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Von Nicole Roos

Von Nicole Roos Nänikon/Greifensee – Kuhglockengebimmel und Baulärm dominieren an diesem sonnigen und heissen Vormittag die Atmosphäre auf der Bluetmatt am Dorfrand von Nänikon. Der Weg zur schlichten Gedenkstätte führt an weissen Einfamilienhäusern vorbei. Sie liegen an der Bluetmattstrasse und etwas weiter vorn am Bluetmattweg. Folgt der Besucher dem Kiesweg, sieht er drei rote Sitzbänke aus Holz und zwei graue aus Beton. Sie stehen am schlichten und doch ehrwürdigen Denkmal. «Todesstätte der tapferen Besatzung von Greifensee 28. Mai 1444» steht auf dem grauen Stein geschrieben. Darunter sind auf einer Tafel in goldiger Schrift die Namen der Opfer aufgeführt. Allen voran Hans von Breitenlandenberg, der Anführer aus der Stadt Zürich. Heute ist die Bluetmatt ein friedlicher und besinnlicher Ort. Ausser dem Denkmal erinnert nichts mehr an den grauenhaften Donnerstag vor Pfingsten 1444. Einen Monat belagert Damals lag Zürich mit den restlichen Eidgenossen im Clinch (Alter Zürichkrieg 1436–1450). Immer wieder kam es zu kämpferischen Auseinandersetzungen der beiden verfeindeten Lager. Ihren Höhepunkt erreichten die Kämpfe im Frühjahr 1444. Da eine Belagerung der Stadt Zürich für die Eidgenossen aussichtslos war, entschieden sie sich, das befestigte Städtchen Greifensee zu stürmen. Die Verteidiger unter Kommandant Hans von Breitenlandenberg lagerten im Städtchen und in der damaligen Burg (heute Schloss Greifensee) Nahrungsmittel, Waffen und Pulver ein. Von Breitenlandenberg war ein erfahrener Kriegsmann und erklärter Feind der Eidgenossen. Seine Truppe bestand aus einigen Stadtbürgern und aus Untertanen der Herrschaft Greifensee. Im ganzen etwa 70 Mann. 12 Tage lang konnten sie das Städtli gegen die Eidgenossen verteidigen. Dann zogen sie sich in die Burg zurück und gaben die anderen Häuser preis. Zuvor hatten sie sie in Brand gesteckt. Die Eidgenossen rückten nun näher heran und begannen die Mauern der Burg zu untergraben. Verräter hatten ihnen eine günstige Stelle im Mauerwerk gezeigt. Doch die Verteidiger in der Festung wussten sich zu wehren. Sie warfen den Altarstein der Kapelle auf die grabenden Eidgenossen. Diese hatten einige Todesopfer zu beklagen. Nach mehreren Tagen harter Arbeit begann sich die Burgmauer endlich zu senken. Da es kein Entrinnen mehr gab, versuchten die Zürcher zu verhandeln, um bei einem Abzug Gnade zu erhalten. Die Eidgenossen waren jedoch durch die langen Kämpfe und die grossen Verluste zermürbt und liessen keine Gnade walten. Die Verteidiger ergaben sich daraufhin bedingungslos und konnten einzig noch um eine Beichtgelegenheit vor dem zu erwartenden Tod bitten, wie Paul Kläui im Buch «Geschichte der Gemeinde Uster» schreibt. Über Leitern verliessen sie die Festung und wurden von den Schwyzern sofort gefesselt. Die Vorräte im Schloss verteilten sie unter sich. Die Gefangenen wurden am nächsten Morgen auf eine grosse Wiese bei Nänikon gebracht. Dort wollten die Schwyzer über die gefangen genommene Besatzung beraten. Der Anführer der Schwyzer, Ital Reding, wollte alle hinrichten. Andere fanden, dass die Leute aus dem Amt Greifensee freigelassen und nur die Söldner hingerichtet werden sollten. Ein Dritter forderte, alle freizulassen. Am Ende entschied Ital Reding, alle Verteidiger hinzurichten. Nur zehn Knaben und ergraute Männer blieben verschont, andere Quellen sprechen sogar nur von zwei Überlebenden. Kein Bitten, Weinen oder Klagen der Angehörigen zeigte Erfolg: Ohne Gnade entriss der Henker die Männer ihren Familien und schlug ihnen den Kopf ab. Nicht einmal das Kaiserliche Recht, jeden zehnten Mann gegen Lösegeld freizulassen, liess Reding gelten. Er wachte darüber, dass alle getötet wurden. Lange kein Gras gewachsen Als die Nacht über die blutige Matte hereinbrach, lagen 62 Köpfe auf der Wiese. Die Familien der Opfer beerdigten die Körper und Köpfe in Uster, während die Schwyzer das Schloss Greifensee niederbrannten. Zeitzeugen waren schon zur damaligen Zeit über die Grausamkeit der Hinrichtungen schockiert. An der Stätte des Grauen soll lange kein Gras mehr gewachsen sein. Wenige Jahre nach dem Massaker liess jemand auf der Bluetmatt eine hölzerne Kapelle errichten. Der Legende nach soll die Kapelle 1467 von der Witwe von Ital Reding gestiftet worden sein. Im Volksmund hiess es, der «Eisenkopf von Greifensee» habe nach der Schandtat auf der Blutmatte keine Ruhe gefunden. Auch nach seiner Ermordung 1466 habe er seine Familie heimgesucht und um Hilfe gebeten. Zu seinem Trost und seiner Erlösung habe seine Witwe am Ort des Grauens eine erste Kapelle erbauen lassen. Darauf habe Reding seine Familie in Ruhe gelassen. Später liess Gerold Edlisbach, Landvogt von Greifensee, dort eine Steinkapelle bauen. Er war 1444 Zeitzeuge des Massakers und hatte auch darüber geschrieben. Das Gotteshaus zerfiel jedoch, und 1839 waren die letzten Reste verschwunden. 1842 liess die Antiquarische Gesellschaft der Stadt Zürich die heutige pyramidenförmige Gedenkstätte errichten.

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