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Wenn Eltern bei «Happy Slapping» nur Bahnhof verstehen

Oft wissen Eltern nicht, was ihre Kinder im Internet treiben. Der Oetwiler Elternrat lud deshalb zu einem Informationsabend ein.

Oetwil. - Was heisst «WoW»? Die Abkürzung bedeutet nicht etwa «Welt ohne Web», nein, es handelt sich um ein beliebtes Online-Game. Solche Fragen konnten die meisten Mütter und Väter nicht beantworten, die am Mittwoch den Vortrag «Neue Medien - Generation Internet» im Schulhaus Blattenacher besuchten. Der Oetwiler Elternrat griff das Thema auf und organisierte einen Vortrag, bei dem Eltern mehr über Gefahren bei der Nutzung von Handy und Internet erfahren sollten. Die Jugendarbeiter Roger Bollhalder und Roger Lütolf führten durch den Abend.

Lütolf zitierte einige Studien und Zahlen. 90 Prozent der 11- bis 16-Jährigen haben ein Handy. Eine andere Studie zeigt, dass ein Drittel der 12- bis 15-Jährigen schon mit dem Phänomen Happy Slapping konfrontiert wurden. Dabei werden Prügeleien gefilmt und übers Handy ausgetauscht oder ins Internet gestellt. Lütolf und Bollhalder zeigten den Eltern, wie leicht das geht: Kurz mit dem Handy filmen, mit ein paar Klicks auf den Computer laden - und schon sahen die überraschten Anwesenden das Filmchen auf der Wand des Singsaals.

Beim sogenannten Snuff Video wird es noch brutaler: Pornografische Szenen, Mord und Totschlag oder Selbsttötungen werden gefilmt und anschliessend per Handy oder übers Internet verbreitet.

Einmal im Netz, immer im Netz

«Jugendliche wollen Grenzen ausloten und sich inszenieren», erklärte Lütolf. Facebook, Youtube, MSN und andere Internetsites würden ihnen dies ermöglichen. Aufreizend gekleidete 13-jährige Mädchen, die sich im Internet in lasziven Posen präsentieren, seien längst keine Ausnahme mehr. «Die wenigsten wissen aber, dass sie die Kontrolle über die oft peinlichen Bildchen verlieren, sobald diese im Netz sind», sagte Lütolf.

Er zeigte dann den Vorspann zum Computerspiel «Grand Theft Auto IV»: Ein Bösewicht schlendert bei cooler Musik durch New Yorks Strassen, fährt tolle Autos, übersteht da und dort eine Schiesserei. Was das Filmchen verschweigt: Der Typ erschiesst Polizisten, schlägt Prostituierte tot und dealt mit Drogen. In der ersten Verkaufswoche ging das Spiel 6 Millionen Mal über den Ladentisch. Eine Umfrage Lütolfs bei 12-jährigen Knaben einer Schulklasse zeigte auf: 90 Prozent der Kinder kennen das Spiel und haben es auch schon gespielt - obwohl es erst ab 18 Jahren freigegeben ist.

Pfannenfertige Rezepte hatten die beiden Jugendarbeiter keine auf Lager, denn: «Wir sind keine moralische Instanz, die weiss, was richtig und falsch ist.» Familien müssten ihre Regeln selber aushandeln. «Machen Sie sich schlau!», lautete ihr Tipp. Infos: www.jugend-online.ch

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