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Umfrage per Computerstimme

Die «Weltwoche» hat das Institut des Opfiker SVP-Politikers Richard Muffler mit einer Umfrage beauftragt. Dessen Methode ist allerdings umstritten.

Von Andrea Söldi Opfikon – Eine Umfrage der «Weltwoche» sorgte im Juli für Aufsehen: Im Zusammenhang mit einem Vorstoss der SVP hatte die Wochenzeitschrift in den Nachbargebieten der Schweiz Bürger gefragt, ob sie einen Beitritt zur Schweiz befürworten würden. Rund die Hälfte der knapp 1800 Befragten sprachen sich dafür aus. Wie Recherchen der SP-nahen Zeitschrift «P.S.» ergaben, wurde die Umfrage von einem wenig bekannten Institut mit Sitz in Opfikon durchgeführt, das eine in der Schweiz bisher nicht benutzte Methode anwendet. Inhaber von SwissOpinion ist Richard Muffler, Opfiker SVP-Gemeinderat. Auf das Geschäftsfeld Marktforschung ist er wegen der Möglichkeiten gestossen, die Telefonsysteme bieten. Sie sind sein Hauptgeschäftsbereich. Weil er bis anhin nichts mit Marktforschung zu tun hatte, arbeitet er mit Spezialisten zusammen. Die Umfrage für die «Weltwoche» war der einzige Auftrag, den SwissOpinion bisher ausgeführt hat. «Methode ist unseriös» Wenig angetan von der neuen Methode sind die etablierten Sozialforscher. Der Geschäftsführer von Isopublic, Matthias Kappeler, bezeichnet sie schlicht als «unseriös». Sein Institut würde IVR nie anwenden, weil die Ergebnisse nicht repräsentativ seien. Seine Mitarbeiter würden geschult. Zum Beispiel erklären sie den Befragten Sinn und Zweck der Umfrage oder rufen zu einem vereinbarten Zeitpunkt nochmals an. «Das kann ein Computer nicht.» Eine zu kleine Mitmacherquote könne die Ergebnisse verzerren. Auch merke ein Computer nicht, ob wirklich die gewünschte Person am Telefon sei oder eventuell ein Kind. Auf die Umfragemethode reagiert hat auch der Verband Markt- und Sozialforscher, dem 37 Institute angeschlossen sind. «Es mag sinnvoll sein, IVR-Technologie für einfache Bestell- oder Abfrageprozesse zu nutzen, für seriöse Markt- oder Sozialforschung scheint sie aber eher unangebracht», schreibt der Vorstand der «Weltwoche». Diese hatte die Umfrage in ihrem Artikel als «gross angelegt, repräsentativ und wissenschaftlich abgestützt» bezeichnet. Vor Abstimmungen erprobt Anderer Meinung ist Richard Muffler: «Wir gehen davon aus, dass die Methode tauglich ist.» Zwar müsse sie noch besser erprobt werden, aber sie sei so weit ausgereift, dass man sie einsetzen könne. Seit zwei Jahren testet SwissOpinion die IVR-Methode mit Meinungsumfragen vor Volksabstimmungen, ohne die Resultate zu publizieren. Die Abweichungen der Umfrageergebnisse vom Ausgang der Abstimmungen seien stets geringer gewesen als jene der renommierten Institute. Bei der Minarett-Initiative, die mit 57,5 Prozent Ja-Stimmen angenommen wurde, hatte Isopulic im Vorfeld 37 Prozent Zustimmende und 49 Prozent Ablehnende eruiert. Meinungsforscher Claude Longchamp vom GfS-Institut hatte im Auftrag der SRG 53 Prozent Nein-Stimmen prognostiziert. «Im Bereich der Abstimmungen sind unsere Resultate gleichwertig», ist Muffler unterdessen überzeugt. Ein Vorteil sei, dass er mit seinen Telefonsystemen bis zu 2000 Anrufe gleichzeitig schalten könnte. So erhalte er in kürzester Zeit Vergleichswerte, indem man verschiedene Wochentage und Tageszeiten wähle oder zum Beispiel die gleiche Umfrage mal mit einer Frauen- und einer Männerstimme durchführe. Dass die IVR-Technologie mit persönlich geführten Interviews mithalten kann, hätten auch Untersuchungen in den USA gezeigt, wo Umfragen vor Präsidentschaftswahlen sogar zu präziseren Ergebnissen geführt hätten. Bei der fraglichen «Weltwoche»-Umfrage sind in allen vier Nachbarregionen ähnliche Resultate erzielt worden. «Das spricht für die Methode», findet Muffler. Platzhirsche werden nervös «Weltwoche»-Inlandchef Philipp Gut schreibt auf die neue Methode angesprochen: Man habe eine Firma beauftragt, die dank modernster Technologie eine innovative Methode anwende. Diese werde in den USA seit Jahren erfolgreich praktiziert. Wie viel die Umfrage gekostet hat, will er nicht sagen. Die marktbeherrschenden Anbieter seien nicht über alle Zweifel erhaben, wie die massiven Fehlprognosen bei der Minarett-Initiative zeigten, so Gut weiter. Wenn nun eine seriöse Diskussion über die Methoden und Anbieter in Gang komme, sei das nur zu begrüssen. «Offensichtlich reagieren die Platzhirsche nervös auf die innovative neue Konkurrenz.» Auffällig ist, dass die «Weltwoche»-Umfrage von einem SVP-Politiker durchgeführt wurde und dann akkurat die Resultate lieferte, die ins Konzept der Partei passen. Darauf sagt Muffler, der einzige Zusammenhang bestehe darin, dass er «Weltwoche»-Leser sei. Er habe seine Resultate im Vorfeld der Volksabstimmungen verschiedenen Medien angeboten. Die «Weltwoche» habe als einzige reagiert. In diesem Punkt entlastet auch Matthias Kappeler seinen neuen Mitstreiter auf dem Markt: «Es ist nur logisch, dass politisch interessierte Leute politische Umfragen machen.» Die Umfragemethode Interactive Voice Response (IVR) basiert auf automatisierten Telefonanrufen. Eine Tonbandstimme liest dem Teilnehmer die Fragen vor. Dieser antwortet mittels Tastendruck, zum Beispiel 1 für «ja», 2 für «nein», 3 für «weiss nicht». Während die Methode in den USA seit etwa zehn Jahren von einzelnen Instituten angewendet wird, ist SwissOpinion gemäss Inhaber Richard Muffler europaweit die einzige Firma, die damit arbeitet. Richard Muffler Der SVP-Gemeinderat und Telecom-Fachmann aus Opfikon ist Inhaber der Telconet AG. SwissOpinion ist ein Zweig der Telconet.

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