Zum Hauptinhalt springen

Titel (max. 2-zeilig)Zug im Zug

Grosser Bahnhof für kleine Eisenbahnen: In drei alten Wagen unter der Aubrücke wird gewerkelt, gewartet, geschwatzt.

Spitzmarke Von Bettina Ledergerber Au – Der Modelleisenbahn-Club des Bezirks Horgen (Mech) besteht aus drei Wagen und 40 Aktivmitgliedern. Etwa neun von ihnen trifft man Donnerstags unter der Aubrücke an. In den Eisenbahnwagen auf einem ehemaligen Anschlussgleis der Firma Blattmann. Die Wagen sehen auf den ersten Blick verlassen aus. Auf den zweiten Blick entdeckt man einen knallroten Kugelgrill darunter, mehrere Signalanlagen sind an einen Brückenpfeiler montiert, sogar eine alte Bahnhofglocke steht da. Die leuchtenden Geranien, welche den vierten Wagen, der in diesem Artikel keine grosse Rolle spielen darf, zieren, sieht man vom Seeweg aus. In diesen Wagen befindet sich das Reich der Eisenbahnliebhaber aus dem Bezirk Horgen. Sie treffen sich jeden Donnerstagabend. In diesen Wagen hat es eine Modellbahn, eine Bibliothek, ein Lager und ein Stübli. Auf dem Stammtisch liegt der Eisenbahn-Kurier, die Schweizer Eisenbahn-Revue und ein Heft namens Loki. In diesen Wagen werkeln die einen an der Modellbahnanlage und trinken Bier. Die anderen bevorzugen eine gemütliche Runde im Stübli, während sie am Kafi-Schnaps-Glas nippen. Dann hat es noch jene, die nichts verpassen wollen, den Modellbauern Tipps geben, um dann im Stübli wieder Vermutungen anzustellen, warum der Glacier-Express entgleist ist. Der Präsident, Fritz-Peter Meyer aus Horgen, ist so einer. Schmalspurgleis entsteht Derzeit geht es hektisch zu im Anlage-Wagen. Dort baut der Mech nun seit 24 Jahren an seiner Modelleisenbahn im Massstab 1:87. Schraubenzieher liegen herum, Leim- und Farbtuben. Es riecht nach Sägespänen, Schmieröl und nasser Wäsche. Züge fahren an den meisten Klubabenden aber keine. Das wäre zu gefährlich. Durch den Schwachstrom drohen Kurzschlüsse. So stehen die meisten Züge auf einem Abstellgleis oder im Bahnhof namens Mechenen. Über 300 Meter Gleis haben die «Mechener» schon gelegt. Das grosse Projekt ist ein Schmalspurgleis, das sich nach Vorbild der rhätischen Bahn nach oben schraubt in ein Bergdorf und auf der anderen Seiten wieder nach unten. Die Schmalspur ist das Gebiet von Vizepräsident Armin Steiner. Esther Hotz, die einzige aktive Frau, geht ihm zur Hand. Reinigt die Gleise mit der Bürste des Staubsaugers. Mit Gips wird bald noch eine Landschaft darum herumgebaut, bemalt, damit sie fertig ist am Tag der offenen Klubwagen vom 11. und 12. September. Alle zwei Jahre lädt der Mech die Bevölkerung ein, ihn zu besuchen. Hunderte Interessiere lockt die Veranstaltung jeweils an. Da gelingt es Präsident Meyer manchmal das eine oder andere Mitglied dazuzugewinnen. Keine Sprayereien Am Stammtisch geht die Diskussion in die nächste Runde. Da sind sich die Jungen und die Alten nicht immer einig. Carl Keel sagt. «Alles mach man nur noch mit dem Computer. Es gibt ja bald gar keine richtigen Stellwerke mehr.» Lehrling Jonatan Carvalhais kontert: «Ja, so geht es eben einfacher.» Zwei von den fünf Jungen sind an diesem Donnerstagabend zugegen. Sie sind Präsident Meyer besonders wichtig. Er gibt ihnen Tipps und bindet sie ins Vereinsleben ein. Den ältesten der Jungen, er ist 18-jährig, hat er kürzlich in den Vorstand integriert. Peter Fleischmann ist Beisitzer und organisiert die Vereinsausflüge. Spezielle Aufgaben haben auch andere Mitglieder. Es gibt den Wagenwart und den Wagenwirt. Christoph Schrag ist Wagenwirt. Er kontrolliert, dass alle Mitglieder das Geld für Rivella und Süssmost in die Kasse legen und die leeren Flaschen in den Harass versorgen. Regelmässig nimmt er den Boden im Stübli feucht auf. Er ist der Mann, der im Innern für Ordnung sorgt. Aussen ist dies die Aufgabe von Thomas Frisch. Zu unregelmässigen Zeiten schaut er vorbei. Nicht nur am Donnerstagabend. Ihm gehört der vierte Wagen, eine Art Laube. Manchmal geniesst er einen schönen Sommerabend mit seiner Freundin und einem feinen Znacht. Manchmal kommt er frühmorgens um die Blumen zu giessen. Der Gleisbauer arbeitet unregelmässig. Er sagt: Seit er zum rechten schaue, habe es fast keine Sprayereien mehr an den Wagen gegeben. Am Besten solle man ihn nicht zu gross erwähnen - um nicht womöglich noch «Neider und Hasser» anzulocken. www.mech.ch Der 1958 gegründete Modelleisenbahn-Club des Bezirks Horgen besitzt seit 36 Jahren ausgediente Eisenbahnwagen als Klublokal. Es handelt sich um zwei SBB-Stahlwagen und einen zweiachsigen Gepäckwagen der BLS. Die ersten standen bei der Station SOB-Station Burghalden, dann musste der Klub nach Samstagern wechseln. Als auch dort ausgebaut wurde, konnte der Klub die Wagen vor14 Jahren beim Bahnhof Au aufstellen. Eine Sektion des Vereins unterhält die Krokodillokomotive «Be 6/8 Nr. 13302». (led) www.mech.ch Von Bettina Ledergerber Au – Der Modelleisenbahn-Club des Bezirks Horgen (Mech) besteht aus drei Wagen und 40 Aktivmitgliedern. Etwa zehn von ihnen trifft man unter der Aubrücke an. In den Eisenbahnwagen auf einem ehemaligen Anschlussgleis der Firma Blattmann. Die Wagen sehen auf den ersten Blick verlassen aus. Auf den zweiten Blick entdeckt man einen knallroten Kugelgrill, mehrere Signalanlagen sind an einen Brückenpfeiler montiert, sogar eine alte Bahnhofglocke steht da. Vom Seeweg aus sieht man leuchtende Geranien, die den vierten Wagen zieren. Der vierte Wagen darf in diesem Artikel aber keine grosse Rolle spielen. In den drei ersten Wagen befindet sich das Reich der Eisenbahnliebhaber aus dem Bezirk. Sie treffen sich jeden Donnerstagabend. In diesen Wagen hat es eine Modellbahn, eine Bibliothek, ein Lager und ein Stübli. Auf dem Stammtisch liegen der «Eisenbahn-Kurier», die «Schweizer Eisenbahn-Revue» und ein Heft namens «Loki». In den Wagen werkeln die einen an der Modellbahnanlage und trinken Bier. Die anderen bevorzugen eine gemütliche Runde im Stübli, während sie am Kafi-Schnaps-Glas nippen. Dann hat es noch jene, die nichts verpassen wollen, den Modellbauern Tipps geben, um dann im Stübli wieder Vermutungen anzustellen, warum der Glacier Express entgleist ist. Der Präsident, Fritz-Peter Meyer aus Horgen, ist so einer. Schmalspur und Doppelspur Derweil geht es hektisch zu im Anlage-wagen. Dort baut der Mech an seiner Modelleisenbahn im Massstab 1:87. Seit 1986 ist dieser Wagen eine Baustelle. Schraubenzieher liegen herum, Leim- und Farbtuben. Es riecht nach Sägespänen, Schmieröl und nasser Wäsche. Modellzüge fahren an den meisten Klubabenden keine. Es wäre zu gefährlich. Durch den Schwachstrom drohen Kurzschlüsse. So stehen die meisten Züge auf einem Abstellgleis oder im Bahnhof Mechenen. Über 300 Meter Gleis haben die «Mechener» schon gelegt. Das aktuelle Projekt ist ein Schmalspurgleis, das sich nach Vorbild der Rhätischen Bahn nach oben schraubt in ein Bergdorf und auf der anderen Seite wieder nach unten. Schmalspur-Chef ist Armin Steiner. Esther Hotz, die einzige aktive Frau, geht ihm zur Hand. Sie reinigt die Gleise mit der Bürste des Staubsaugers. Mit Gips wird bald noch eine Landschaft darum herumgebaut und bemalt. Die fleissigen Modellbauer hoffen, dass sie fertig ist am Tag der offenen Klubwagen vom 11. und 12. September. Alle zwei Jahre lädt der Mech die Bevölkerung ein. Hunderte Interessierte kommen an diesen Wochenenden jeweils. Da gelingt es Präsident Meyer manchmal, das eine oder andere Mitglied dazuzugewinnen. Wagenwirt und Wagenwart Im Stübli geht die Diskussion in die nächste Runde. Da sind sich die Jungen und die Alten nicht immer einig. Carl Keel sagt. «Alles macht man nur noch mit dem Computer. Es gibt ja bald gar keine richtigen Stellwerke mehr.» Lehrling Jonatan Carvalhais kontert: «Ja, so geht es eben einfacher.» Zwei der fünf jugendlichen Mitglieder sind zugegen. Die Jungen sind Präsident Fritz-Peter Meyer besonders wichtig. Er gibt ihnen Tipps und bindet sie ins Vereinsleben ein. Der Älteste, er ist 18-jährig, hat er kürzlich in den Vorstand integriert. Peter Fleischmann ist Beisitzer und organisiert die Vereinsausflüge. Spezielle Aufgaben haben auch andere Klubmitglieder. Es gibt den Wagenwart und den Wagenwirt. Christoph Schrag ist Wagenwirt. Er kontrolliert, dass alle Mitglieder das Geld für Rivella und Süssmost in die Kasse legen und die leeren Flaschen in den Harass räumen. Regelmässig nimmt er auch den Boden im Stübli feucht auf. Er ist der Mann, der im Wageninnern für Ordnung sorgt. Aussen, um die Wagen herum, ist dies die Aufgabe von Thomas Frisch. Zu unregelmässigen Zeiten schaut der Wagenwart vorbei. Die ganze Woche durch. Ihm gehört der vierte Wagen. Dort sieht man ihn dann und wann einen schönen Sommerabend geniessen. Manchmal kommt er auch frühmorgens, um die Blumen zu giessen. Der Gleisbauer sagt: Seit er zum Rechten schaue, habe es fast keine Sprayereien mehr an den Wagen gegeben. Am besten solle man ihn nur am Rande erwähnen, damit die «Neider» nicht wiederkämen. Bildlegende. Foto: Vorname Name, Agentur Fröhliche «Mechener»: Präsident Fritz-Peter Meyer und Esther Hotz (vorne). Mit Carl Keel, Peter Fleischmann, Jonatan Carvalhais, Vizepräsident Armin Steiner, Claude und Christoph Schrag (v. l.). Foto: Patrick Gutenberg

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch