Zum Hauptinhalt springen

Vergewaltigung war erfunden – junge Frau fürs Lügen verurteilt Titel (mind. 2-, Max. 3-zeilig)

Eine 24-Jährige hielt vor Obergericht am Vergewaltigungsvorwurf fest, obwohl alles dagegen sprach.

Von Stefan Hohler Zürich – Standhaft beharrte eine Sachbearbeiterin aus dem Kosovo auf dem Vorwurf des Vergewaltigungsversuchs, auch als sie sich in Widersprüche verstrickt hatte. Weshalb die 24-Jährige nicht davon abrückte, konnte das Obergericht ebenso wenig klären wie zuvor das Bezirksgericht. Die Behauptung könnte eine emotionale Entgleisung oder das Werk des eifersüchtigen Freundes gewesen sein, vermutete der Gerichtsvorsitzende gestern an der Verhandlung. Laut Anklageschrift gab die Frau an, sie sei am Abend des 19. Juni 2008 bei einer Bushaltestelle in Gossau von einem flüchtig bekannten Kollegen in dessen Lieferwagen gezerrt und in ein nahes Waldstück gefahren worden. Dort wollte der Mann sie vergewaltigen. Dank heftiger Gegenwehr und dem plötzlichen Erscheinen eines unbekannten Passanten habe sie flüchten können und darauf einen ebenfalls unbekannten Autofahrer angehalten, der sie mitnahm. Zu Hause rief sie ihren Freund an und erzählte ihm vom Vorfall. Auf dessen Rat hin informierte sie die Polizei. Der Fall kam der Polizei bald verdächtig vor, nicht zuletzt, weil die angeblich traumatisierte Frau einer Gratiszeitung bereitwillig von ihrer «Horrorfahrt» erzählte.Die Polizei verhaftete den angeblichen Entführer, einen damals 23-jährigen verheirateten Bäcker aus Serbien. Dieser stritt nicht ab, die Frau an jenem Abend getroffen zu haben. Man sei aber nicht in ein Waldstück gefahren, sondern nach Uster und habe in einem Restaurant kurz etwas getrunken. Die weiteren Ermittlungen bekräftigten das Misstrauen. So fand die Spurensicherung im Lieferwagen zwar 18 Haare. Aber keines stammte von der Frau – obwohl der Mann sie angeblich heftig an den Haaren gerissen hatte. Die Fachleute untersuchten auch ihr zerrissenes T-Shirt. Das Resultat: Die Beschädigung dürfte durch ein Schneidewerkzeug und anschliessendes Zerreissen entstanden sein. Auch die beiden Helfer meldeten sich trotz Zeugenaufruf nicht bei der Polizei. Mann sass zwei Tage in Haft Ausschlaggebend für den Zweifel waren aber die Aussagen einer Serviceangestellten. Sie bestätigte, dass sich das Paar tatsächlich zum Entführungszeitpunkt im erwähnten Restaurant in Uster befunden hatte. Die Beschuldigte war dort Stammgast, und die Serviceangestellte konnte sich noch gut an sie erinnern, weil sie eine neue Frisur hatte. Die Beschuldigte verneinte, an dem Abend im Lokal gewesen zu sein. Sie habe in der Vergangenheit ein Hausverbot erhalten, weil sie zu laut gewesen sei. Daran konnte sich aber weder die Serviceangestellte noch die Geschäftsführerin des Restaurants erinnern. In der Folge stellte der Staatsanwalt das Verfahren gegen den Mann ein. Für die beiden Tage in Untersuchungshaft erhielt er 400 Franken Genugtuung. Im Gegenzug eröffnete er gegen das angebliche Opfer ein Verfahren wegen falscher Anschuldigung. Vor Gericht hinterliess die Beschuldigte einen zweifelhaften Eindruck. Sie beschrieb den Vorfall ungenau und verstrickte sich in Widersprüche. Ihre Verteidigerin forderte einen Freispruch. Sie ging im Plädoyer nicht auf die Beweislage ein, sondern argumentierte formaljuristisch. Die Zeugenaussagen dürfen nicht verwertet werden, der Anwalt sei zu spät aufgefordert worden. Ihre Mandantin habe bei der Konfrontationseinvernahme dem «Peiniger» gegenübersitzen müssen. Sie habe einen Zusammenbruch erlitten und deshalb auf die weitere Teilnahme verzichtet. Man hätte eine Videoübertragung machen müssen, monierte die Verteidigerin. Für das Obergericht waren die Einvernahmen trotz Abwesenheit der Beschuldigten verwertbar. Denn die Frau sei nach der Verfahrenseinstellung gegen den Mann Beschuldigte und kein Opfer mehr gewesen. «Sie tun sich mit dem Rollenwechsel schwer», sagte einer der Richter. Die Darstellungen der Frau hätten sich «pulverisiert», alles spreche gegen sie. Die Zeugenaussagen seien klar und detailgetreu. Das Obergericht verurteilte die Frau – wie schon die Vorinstanz – wegen falscher Anschuldigung zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 30 Franken. Für den Vorsitzenden ein zu mildes Urteil, er hätte sich auch ein Jahr vorstellen können. Die Frau muss zudem die Verteidigungskosten und Gerichtsgebühren bezahlen. Einbürgerung unterbrochen Sollte das Urteil rechtskräftig werden, wird das momentan unterbrochene Einbürgerungsverfahren wohl noch für längere Zeit sistiert. Die Frau ist bereits 2007 wegen geringfügiger Veruntreuung verurteilt worden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch