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Tumult auf der Kyburg

Woche für Woche ergiessen sich Hochzeitsgesellschaften über das hübsche Dörfchen. Für die Anwohner bedeutet das oft: verstopfte Strassen und verstellte Plätze.

Von Fabienne Würth Kyburg – Dicht an dicht drängen sich Autos an diesem schönen Samstag im Mai auf dem Parkplatz, der etwas ausserhalb des 400-Seelen-Dörfchens Kyburg liegt. Nur wenige Meter weiter zeigt sich, warum: Nicht nur Touristen und Tagesausflügler besuchen heute das Städtchen, sondern auch eine Hochzeitsgesellschaft. Rund siebzig Gäste pilgern für die Trauung in die Kirche Kyburg. Für die Dorfbewohner ist das Routine – und manchmal auch ein wenig ärgerlich. «Es kommt vor, dass auf den Strassen kein Durchkommen mehr ist», sagt Wolfgang Domesch, der direkt an der Dorfstrasse wohnt. In der Hochzeitssaison, von Ende April bis September, wird Kyburg jeweils zur Hochburg der Eheschliessungen: Bis zu sechs Feiern mit manchmal über hundertköpfigen Hochzeitsgesellschaften finden am Freitag (zivil) und Samstag (kirchlich) statt. Gemeindeschreiber Martin Lee wirbt um Verständnis für die Anwohner. Diese seien direkt betroffen von den Auswirkungen der Hochzeiten: So seien nicht nur die Strassen verstopft, auch der Busbetrieb werde behindert, und fremde Leute stellten ihre Autos auf privaten Plätzen ab – «um nur einige Beispiele zu nennen». Grundsätzlich freue er sich aber mit den Festgesellschaften. In der Kyburg zu heiraten, steht jedem Paar frei, das die gesetzlichen Auflagen erfüllt und bereit ist, für die höheren Kosten aufzukommen. So zahlen Brautpaare beispielsweise mindestens 225 Franken für die Sonderleistungen des Zivilstandsamts Illnau-Effretikon, das die Trauungen im Festsaal des Schlosses durchführt. Helikopterflüge verboten Die Hochzeitsgesellschaften kommen laut Sigrist Peter Denzler zum Teil auch aus den Nachbarkantonen, hauptsächlich aber aus Zürich, Winterthur, dem Unterland und dem Glattal. Pro Saison seien es bis zu vierzig, sagt Zivilstandsbeamtin Corinne Aeschbacher. «Weil der Saal viel Platz bietet, sind auch die Gesellschaften etwas grösser.» Um die Trauungen und den damit verbundenen Verkehr in Grenzen zu halten, haben das Zivilstandsamt und die Kirchenpflege Kyburg schon vor mehr als zehn Jahren Massnahmen getroffen: Geheiratet werden darf nur noch freitags und samstags, und mehr als vier respektive zwei Hochzeiten pro Datum werden nicht durchgeführt. «Zur Entlastung der Anwohner bewilligen wir beispielsweise keine An- oder Abflüge per Helikopter», sagt Gemeindeschreiber Lee. Auch nächtliches Feuerwerk sei verboten. «WIr haben hier schon alles erlebt», ergänzt er mit einem Schmunzeln. «Von einer Töffgruppe, die das frisch verheiratete Paar mit Motorenlärm begrüsste, über Hochzeiten im Mittelalterstil bis hin zu Polkatänzen.» Das Museum profitiert Die zwei Restaurants in Kyburg profitieren vom Hochzeitstourismus, und auch für das Schloss Kyburg lohnt er sich: Die Trauungen und die Apéros tragen laut Museumsleiter Ueli Stauffacher finanziell zum Betrieb bei. «Zudem beleben die Gesellschaften das Museum.» In einem sind sich in Kyburg alle einig: Der Rummel hat abgenommen. «Heute gibt es Samstage ohne Hochzeit», sagt Sigrist Denzler. In vergangenen Jahren seien jeden Samstag zwei Paare getraut worden. Woran der Rückgang liege, weiss aber keiner so genau. Wie dem auch sei: Der Kyburger Wolfgang Domesch hat in den zehn Jahren, in denen er an der Dorfstrasse wohnt, sein eigenes Rezept gefunden, um mit den Hochzeiten umzugehen: «Wenn ich in Stimmung bin, setze ich mich nach draussen und geniesse das Treiben – und sonst mache ich einfach die Fenster zu.» Die Hochzeitsgesellschaften umfassen manchmal über hundert Gäste. Foto: Heidy Dietiker

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