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Unter Alkoholeinfluss rastete er aus

Sein «Hang zu roher, sinnloser Gewalttätigkeit» bringt einen 25-Jährigen 46 Monate ins Gefängnis.

Von Thomas Hasler Zürich – Der 25-jährige, 183 cm grosse, 73 Kilo leichte und mit 1,27 Promille abgefüllte Mann trifft morgens um sieben Uhr vor einer Bäckerei im Zürcher Stadtkreis 4 auf einen 37-jährigen, 194 cm grossen und 108 Kilo schweren Mann, der mit 2,23 Promille auch reichlich «Öl am Hut» hat, wie sich ein bekannter Oberrichter auszudrücken pflegt. Warum die beiden in Streit geraten, ist offenbar nicht klar. Auf jeden Fall schlägt das Leichtgewicht den Kraftsportler und Gewichtheber mit Faustschlägen ins Gesicht zu Boden. Dann tritt er dem wehrlos am Boden liegenden Mann in den Kopf. Einem zufällig anwesenden Zeugen kommt angesichts des schwungvollen Fusstritts nur ein Vergleich in den Sinn: wie ein Fussballspieler, der einen Freistoss ausführt. Dass der Kraftsportler kein schweres Schädelhirntrauma mit Hirnblutungen erleidet, ist dem Zufall geschuldet. Doch wer so zutritt, sagt das Gericht später, nimmt eine schwere Körperverletzung in Kauf. «Nüchtern nicht gewalttätig» Vor dem Bezirksgericht Zürich steht am Mittwoch ein schmächtiger, athletisch gebauter Mann mit schwacher Stimme. Von sich und seinen Straftaten – die Anklageschrift listet zwölf verschiedene Delikte auf – kann er nicht viel erzählen, weil der Richter nicht viel wissen will. Der Verteidiger spricht später von der «wenig bekannten Seite» des Beschuldigten – vom Mann, der seine Grosseltern unterstützt und gepflegt hat, vom Mann, der «nüchtern nicht im Geringsten gewalttätig ist», vom Mann, der eigentlich «ein liebens- und ehrenwerter Mensch» ist, aber auch vom Mann, der «mit Alkohol nicht umgehen kann», weil er «die Menge nicht sinnvoll dosieren kann». Exzessive Gewalt Er schäme sich für seine Taten, wenn er wieder nüchtern sei, sagt sein Anwalt. Und dafür gibt es jeden Grund, wie ein Blick in die Anklageschrift zeigt. Sie zeugt von einer «exzessiven Gewaltanwendung, die punkto Skrupellosigkeit seinesgleichen sucht», wie der Staatsanwalt sagt. Und das Gericht erkennt darin nicht nur eine hohe kriminelle Energie, sondern auch den «Hang zu roher, sinnloser Gewalttätigkeit». Vor einem Dübendorfer Klub schlug er einen ehemaligen Schulkollegen zu Boden, trat nach und verfolgte den Flüchtenden, schlug ihm mit der Faust auf den Hinterkopf und schlug dem erneut zu Boden gefallenen Mann nochmals ins Gesicht. In der S-Bahn Richtung Zürich weigerte er sich, eine Fahrkarte zu zeigen. Als die Polizei später erschien, erhob er drohend die Faust, um sie zu schlagen, konnte aber in Handschellen gelegt werden. Ein anderes Mal fragte er in Oerlikon zwei Brüder vergeblich nach Zigaretten und Feuerzeug. Er ging kurz weg, kam zurück und schlug beiden die Faust derart massiv ins Gesicht, dass sich beide im Universitätsspital notfallmässig behandeln lassen mussten. Ein paar Monate später griff er sich am Limmatquai im Vorübergehen ein iPhone, das auf dem Tisch eines Cafés lag. Als ihn der Besitzer festhielt, versetzte er ihm zwei Faustschläge, trat mit dem Fuss nach ihm und hob drohend eine Teleskop-Schlagrute. Dass er eines Nachts in Volketswil mit dem Auto – wahrscheinlich jenes seines Bruders – mit einem Kandelaber kollidierte und ungerührt weiterfuhr, bis ihn die Polizei anhielt, verwundert da nicht wirklich: Er hatte mindestens 1,78 Promille intus und in der Nacht zuvor nur zwei Stunden geschlafen.«Bei jedem Delikt stand er unter teilweise massivem Alkoholeinfluss», gibt sein Anwalt zu bedenken. Er hätte es gerne gesehen, wenn sein Mandant zu drei Jahren verurteilt, die Strafe aber zu- gunsten einer stationären Suchtbehandlung aufgeschoben worden wäre. Der Vorteil: Eine Suchtbehandlung dauert etwa sechs Monate. Verläuft sie erfolgreich, könnte die Freiheitsstrafe ausgesetzt werden. Dagegen wehrt sich der Staatsanwalt, der eine Strafe von viereinhalb Jahren beantragt. Die Länge der Strafe und die Kürze der Suchtbehandlung stünden in keinem vernünftigen Verhältnis. Keine ambulante Massnahme Das sieht auch das Gericht so. Es verwirft auch die vom Staatsanwalt beantragte ambulante Massnahme während des Strafvollzugs. Denn der 25-Jährige war vom Obergericht im vergangenen Herbst wegen anderer, aber gleich gelagerter Delikte bereits zu einer stationären Massnahme verurteilt worden. Zu den acht Monaten von damals kommen jetzt weitere 46 Monate dazu. Der 25-Jährige, hatte sein Anwalt gesagt, habe mit seinem alten Leben abgeschlossen. Er habe realisiert, um was es im Leben gehe. «Er ist ein liebens- und ehrenwerter Mensch und schämt sich für seine Straftaten – wenn er wieder nüchtern ist.» Der Verteidiger

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