Zum Hauptinhalt springen

Titel (max. 2-zeilig)«Er hat der Nation immerhin neue Hoffnung gegeben»

Sabato Cerzosimo, 58, Lagerist, Salerno «Ich sage es gleich vorweg: Ich bin ein‹Berlusconianer›. Ich habe immer sein Centrodestra gewählt – von Beginn weg, also seit 1994. Er hat mir damals Vertrauen eingeflösst. Da er selber Unternehmer ist, dachte ich, dass Berlusconi etwas machen würde mit Italien, dass er Italien so managen würde, wie er das bis dahin mit seinen Firmen, die so gut laufen, getan hatte. Wir dürfen nie vergessen, dass Italien damals eine schwierige Epoche durchlief: Es war das Ende der Ersten Republik. Alle hatten den Staat bestohlen – die Rechten wie die Linken. Wir Italiener brauchten neue Hoffnung. Und Berlusconi bekam sofort einen schönen Zuspruch an den Urnen. Es gab danach gute Zeiten: Momente des gesellschaftlichen Wohlstands. Die Unternehmen im Land florierten. Und als Angestellter habe ich das auch im Portemonnaie gespürt. Doch in der jüngsten Vergangenheit, das muss ich zugeben, ist meine Begeisterung für den Mann etwas zurückgegangen, ja, es hat sich bei mir sogar eine gewisse Enttäuschung eingeschlichen. Das hat viel mit der Persönlichkeit unseres Premiers zu tun. Es ist sein privates Verhalten, das auf meine Stimmung drückt. Natürlich werden wir von euch Journalisten und von den Zeitungen beeinflusst, die seit Monaten alle diese hässlichen Geschichten aus dem Privatleben Berlusconis auftischen. Und ich lese die Zeitung jeden Tag, ich habe die Geschichten alle gelesen. Vielleicht wird auch übertrieben. Doch andererseits sind Tatsachen nun mal Tatsachen. Enttäuscht bin ich auch von Gianfranco Fini, den ich politisch immer sehr geschätzt habe. Seine letzte Operation überzeugt mich nicht, ich sehe nicht dahinter. Und links werde ich ohnehin niemals wählen – die Linken sind nämlich nicht besser. Das hier ist eine Zeit der grossen Verwirrung. In meiner Umgebung spüre ich viel Konfusion darüber, was die mögliche Zukunft des Landes angeht. Verändert hat Berlusconi nicht viel in diesen Jahren. Er hätte wahrscheinlich viel mehr erreichen können. Doch entweder fehlte jeweils der letzte Wille, oder seine Vorhaben prallten an der Gummiwand der Widerstände ab. Ich wusste, dass er die meisten seiner Versprechen nie einlösen würde. Aber immerhin hatte er den Mut, der Nation neue Hoffnung zu machen. Er kann ja nicht alleine walten, sonst wäre das wie zu Zeiten des Faschismus.» Aufgezeichnet von Oliver Meiler

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch