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Vom Erfolg geblendet

Diesmal gabs eine böse Überraschung: Nach dem sensationellen 2. Rang bei der letzten Schweizer Meisterschaft verloren die Curler von Uitikon-Waldegg ihren Platz in der A-League an GC – und vieles mehr.

Von Deborah Bucher Gross war die Verblüffung und noch grösser die Euphorie danach. Manuel Ruch führte sein Team vor einem Jahr an der SM-Finalrunde zur Silbermedaille. Im ungleichen Duell mit dem erfahrenen St. Moritz wäre für Uitikon-Waldegg nicht einmal der Titel abwegig gewesen, hätte bei der Abgabe des letzten Steins die Hand nicht gezittert. Die 6:8-Niederlage verhinderte den Paukenschlag, gleichwohl deuteten die Rookies bei der Ouvertüre im Elitefeld mit unerschrockenen Leistungen ihr Potenzial an. Die Experten geizten nicht mit Lob und prognostizierten eine Wachablösung. «Dieser unerwartete Erfolg öffnete uns viele Türen», durfte der Skip erfreut feststellen. Der 24-jährige Wirtschaftsstudent verkündete weiter eine konsequente Vorwärtsstrategie. Sein Masterplan war auf 2014, eine Teilnahme bei den Winterspielen in Sotschi und sogar auf eine Olympiamedaille ausgerichtet. An der Seite von Ruch, dessen Karriere vor drei Jahren mit Rang 5 bei der Junioren-WM in Schwung gekommen war, nahmen Claudio Pätz, Daniel Graf und neu Andreas Klauenbösch die Saison der Bestätigung in Angriff. Der starke Eindruck trog Am Sonntag ist diese zu Ende gegangen. Zum Glück, ist man geneigt zu sagen. Denn sie war demaskierend für die junge Mannschaft von Uitikon-Waldegg. Nach einer verpatzten Qualifikation mit dem 10. und letzten Rang verspielten die Zürcher zuletzt nebst viel Kredit auch ihren Platz in der Swiss League A. Drei Siege aus sieben Begegnungen waren zu wenig für den Ligaerhalt und eine dafür erforderliche Klassierung in den Top 4 bei der Auf-/Abstiegsrunde in Bern. «Wir haben unglücklich gekämpft – schon den ganzen Winter über», klagt Ruch. Er ist sich aber bewusst, dass es eine zu simple Erklärung wäre, nur das fehlende Glück für den Absturz verantwortlich zu machen. Deshalb lautet seine Folgerung: «Wir haben einfach zu wenig gut gespielt.» Das könne mit der hohen Erwartungshaltung zusammenhängen. Er ortet das Problem ebenso in der Negativspirale und deren lähmender Wirkung sowie in der ungewohnt langen Saison. Sie hatte bereits Ende Oktober mit den EM-Trials begonnen und wurde nach dem Scheitern in der dortigen Dreier-Konkurrenz nahtlos mit einem zweiwöchigen Trainingslager in Kanada fortgesetzt. Schliesslich findet der Uzwiler noch deutlichere Worte und relativiert sogar die Errungenschaften aus der Vorsaison. Vielleicht hätten sie über ihren Verhältnissen gelebt. «Wir spielten in einer einzigen Woche überragend und lenkten dabei die Aufmerksamkeit auf uns.» Als Letzter noch in die Finalrunde gerutscht – dies auch nur dank des Rückzugs einer Mannschaft –, preschte Uitikon-Waldegg damals auf Position 2 vor. Ein Erfolg, der sie möglicherweise etwas geblendet habe, findet Ruch in der schonungslosen Nachbetrachtung. Es kommt weit teurer zu stehen Die Analyse wird noch einige Zeit und wohl mehr als ein Zusammentreffen in Anspruch nehmen. «Wir müssen unsere Lehren aus diesem Rückschritt ziehen», fordert Ruch. Ob personelle Konsequenzen fällig sind, lässt er offen. Dagegen bestätigt er, dass interne Reibereien bislang ausgeblieben seien. «Eigentlich erstaunlich in so einer misslichen Lage.» Die Situation wird nicht angenehmer für Uitikon-Waldegg. Nebst Fördergeldern von Swiss Olympic entfällt vorerst auch die finanzielle Unterstützung durch den nationalen Curlingverband. «Zudem ist der Hauptsponsor abgesprungen. Alles in allem wird uns ein Betrag in fünfstelliger Höhe gestrichen», bedauert Ruch. Dass sich für den B-Ligisten die Tür im Rennen um den Schweizer Olympia-Startplatz wieder schloss, ist selbstredend. Der Teamchef lässt sich nicht entmutigen: «Wir sind von der Erfolgsstrasse abgekommen, aber der Weg zurück ist nicht versperrt.» Mit welscher Unterstützung Gegenteilig ist die Entwicklung bei den Grasshoppers verlaufen. Das von Jean-Nicolas Longchamp angeführte Quartett schaffte auf Kosten von Uitikon-Waldegg die Promotion in die höchste Liga. Dem 2. Rang in der B-Meisterschaft liessen die Zürcher den Sieg in der Aufstiegsrunde folgen. Letztmals war GC in der Saison 2008/09 durch Pieter-Jan Witzig in der Swiss League A vertreten, davor stellte der Klub mit Reto Seiler und Werner Attinger sogar zwei Teams. Der 31-jährige Longchamp, Physiker von Beruf, gründete erst im letzten Frühling ein neues, kompetitives Team und konnte anstelle der Witzig-Equipe in der B-Liga antreten. Bei der Zusammenstellung bediente der einstige Skip von Lausanne Olympic (als Nachfolger des Olympiasiegers Patrick Hürlimann) und Genf sich auf dem Westschweizer Markt. Er holte das Genfer Brüderpaar Dominique (24) und Yannick Panzera (23) ins Team. Die Lead-Position besetzte der Zürcher Renato Hächler (24). «Unser schneller Erfolg ist sehr erstaunlich. Vieles fusst auf individuellen Stärken und einer hohen Leistungsbereitschaft. Aufgrund der Wohndistanzen sind nämlich kaum Teamtrainings möglich», sagt Hächler. Der Abstieg von Uitikon-Waldegg in die Swiss League B hat für Skip Manuel Ruch einen einfachen Grund: «Wir spielten zu wenig gut.»Foto: Peter Schneider (Keystone) «Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Weiter-lesen ist nicht erforderlich.» Jean-Nicolas Longchamp

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