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Unzufriedenes Spitalpersonal fordert Gesamtarbeitsvertrag

315 Angestellte der Spitäler Sanitas und Zimmerberg haben eine Petition unterschrieben. Sie wehren sich gegen das neue Personalreglement.

Von Patrick Gut Horgen/Kilchberg – Mitarbeitende der Spitäler Sanitas in Kilchberg und Zimmerberg in Horgen haben Spitaldirektor Markus Gautschi gestern eine Petition übergeben. 315 Personen – rund ein Drittel der Belegschaft – fordern einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Die Spitalleitung soll den Vertrag mit der Gewerkschaft VPOD (Verband des Personals öffentlicher Dienste) aushandeln. Der Hintergrund: Die Spitäler fusionieren, und so werden die beiden Personalreglemente durch ein neues Reglement ersetzt. Mit einem GAV soll verhindert werden, dass die Spitalleitung allein die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter festsetzt. Genau das ist aus deren Sicht passiert. Ins neue Reglement sei in verschiedenen Punkten jene Version aus den beiden alten Reglementen übernommen worden, die sich für die Mitarbeitenden nachteilig auswirke. «Die Mitarbeiter des Sanitas verlieren mit dem neuen Reglement drei Ferientage», sagt Annette Hug, Zentralsekretärin des VPOD. Eine zweite Verschlechterung sei das Arbeitszeitmodell. Neu gelte die Jahresarbeitszeit. «Im Spitalalltag bedeutet das, dass die Einsatzpläne sehr kurzfristig geändert werden können», sagt Hug. Die Personalkommissionen der beiden Spitäler seien in die Diskussion um das neue Reglement zwar einbezogen worden, letztlich habe die Spitalleitung das Reglement aber einseitig verfügt. GAV schwächt Position Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Spitaldirektor Gautschi: «Wir haben hart verhandelt und sind den Arbeitnehmern in verschiedenen Punkten entgegengekommen.» Gautschi nennt den Mutterschaftsurlaub, bei dem man die grosszügigere Lösung übernommen habe, und die Lohnfortzahlung bei Krankheit und Unfall. Einzig auf den beiden kritisierten Punkten habe die Spitalleitung bestanden. Die 20 Tage Ferien, die das Reglement jetzt vorsehe, entsprächen den Gepflogenheiten bei Kanton, Gemeinden und den anderen Schwerpunktspitälern. Die Jahresarbeitszeit ermögliche mehr Flexibilität, weil die Arbeit übers Jahr gesehen nicht gleichmässig anfalle. Von der Forderung nach einem GAV hält Gautschi wenig. Ein Gesamtarbeitsvertrag für ein einzelnes Unternehmen mache keinen Sinn. Üblicherweise gelte ein solcher Vertrag für eine ganze Branche. «Im Konkurrenzkampf mit den anderen Spitälern würde ein GAV zudem unsere Position schwächen», sagt Gautschi. Wie sich Spitalleitung und Stiftungsrat nun verhalten werden, kann Gautschi noch nicht sagen. Zuerst müsse man die nächste Stiftungsratssitzung abwarten. «Ich will die Tür aber noch nicht ganz schliessen», sagt Gautschi. Notstand droht Für Annette Hug vom VPOD liegen die Vorteile eines GAV auf der Hand. Verhandlungspartner sei die Gewerkschaft und nicht mehr die Personalkommission bestehend aus Spitalmitarbeitern. Diese seien im Arbeitsrecht weniger bewandert als die Gewerkschafter. «Ausserdem ist es schwierig, wenn man als abhängiger Arbeitnehmer mit seinem Arbeitgeber verhandeln muss», sagt Hug. Das Argument mit dem Wettbewerb lässt die Gewerkschafterin nicht gelten: «Es geht nicht an, die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer zu verschlechtern, um die eigene Position im Wettbewerb zu stärken.» In diesem Falle würde das auf Kosten der Arbeitsqualität im Spital gehen. Das sei fahrlässig, zumal sich ein massiver Mangel an Arbeitskräften im Gesundheitswesen abzeichne. Lenke die Spitalleitung nicht ein, überlege sich die Gewerkschaft den Gang zur kantonalen Schlichtungsstelle.

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