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Wädenswil ist gegen neue Krippenfinanzierung

Die Stadt Wädenswil will an der bisherigen Krippen- subventionierung festhalten. Andere Gemeinden halten das Modell für veraltet.

Von Bettina Ledergerber Wädenswil – Die Stadt Wädenswil will bei der Krippenfinanzierung keine neuen Wege einschlagen. Der Stadtrat schlägt in einer Weisung vor, weiterhin einzelne Institutionen zu subventionieren und nicht Gutscheine an Eltern zu verteilen, die sich einen Betreuungsplatz aufgrund ihres Einkommens nicht leisten können. Mit den Gutscheinen könnten die Eltern selber wählen, in welche Krippe sie ihre Kinder schicken. Dieses Modell wird anderswo in der Schweiz angewandt. In Wädenswil warten derzeit 60 Kinder auf einen subventionierten Krippenplatz. Bis Ende 2013 muss die Stadt ein Angebot zur Verfügung stellen. Sie will mit neuen Krippen Leistungsvereinbarungen abschliessen und beim Tagesfamilienverein Plätze einkaufen. Grundlegende Probleme in den heute vorherrschenden Finanzierungsarrangements sieht etwa der Basler Wirtschaftsprofessor Alois Stutzer. In seinen Publikaktionen kommt er zum Schluss, dass mit dem heutigen Modell Familien sehr ungleich von der öffentlichen Finanzierung profitieren. Je nachdem ob sie subventionierte Plätze erhalten oder nicht. Betreuungsgutscheine dagegen kommen direkt der bedürftigen Zielgruppe zugute. Die Eltern können damit jene Institution wählen, die ihre Bedürfnisse am besten abdeckt. Sie belohnen gute Angebote und bestrafen schlechte. Bereits positive Erfahrungen mit Betreuungsgutscheinen hat die Stadt Luzern in einem Pilotprojekt gemacht. Der Stadtrat hat aufgrund einer externen Evaluation entschieden, am System festzuhalten. In Luzern führte die Abkehr von der Subventionierung einzelner Kindertagesstätten gemäss Evaluation zu einer Marktöffnung und einem grösseren Angebot. Im Gegenzug zum grösseren Aufwand bei der Qualitätskontrolle sei die öffentliche Hand in anderen Bereichen entlastet worden. Die Kosten habe man im Griff. Soziale Durchmischung steigt Das Luzerner Modell hat noch nicht viele Nachahmer gefunden. Im Kanton Zürich ist Küsnacht eine der ersten Gemeinden, in der Eltern Betreuungsgutscheine beantragen können. Die Eltern, die einen subventionierten Platz nötig haben, können wählen, ob sie ihre Kinder in die gemeindeeigene Krippe oder in eine private Institution in Küsnacht bringen wollen. Laut Gemeindeschreiber Peter Wettstein funktioniert das Modell gut. Der administrative Aufwand sei klein. Ein grosser Vorteil sei, dass die soziale Durchmischung gefördert werde. Die Wädenswiler Stadträtin Felicitas Taddei (FDP) kennt die Beispiele Luzern und Küsnacht. Davon überzeugt ist sie aber nicht: «Wenn ich das Modell mit den Betreuungsgutscheinen genau anschaue, sehe ich viele Nachteile, besonders den hohen administrativen Aufwand», sagt die Sozialvorsteherin. Wichtig seien die Qualität, die Professionalität und der gute direkte Kontakt zu den Kinderkrippen. Wenn die Stadt Einrichtungen direkt unterstütze, statt den Eltern die Wahlfreiheit zu geben, habe sie eine grössere Kontrolle, denn man könne die Finanzierung von Plätzen an konkrete Auflagen knüpfen. In der stadträtlichen Weisung ist von Mehrkosten von 700 000 Franken die Rede, welche das Gutscheinmodell verursachen würde. Diese Zahl sei in der Realität wohl nicht ganz so hoch, sagt Taddei. Andere Argumente sind für sie ausschlaggebender, zum Beispiel die Gefahr des Missbrauchs. Eltern könnten in der Zeit, in der ihre Kinder fremd betreut werden, einem Freizeitvergnügen statt einer Arbeit nachgehen. Taddei sagt: «Es liegt mir daran, jene zu unterstützen, die es wirklich nötig haben.» Die erwähnten Betreuungsgutscheine hat die Wädenswiler CVP einst in einem Postulat gefordert. Die Partei sei aber wieder davon weggekommen, wie Gemeinderat Michael Vogt sagt. Trotzdem findet er schade, dass die Idee nicht eingehender geprüft wird. Nationaler Plan für Krippen - Seite 3

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