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Titel (max. 2-zeilig)Die Wächter über das Wohl der Obermeilemer

Der Quartierverein Wavo feiert heuer sein 50-Jahr- Jubiläum. Einst kämpfte er gegen Flachdächer, heute gegen Handyantennen.

Von Melanie Keim Meilen – Wavo stand auf dem T-Shirt, das man als Schüler der Primarschule Obermeilen jeweils am jährlich stattfindenden Schülerspieltag als Geschenk erhielt. Freude daran hatten alle. Wofür jedoch genau diese Abkürzung stand, und was denn «Wachtvereinigung Obermeilen» zu bedeuten hatte, war vielen Schülern unklar – verbindet man doch als Unwissender das Wort «Wacht» eher mit einem Polizeiposten als mit einem Quartierverein. Gänzlich falsch ist diese Assoziation freilich nicht, da die Meilemer Wachten früher einmal für die Nachtwächter zuständig waren. Ursprünglich bezeichnete eine Wacht einen unabhängiger Dorfteil. In Meilen , wo es ab dem 15. Jahrhundert die drei Wachten Obermeilen, Dorf und Feld gab, hatten sich diese um Steuereintreibung, Schulen, Wehrdienst oder eben auch die Einhaltung der Polizeistunde zu kümmern. Zusehends wurden solche Belange aber von der gesamten Gemeinde geregelt, und die Wachten verloren an Bedeutung – bis sie sehr viel später als Quartiervereine wieder auferstanden. Im Dezember 1960 wurde die Wachtvereinigung Obermeilen, oder eben die Wavo, gegründet. Die Vereinigung wurde ins Leben gerufen, weil die Gründer gegen geplante Flachdachbauten in Meilen vorgehen wollten. Das ursprüngliche Bauerndorf drohte ihrer Ansicht nach durch voluminöse Bauten verunstaltet zu werden. Auch hohes Gras kann stören Auch noch nach 50 Jahren sind es ähnliche Anliegen, mit denen besorgte Obermeilemer an die Wavo herantreten. Ging es früher darum, eine Postfiliale nach Obermeilen zu bringen, was damals nicht gelang, so kämpfte die Wavo vorletztes Jahr erfolgreich für den Erhalt des Volg an der Alten Landstrasse. «Es ist uns wichtig, auf die Bedürfnisse der Bewohner zu reagieren», sagt Alain Chervet, Präsident der Wavo. Über Briefe, per Mail oder auch einfach bei einem zufälligen Treffen auf einem Spaziergang würden die Obermeilemer ihre Anliegen anbringen. Es handle sich dabei um ganz verschiedene Themen, von der Sorge um den Schulweg der Kinder bis zum Verhindern einer Handyantenne. «Manchmal handelt es sich auch um Dinge, die nicht jedem auffallen, zum Beispiel störend hohes Gras an einem Aussichtspunkt», erzählt Chervet. Er schmunzelt, weil auch sein Garten nicht immer unkrautfrei sei. Doch auch solche, für den Einzelnen eher unwichtige Anliegen dürfe man nicht vernachlässigen. Schliesslich gehe es darum, dass sich alle wohlfühlten in der Gemeinde. Deshalb haben auch Feste wie der Schülerspieltag mit anschliessendem Quartierfest oder der Gottesdienst im Ländeli seit vielen Jahren einen festen Platz im Jahresprogramm der Wavo. Gret Pfenninger, seit 40 Jahren Mitglied, erinnert sich an frühere Schülerspieltage: Sie sei jeweils fürs Verteilen der Wienerli und für die Geschenke zuständig gewesen. «Wir haben immer wahnsinnig gespart», sagt sie, «heute ist man da etwas grosszügiger.» Doch die Stimmung sei immer gut gewesen, und das Fest habe bis spät in die Nacht gedauert, erzählt Pfenninger, die als Vertreterin des Frauenvereins in der Wavo aktiv war. Früher habe man noch mehr auf die Männer gehört. Trotzdem fand sie in der damals männerdominierten Wavo regelmässig auch Unterstützung für die Anliegen des Frauenvereins. Als Geschenk ein neues Signet Zum Jubiläum gibt es für die rund 500 Mitglieder einen Apéro am Gründungstag im Dezember. Als Geschenk hat die Wavo ihr Signet modernisiert – als Sujet bleiben Schiff und Fährmann bestehen. Schliesslich liegt Obermeilen auf halber Strecke zwischen Zürich und Rapperswil, weshalb die Schiffsleute hier früher oft für einen Umtrunk einkehrten. Ob es zu einem zweiten Geschenk kommt, ist unklar, da der Gemeinderat noch über den Bau einer von der Wavo vorgeschlagenen Hängebrücke übers Beugenbachtobel zu befinden hat. Es wäre ein Geschenk für alle Meilemer, Abenteuer und Abkürzung in einem.

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