himalaja, wächst heute in vielen Gärten und breitet sich gerne entlang von Gewässern aus. Dabei verdrängt es einheimische Arten. Besonders erfolgreich ist das Springkraut wegen seiner Samenkapseln. Beim Aufspringen werden diese bis zu 7 Meter weit geschleudert. Das Kraut steht auf der Verbotsliste. Von Andrea Söldi Boppelsen/Otelfingen – Prächtig blüht der Sommerflieder mit seinen violetten Dolden am Rande des Bopplisser Spielplatzes. Die Kanadische Goldrute wächst etwa an jedem zweiten Gartenzaun und die immergrüne Kirschlorbeer-Hecke schirmt eine Siedlung vor neugierigen Blicken ab. Pflanzen, an die sich unser Blick längstens gewöhnt hat. Doch alle drei stehen auf der schwarzen Liste der schweizerischen Kommission für die Erhaltung der Wildpflanzen (SKEW). Diese führt 23 Pflanzen auf, die sich in der Schweiz übermässig verbreiten und damit einheimische Arten bedrohen sowie gesundheitliche oder wirtschaftliche Schäden verursachen. Einige davon sind gesetzlich verboten: Die gebietsfremden, invasiven Organismen dürfen nicht mehr verkauft, gepflegt oder neu ausgepflanzt werden. Eine Bekämpfungspflicht besteht jedoch nicht. Ausser bei der Ambrosia, die auf beiden Listen figuriert. Wegen ihrer stark allergenen Wirkung wurde in den letzten Jahren eine grosse Kampagne gegen ihre Verbreitung geführt, die recht erfolgreich war: Mittlerweile konnten die Ambrosia-Bestände reduziert werden. Vereint gegen Eindringlinge Die Gemeinden Otelfingen und Boppelsen haben den Kampf gegen die sogenannten Neophyten gemeinsam aufgenommen. Bereits vor vier Jahren nahmen sie eine Bestandesaufnahme vor und kartierten die problematischen Pflanzenvorkommen. «Am meisten Schwierigkeiten bereiten uns der Japanknöterich, das Drüsige Springkraut sowie das Erdmandelgras», sagt der Otelfinger Gemeinderat Markus Bopp. Das Erdmandelgras, das seinen Namen kleinen mandelförmigen Samen an der Wurzel verdankt, bereitet vor allem den Bauern Sorgen. Das frisch-grüne Gras vermehrt sich stark und wird mit den Landwirtschaftsmaschinen von Acker zu Acker verschleppt. Das Drüsige Springkraut entwickelt zwar eine hübsche Blüte, konkurrenziert aber die heimische Vegetation in den Wäldern. Besonders problematisch ist der Japanknöterich, der in Boppelsen an sieben Standorten vorkommt: Sein Wurzelwerk kann mehrere Meter in die Breite und Tiefe wachsen; wenn beim Ausgraben auch nur ein kleines Wurzelstück in der Erde bleibt, spriesst der lästige Strauch von Neuem. Für die Bekämpfung seien schon verschiedenste Methoden mit wenig Erfolg ausprobiert worden, sagt Biologe Günther Gelpke, der am Samstag einen öffentlichen Rundgang durch Boppelsen leitete: Ausbaggern, mit Folie abdecken und mit Starkstrom verbrennen – wobei Letzteres für die Bekämpfer wohl gefährlicher sei als für die Pflanze. Auch der Einsatz von Chemie sei an den meisten Stellen nicht möglich, weil sich der Knöterich mit Vorliebe entlang von Gewässern ansiedelt; dort sind Pestizide verboten. In Boppelsen werde der Japanknöterich jedes Jahr gemäht, sagt Gemeinderat Cees van Rijn. Zudem hofft man, dass sich der Störenfried nach rund 20 Jahren von selber zurückzieht, weil seine Nahrungsreserven aufgebraucht sind. Es gebe Theorien, die darauf hinweisen. Im öffentlichen Raum werden diesen Sommer Zivildienstleistende unterwegs sein, die problematische Pflanzen ausreissen. Viele Neophyten wachsen aber auch in Privatgärten, und einige davon sind sehr beliebt. Weiterhin im Verkauf Um die Bevölkerung zu sensibilisieren, verschickten die beiden Gemeinden einen Prospekt in alle Haushaltungen, der auf die unerwünschten Arten aufmerksam macht. Der beliebte Sommerflieder etwa wird von Gartenfirmen weiterhin verkauft. Eigentlich müssten sie die Käufer aber informieren, wie damit umzugehen ist: Die Blütenstände sollten nach dem Verblühen entfernt werden, damit der Strauch nicht versamt. Abgeraten wird auch von der Pflanzung des Kirschlorbeers, der bereits vielerorts im Wald anzutreffen ist und einheimische Arten verdrängt. Als Hecke ist der aus Westasien stammende Strauch jedoch beliebt, weil er billig ist, schnell wächst und auch im Winter grün ist. Seit Menschen reisen, haben sie Pflanzen verbreitet, besonders aber seit der Entdeckung Nordamerikas im 15. Jahrhundert. Als Neophyten gelten alle Arten, die ab 1500 eingeführt wurden. Die meisten verhalten sich hier problemlos oder sind sogar willkommen. Viele konnten sich im hiesigen Klima gar nicht etablieren. Nur etwa 40 Pflanzenarten bereiten Probleme. Genau beschrieben sind sie auf der Website der SKEW. www.cps-skew.ch Der Baum mit den violetten Blüten wird auch Schmetterlingsstrauch genannt, weil er Schmetterlinge anzieht. Diese sind jedoch nicht auf den Nektar angewiesen, für Raupen ist die Pflanze bedeutungslos. Um 1900 aus China eingeführt, blüht der Sommerflieder heute in zahlreichen Gärten und in der freien Natur. Er verdrängt einheimische Pflanzen, auf die hiesige Tiere angewiesen wären. Die Goldrute ist hier schon lange weit verbreitet. Drei von vier Unterarten befinden sich auf der Liste der verbotenen Pflanzen. Die meterhohe Staude wurde als Zier- und Nektarpflanze aus Nordamerika eingeführt und verdrängt immer mehr die einheimische Flora. Handel und Umgang mit dieser Pflanze sind verboten. Sie sollte bei feuchtem Boden möglichst vollständig ausgegraben und mit dem Abfall entsorgt werden. Die Zierpflanze mit den süsslich duftenden Blüten wurde aus Ostasien eingeführt. Die teilweise immergrüne Liane rankt sich an anderen Bäumen bis zu 10 Meter empor, bildet ein dichtes Geflecht und hemmt dadurch den darunterliegenden Baum. Die Samen werden durch Tiere weit verbreitet. Obwohl die Ausbreitung der Pflanze Probleme bereitet, wird sie von Gartenbauern immer noch angeboten.

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