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Vom Letzigrund bei Vollmond bis ins AllgäuVom Letzigrund bei Vollmond über den Bodensee bis ins Allgäu

Sechs Gasballone und zwölf Heissluftballone nutzten die Bilderbuchnacht für eine historische Fahrt.

Von Ruedi Baumann Zürich/Memmingen (D) – Das Stadion Letzigrund war am Mittwochabend ein richtiger Flughafen mit entsprechenden Lautsprecherdurchsagen. So tönte es um 23.05 Uhr: «Wegen einer verspäteten Ankunft verzögert sich der Start bis um Mitternacht.» Dann aber schimmerte der Schalk des Sprechers doch noch durch. «Die sind leider stärker als wir.» Wegen eines Nachzüglers in Kloten durften die sechs Gasballone erst um 23.55 Uhr starten. Begreiflich, dass sich die Ballonfahrer gerne über den Flughafen mokieren. Zum Beispiel: «Hoffentlich falten sie Kloten endlich zusammen.» Ab 23.55 Uhr verlief der Jubiläumsanlass der 1910 von Militärpiloten gegründeten Ballongruppe Zürich wie im Bilderbuch. Die mit Wasserstoff gefüllten Ballone, die federleicht über dem heiligen Letzirasen schwebten, wurden in die Westecke des Stadions geschoben, die Helfer hängten ein paar Sandsäcke ab, und die Ballone verschwanden im Abstand von ein paar Minuten lautlos Richtung Osten über die gefährlichen Beleuchtungsmasten hinweg. Die dunklen Kugeln trieben bloss ein paar Hundert Meter hoch über die Stadt – ziemlich genau dem im Südosten aufgehenden Mond entgegen, der sich von seiner Finsternis allmählich erholte. Über dem Seebecken warf die Crew etwas Sand ab, die Ballone stiegen über den Adlisberg und via Gockhausen Richtung Winterthur und Bodensee. Der Wind verhielt sich gemäss Sicherheitschef Erich Zweifel genau wie prognostiziert: in der Höhe stärker als am Boden, auf 2000 Metern bis zu 30 Kilometer pro Stunde. Zwei Ballone landeten vor dem Bodensee, vier überquerten ihn bei Konstanz und flogen über Ravensburg hinaus bis fast nach Memmingen – 166 Kilometer weit. Ein Vogelkonzert frühmorgens Grössere Distanzen wären ohne weiteres möglich gewesen. Doch bei den einen lockte das Frühstück, und bei den anderen schmerzten die Füsse. «Acht Stunden lang stehen ist ziemlich mühsam», berichtet Ballonfahrer Andreas Zweifel. Höhepunkt der ganzen Fahrt sei die Morgendämmerung über einem Wald am deutschen Ufer des Bodensees gewesen. «Wir fuhren 600 Meter über Grund, und die Vögel tönten so laut wie in einem Konzertsaal», erzählt Zweifel. Denkwürdig war auch der Start der zwölf Heissluftballone morgens um 3.45 Uhr. Sie versammelten sich bei fast völliger Windstille über dem Letzigrund, liessen ihre Gasbrenner spielen und wirkten wie Lampions am Nachthimmel. Heissluftballone sind agiler als die trägen Gasballone, haben aber eine geringere Reichweite. Die traditionellen Gasballone sind wie Lastwagen, die Heissluftballone die Sportwagen. Die Hälfte der Heissluftballone überquerten den Bodensee, die anderen landeten im Thurgau. Die Gasballone kurz nach Mitternacht über Zürich. Der eine ist schon höher gestiegen, um den Südwestwind Richtung Bodensee zu erfassen. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

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