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THE ADJUSTMENT BUREAU

THE ADJUSTMENT BUREAU Von George Nolfi, USA 2011; 106 min. Thriller Ein Jungpolitiker (Matt Damon) vermasselt den Einzug in den US-Senat. Der Ärger ist schnell verklungen, als er sich in eine Tänzerin (Emily Blunt) verliebt. Doch dann wird er von dubiosen Gestalten verfolgt. Deren Job ist es, die Schicksale der Menschen zu überwachen. Und das Schicksal hat Einwände gegen die Liebe zwischen dem Politiker und der Tänzerin. Züritipp Das Schicksal wird hier von mysteriösen Männern in Mänteln und Hüten verkörpert: Die Idee stammt von Science-Fiction-Autor Philip K. Dick («Blade Runner»). Regiedebütant George Nolfi hat sie auf eine Liebesgeschichte angewandt. Ihm ist ein eleganter Film gelungen, der existenzielle Fragen unterhaltsam verpackt. Nur mit der Auflösung macht es sich Nolfi arg einfach. (ase) ABATON 8, ARENA 7, CORSO 4 LES AMOURS IMAGINAIRES Von Xavier Dolan, Ka 2010; 95 min. Liebesfilm Die besten Freunde Marie und Francis (Xavier Dolan) lernen an einer Party den unnahbaren Nico kennen. Hals über Kopf verlieben sie sich in den Beau. Bald zieht man zu dritt durch Montréal. Doch dann werden Marie und Francis zu bitteren Rivalen. Züritipp Nach «J'ai tué ma mère» überzeugt der 21-jährige Xavier Dolan erneut als Schauspieler und Regisseur. Das ist frech und frisch. Eine wunderbare Ode an die unerfüllte Liebe. (tue) RIFFRAFF 2 ANOTHER YEAR Von Mike Leigh, GB 2010; 129 min. Drama Tom (Jim Broadbent) und Gerri (Ruth Sheen) sind um die sechzig und seit Jahrzehnten glücklich verheiratet. Ihr Sohn ist ausgeflogen, also haben sie Zeit und Energie, um sich um ihre Freunde zu kümmern: Gerris Kollegin (Leslie Manville), die gern einen zwitschert, Toms Freund (Peter Wight), der sich vor lauter Frust mit allem vollstopft, was er kriegt, und Toms Bruder, der frisch verwitwet ist. Züritipp Selten hat ein Film so deutlich gemacht, wie essenziell Freundschaften für unser Leben sind. Zu diesem Zweck hat Leigh vier seiner Stammschauspieler zusammen-gebracht, die uns vergessen lassen, dass sie Schauspieler sind. Was hier zu sehen ist, ist vollkommen unspektakulär, aber von einer solchen Herzenswärme, dass man sich wünscht, ebenfalls in Toms und Gerris Küche sitzen zu dürfen. (bod) UTO STUDIO LARNACOEUR – HEARTBREAKER Von Pascal Chaumeil, F 2010; 105 min. Liebeskomödie Ein Auftrags-Lover (Romain Duris) stiehlt Frauen das Herz, damit sie es nicht den falschen Männern schenken. Doch dann verliert er sein eigenes – ausgerechnet an die schöne Tochter (Vanessa Paradis) des zwielichtigen Blumen-händlers, die er davon abbringen soll, ihren edlen Verlobten (Andrew Lincoln) zu heiraten. Züritipp Das ist professionelles Genrekino: unterhaltsam, ironisch, romantisch und komisch. (juz) ARTHOUSE COMMERCIO BIUTIFUL Von Alejandro González Iñárritu Mex 2010; 148 min. Drama Ein Kleinkrimineller (Javier Bardem) erfährt, dass er Krebs hat und ihm nur noch wenige Monate bleiben. Er unternimmt alles, um sein Leben in Ordnung zu bringen. Doch dann geschieht ein unvorstellbares Unglück: Es sterben Menschen, und er ist dafür verantwortlich. Züritipp Die Hauptfigur gerät immer tiefer in den Schlamassel, Regisseur Alejandro González Iñárritu («Babel») prügelt pausenlos auf den herzens-guten Kerl ein. Hoffnungsschimmer? Keine. Die Kamera klebt am brillanten Bardem. (ase) ARTHOUSE LE PARIS, ARTHOUSE NORD-SÜD, RIFFRAFF 3 BLACK SWAN Von Darren Aronofsky USA 2010; 103 min. Thriller Der Choreograf (Vincent Cassel) eines New Yorker Ensembles will, dass die Ballerina Nina (Natalie Portman) ihre dunklen Instinkte anstachelt, um den bösen schwarzen Schwan in Tschaikowskys «Schwanensee» zu tanzen. Züritipp Wer Schwan tanzt, muss Schwan werden: Kunst heisst bei Darren Aronofsky körperliche Selbstzerstörung. Der Weg dahin ist eine brutale Chronik des Wahns: Knochen knacken, Wunden verschwinden. Der Psychothriller verschmelzt Terror, Pathos und Realismus und ist so subtil wie eine Axt im Hirn. Die schmale Natalie Portman jedoch bewältigt diese Tour de Force grandios. (blu) ARENA 8, FROSCH STUDIO 1, RIFFRAFF 4 CONVICTION Von Tony Goldwyn, USA 2010; 110 min. Drama Kenny Waters (Sam Rockwell) ist vorbestraft. Wegen Mordes verurteilt man ihn zu einer lebens-langen Strafe, obschon er seine Unschuld beteuert. Nachdem er sich umzubringen versucht hat, verspricht ihm seine Schwester Betty Anne (Hilary Swank), ihn rauszuholen. Daraufhin studiert die Kellnerin und alleinerziehende Mutter Jura. Züritipp Der Film beruht auf einer wahren Geschichte. Swank agiert mit verbissener Humorlosigkeit. Rockwell dagegen gelingt es, einen Mann zu spielen, der ein offensichtlicher Tunichtgut ist, aber nicht ins Gefängnis gehört. Das Ganze ist eine gut gemeinte, aber zähe Angelegenheit. (bod) CAPITOL 5 LA DERNIÈRE FUGUE Von Léa Pool, Ka 2010; 91 min. Drama Der einst übermächtige, fast tyrannische Vater ist an Parkinson erkrankt. Nun ist er auf die Hilfe seiner Familie angewiesen. An seinem Temperament hat sich aber nichts geändert. Züritipp Einfühlsames (wenn auch etwas klischeehaftes) Familiendrama. Berührend ist vor allem die Vater-Sohn-Beziehung. (msw) ARTHOUSE ALBA DRAQUILA Von Sabina Guzzanti, I 2010; 99 min. Dokumentarfilm Am Beispiel des Erdbebens von L'Aquila demonstriert Sabina Guzzanti, wie zynisch das System Berlusconi funktioniert: Die Naturkatastrophe wird nicht nur für Wahlpropaganda missbraucht, sondern mittels Notstandsdekret werden die demokratischen Institutionen ausser Kraft gesetzt. Züritipp Die ehemalige TV-Komikerin Guzzanti kritisiert die haarsträubenden Verhältnisse mit viel persönlichem Engagement: Erzählt wird ohne Punkt und Komma, dafür mit viel Musik, Emo- und Animationen, und Guzzanti schreckt auch nicht davor zurück, ihren Interviewpartnern die eigenen Thesen in den Mund zu legen. Das ist zwar recht unterhaltsam, aber diese italienische Tragödie hätte eine sorgfältigere Kritik verdient. (bul) ARTHOUSE NORD-SÜD THE EAGLE Von Kevin Macdonald USA 2011; 114 min. Abenteuer Britannien, 140 nach Christus. Der verschollene Komman-deur der neunten Legion hat angeblich den Verlust des Adlers, des Feldzeichens der Legion, zu verantworten. Zwanzig Jahre später begibt sich sein Sohn (Channing Tatum) auf die Suche nach dem Adler. Doch jenseits des Hadrianwalls, wohin sie die Reise führt, lauert überall Gefahr. Züritipp Ein Film, in dem Begriffe wie «Ehre» und «Schande» zu Floskeln verkommen und allein dazu dienen, einer banalen Handlung ohne nennenswerte Wendungen vermeintliche Tiefe zu verleihen. (gar) ABATON 7 DAS ENDE IST MEIN ANFANG Von Joe Baier, D 2010; 98 min. Drama Am 28. Juli 2004 starb in der Toskana der Journalist und Schriftsteller Tiziano Terzani. Er war 66 Jahre alt, und sein Sterben scheint von fast erleuchteter Fried-lichkeit gewesen zu sein. Züritipp Der Film ist quasi ein Erleuchtungsmonolog. Bruno Ganz, weissbärtig, erbringt als Terzani eine rhetorische Parforceleistung. Aber so recht warm wird man mit dem Film nicht. Zu stark ist der Eindruck von dramatischer Weisheitssucht und, oft, von spirituellem Geplapper. (csr) ARTHOUSE COMMERCIO EN FAMILIE Von Pernille Fischer Christensen Dä 2010; 100 min. Drama Der Besitzer einer dänischen Traditionsbäckerei (Jesper Christen-sen) ist ein sanfter Patriarch. Als der krebskranke Mann kurz nach der Hochzeit mit seiner zweiten Frau einen Rückfall erleidet, gerät das Gleichgewicht seiner Familie aus dem Lot. Züritipp Mit ihrem Film reiht sich Pernille Fischer Christensen in die Tradition aufwühlender dänischer Familiendramen ein. Besonders gelungen ist die konzentrierte Intimität von Szenen, wo wenig gesprochen, aber viel sichtbar wird. Die Schauspieler sind ausgezeichnet; vor allem Jesper Christensen hat starke, auch komische Auftritte. (kah) UTO STUDIO THE FIGHTER Von David O. Russell, USA 2010; 115 min. Drama Dieser Boxerfilm verrät die Einfachheit seines innersten Gattungswesens schon im Titel. Im Kern ist es die Geschichte, wie einer, der Boxer Micky Ward (Mark Wahlberg), aus den minderen Kreisen der Stadt Lowell/Massachusetts unten durch musste, um ganz oben anzukommen. Sie hat den schönen Vorteil, wahr zu sein. Die Sportgeschichte vermerkt Ward tatsächlich als Weltmeister des Jahres 2000 im Halbweltergewicht. ABATON B, ARENA 3, ARENA 9, CORSO 2 GNOMEO AND JULIET Von Kelly Asbury, USA/UK 2011; 84 min. Animation Getrennt durch einen Zaun, bekriegen sich die roten und die blauen Gartenzwerge. Dennoch entwickelt sich zwischen Gnomeo und Juliet eine verbotene Liebe. Züritipp Manche Filme entstehen aus Kalauern: «Gnomeo & Juliet» ist die Disney-Adaption von Shakespeares «Romeo & Juliet» mit lustigen Gartenzwergen aus dem Computer («Gartenzwerg» heisst auf Englisch «gnome»). Tybalt und Romeo liefern sich ein Rasenmäherrennen, Juliet wartet auf einem Springbrunnen, andere Zwerge gehen in Scherben. Der alberne Animationsfilm zielt auf Kinder, wirklich komisch aber ist nur der melancholische Flamingo. (blu) ABATON A, ARENA 8 GULLIVERS TRAVELS Von Rob Letterman, USA 2010; 87 min. Comedy Journalist Gulliver (Jack Black) fährt zum Bermuda-Dreieck und gerät in einen Sturm. Er erwacht auf Lilliput. Die winzigen Insulaner sind verängstigt und schliessen den Riesen in einer Höhle ein. Züritipp Die x-te Verfilmung von Jonathans Swifts Klassiker ist nicht riesig gut geworden. Rob Letterman («Shark Tale») scheint das satirische Element des Buchs komplett entgangen zu sein; er interessiert sich vorwiegend für die Effekte – aber Jack Black wird mit 3-D-Brille auch nicht schöner.(ase) ARENA 6 HALL PASS Von Bobby und Peter Farrelly USA 2011; 105 min. Liebeskomödie Zwei ehemüde Familienväter (Owen Wilson, Jason Sudeikis) bekommen von ihren Frauen eine Woche Zeit, um sich sexuell auszutoben. Züritipp Bobby und Peter Farrelly sind so etwas wie die Gebrüder Coen des grenzwertigen Geschmacks. In «There's Something About Mary» (1998) frischten sie eine klassische Liebeskomödie mit pubertären Streichen auf, die meist gar nicht erst bis zur Gürtellinie stiegen. Diese Frische sucht man in «Hall Pass» vergebens. Übrig bleibt ein freudloser Konservativismus, der sich als Anarchie tarnt. (nue) ABATON 8, ARENA 8, CAPITOL 2 HEXE LILLI – DIE REISE NACH MANDOLAN Von Harald Sicheritz, D/F/A 2011; 91 min. Kinderfilm Siehe Seiten «Familie/Kinder». ABC 2, ARENA 7 DES HOMMES ET DES DIEUX Von Xavier Beauvois, F 2010; 120 min. Drama Im Kloster Tibéhirine in Algerien beten, singen und jäten alte Trappisten. Die Muslime im Dorf nutzen das Kloster als Arztpraxis und setzen alle Hoffnung in die Mönche, als islamistische Rebellen in der Nähe morden. Züritipp 1996 entführten islamistische Terroristen katholische Mönche aus ihrem Kloster in Algerien. Das französische Drama schildert mit Bedacht, wie sich die Mönche wehren und mit theologischer Vernunft und spiritueller Brüderlichkeit gegen den Fundamentalismus kämpfen. (blu) ARTHOUSE MOVIE 2 HOP Von Tim Hill, USA 2011; 95 min. Kinderfilm Siehe Seiten «Familie/Kinder». ABATON 2, ABATON 4, ABC 3, ARENA 3, CORSO 3, CORSO 4 HOSELUPF Von This Lüscher, CH 2011; 93 min. Dokumentarfilm Komiker Beat Schlatter führt als Moderator durch die Welt der Schwinger. Dass er durch einen Jungschwinger herausgefordert wird, gibt dem Dokumentarfilm eine ironische Rahmenhandlung. Der Komiker muss sich durch intensives Training auf den Kampf beim Eidgenössischen vorbereiten. Züritipp Mit Bildern wie aus dem Actionkino sowie einfühlsamen Porträts von Bösen gelingt dem Film ein unterhaltsamer Spagat: Urchiges Brauchtum trifft auf Zürcher Komiker. Man lernt, staunt – und fragt sich, ob Schlatter den Kampf überleben wird. (jst) ABATON 9, ARENA 6, CAPITOL 3 I AM NUMBER FOUR Von D. J. Caruso, USA 2011; 114 min. Teenagerfilm Als Kind kam ein Ausserirdischer in Menschengestalt (Alex Pettyfer) auf die Erde. Nun ist er ein Teenager und muss sich gemeinsam mit seinem Beschützer gegen böse Aliens behaupten. Züritipp Vielleicht ist diese Superhelden-Teenager-Romanze etwas fürs «Twilight»-Publikum. D. J. Caruso («Eagle Eye») lässt einen pubertierenden Hansdampf sein Testosteron in Superkräfte ummünzen. Burberry-Model Alex Pettyfer spielt den Schnösel mit makellosem Lächeln, die Bösen haben schlechte Zähne. (ase) ABATON 10, ABC 2, ABC 4, ARENA 7 IN A BETTER WORLD Von Susanne Bier, Sd/Dä 2010; 117 min. Drama Ein Arzt kämpft in zwei Welten: Während er sich in einem afrikanischen Flüchtlingscamp gegen einen Warlord stellt, sieht er zu Hause in der dänischen Provinz seinen in der Schule gemobbten Sohn in eine Spirale der Gewalt ge- raten. ARTHOUSE MOVIE 2 JUST GO WITH IT Von Dennis Dugan, USA 2011; 116 min. Liebeskomödie Um an Frauen heranzukommen, tut ein Schönheitschirurg (Adam Sandler), als sei er unglücklich verheiratet. Als es dann aber eine genauer wissen will, beauftragt er seine Sekretärin (Jennifer Aniston), die Ehefrau zu spielen. Was daraus wohl wird? Züritipp Nach einem wirklich lustigen Gekeife zwischen Sandler und Aniston biegt diese Liebeskomödie ab in sentimentalen Quatsch. Ihren «Witz» schürft sie aus Adam Sandlers weinerlicher Riesenbaby-Masche. Noch nie haben Sandler und Aniston zusammen vor der Kamera gestanden. Nun sieht man, weshalb. (blu) ABATON 3, ARENA 4, CAPITOL 6 JUSTIN BIEBER: NEVER SAY NEVER Von Jon Chu, USA 2011; 105 min. Dokumentarfilm Via Youtube und Twitter auf die grössten Konzertbühnen der Welt: der Aufstieg des 17-jährigen Justin Bieber zum globalen Pop-Phänomen. Konzertausschnitte, Blicke hinter die Kulissen und Zufälligkeiten aus dem Popstaralltag in 3-D. Züritipp Vieles wirkt geschickt inszeniert in diesem Werbefilm, der sich Dokumentarfilm nennt. Die Konzertausschnitte sind trotzdem mitreissend, und Bieber beweist tatsächlich beachtliches Performertalent. (luz) ARENA 6 THE KILLER INSIDE ME Von Michael Winterbottom USA 2010; 120 min. Krimi Im Innern des netten texanischen Hilfssheriffs Lou Ford (Casey Affleck) kocht «die Krankheit», die ihn dazu treibt, Frauen zu erschlagen. Als sadistischer Sex mit einer Prostituierten (Jessica Alba) seine dunklen Triebe anstachelt, erschlägt er erst die Nutte und erschiesst darauf ihren Verehrer. Ford steigert sich in einen Wahn und wendet sich schliesslich gegen die eigene Verlobte (Kate Hudson). Züritipp Mit seiner Verfilmung des Krimis von Jim Thompson aus dem Jahr 1952 kommt der Regisseur Michael Winterbottom («A Mighty Heart») dem Grauen dieser Erzählung aus der Sicht eines Mörders erstaunlich nah. Unheimlich gut stattet Casey Affleck diesen gefährlichen Mann mit Fistelstimme und äusserer Sanftmut aus. Während Regisseur Winterbottom die widerlichsten Brutalitäten zeigt, um ihre blutigen Auswirkungen sichtbar zu machen, kümmert ihn der Plot wenig. (blu) RIFFRAFF 2 THE KINGS SPEECH Von Tom Hooper, USA 2010; 118 min. Drama Ein Stotterer (Colin Firth) wird als George VI zum König von England gekrönt und muss seinen Sprachfehler in den Griff bekommen. Seine Gattin (Helena Bonham Carter) schleppt ihn zu einem exzentrischen Sprechtrainer (Geoffrey Rush), der versucht, mit Provokationen die Zunge des Königs zu lockern. Züritipp Colin Firth spielt den Stotterer so gut, dass es einem die Sprache verschlägt. Wortakrobat Geoffrey Rush ist ein ebensolches Ereignis. (ase) ARTHOUSE ALBA, ARENA 1, CORSO 1 KINSHASA SYMPHONY Von Martin Baer, Claus WischmannD 2010; 95 min. Dokumentarfilm In der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo proben die Musikerinnen und Musiker des Orchestre Symphonique Kimbanguiste. Wenn der Strom ausfällt, muss der Bratschist nach dem Rechten sehen. Züritipp Eigentlich haben wir Beethovens Neunte ja nun wirklich oft genug gehört. Aber wenn schwarze Sängerinnen und Sänger sich mit Schillers pathetischem «Freude, schöner Götterfunken» auseinandersetzen, ist das so komisch wie erfrischend. (bod) ARTHOUSE PICCADILLY KOKOWÄÄH Von Til Schweiger, D 2011; 126 min. Komödie Ein kriselnder Drehbuch-autor (Til Schweiger) soll einen Bestseller adaptieren. Der Haken: Die Autorin ist seine Ex-Freundin. Damit nicht genug, steht plötzlich ein achtjähriges Mädchen (Emma Schweiger) vor der Tür – und behauptet, seine Tochter zu sein. Züritipp Til Schweiger («Keinohr-hasen») ist als Schauspieler so befähigt wie ein Hahn zum Eierlegen, doch er beweist mit «Kokowääh» (sprich: Coq au vin) einmal mehr, dass er sich auf das Zubereiten von Feel-Good-Komödien versteht. Die überzuckerte Kuckuckskind-Geschichte dürfte einem jungen Publikum munden. (ase) ABATON 7, ARENA 9, FROSCH STUDIO 2 LA MIRADA INVISIBLE Von Diego Lerman, Arg 2010; 97 min. Drama Buenos Aires 1982: Die Militärdiktatur steht kurz vor dem Untergang, derweil versucht man hinter den Mauern eines Elitegym-nasiums, Zucht und Ordnung aufrechtzuerhalten. Diesem Ziel hat sich auch eine junge Aufseherin verschrieben, doch mit der Zeit wird ihr vorbildlicher Überwachungseifer immer mehr zur eigenen Obsession. Züritipp Ohne näher auf die politischen Ereignisse einzugehen, konzentriert sich Diego Lerman darauf, zu zeigen, in welchem Mass die Diktatur und ihr Überwachungsapparat die Privatsphäre durchdringen. Mit sorgfältigen Bildern wird eine beklemmende Atmosphäre der Disziplin und der Angst geschaffen. (bul) ARTHOUSE MOVIE 1 MÜRNERS UNIVERSUM Von Jonas Meier, CH 2010; 83 min. Dokumentarfilm Erwin Mürner hat eine Kamera und eine Vision, mehr braucht es nicht zum Filmemachen. Das Drehbuch ist fertig, Mürner hat es in Schnürchenschrift in ein Schulheft geschrieben. Die Geschichte handelt von Ausserirdischen, die er nach der Landung mit einem freundlichen «Grüezi mitenand!» begrüssen würde. Züritipp Der Dokumentarfilm von Jonas Meier hat eine Lakonik, als hätte ein Finne das Drehbuch geschrieben. Und er hat eine Wärme, die ihn wirken lässt wie ein Heimatfilm. Mürner ist ein Held der anderen Art: stur, freundlich, besessen. Diese zärtliche Hommage an ihn bleibt einem lange im Kopf. (leo) RIFFRAFF 2 LA NOSTRA VITA Von Daniele Luchetti, I 2010; 101 min. Drama Claudio kommt mit seinem bescheidenen Leben in einem Römer Vorort gut zurecht, bis er seine Frau bei der Geburt des dritten Sohnes verliert. Kurz darauf deponiert er die Kinder notdürftig bei Verwandten und versucht sich als selbstständiger Bauunternehmer. Züritipp Daniele Luchetti filmt mit der Handkamera ein Italien, in welchem man die vor der eigenen Haustür gefangenen Fische nicht essen kann, in welchem das Baugewerbe noch schmutziger ist als anderswo und die Menschen tief verunsichert sind von der Migrationswelle. So sind auch seine Helden keine Heiligen, aber gerade darum von einer ergreifenden Ehrlichkeit. (bul) ARTHOUSE NORD-SÜD NOSTALGIA DE LA LUZ Von Patricio Guzmán Chile 2010; 90 min. Dokumentarfilm Während Frauen in der Atacama-Wüste in Chile verzweifelt nach Überresten der Opfer suchen, die zur Zeit der Pinochet-Diktatur ermordet wurden, richten Astronomen ebendort ihre Teleskope auf den Himmel, um dem Ursprung des Universums auf die Spur zu kommen. Züritipp Was auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun hat, verknüpft dieser philosophische Dokumentarfilm auf bestechende Art: Erde und Himmel, Politik und Metaphysik. So wie die Astronomen durch riesige Teleskope den Blick auf kosmische Strahlung richten, so suchen Überlebende der Pinochet-Diktatur im Wüstenboden nebenan nach Knochensplittern, die vielleicht von ihren Liebsten stammen. Die Wissenschaftler sollen ihre Teleskope doch auf die Erde richten, sagt eine Witwe ergreifenderweise. Indem Regisseur Patricio Guzmán («Salvador Allende») die beiden Themen miteinander kombiniert, entsteht eine dialektische Geheimgeschichte Chiles. (blu) ARTHOUSE NORD-SÜD NO STRINGS ATTACHED Von Ivan Reitman, USA 2011; 108 min. Liebeskomödie Eine viel beschäftigte Assistenzärztin (Natalie Portman) und ein Möchtegern-Drehbuchautor (Ashton Kutcher) landen eher zufällig miteinander im Bett und schliessen einen strikten Sex-ohne-Kuscheln-Pakt. Das ist sehr praktisch bis zu dem Tag, an dem Emotionen ins Spiel kommen. Züritipp Auch wenn in dieser hochkonventionellen Liebeskomödie am Ende alles genau so kommt, wie es kommen muss, überrascht sie auf dem Weg dorthin mit gutem Timing und bösem Witz. Unterstützung bekommen die beiden Protagonisten dabei von einer Reihe gelungener Nebenfiguren. (bul) CAPITOL 4 LA PETITE CHAMBRE Von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond, CH/LUX 2010; 87 min. Drama Da ist ein Mann (Michel Bouquet), der alt geworden ist und weiss, aber nicht wissen will, dass er bald gehen muss. Da ist eine Frau (Florence Loiret Caille), die zu jung ist, um das Gehenlassen schon gelernt zu haben. Sie, die ein Kind verloren hat, pflegt ihn, der glaubt, noch nicht lang genug gelebt zu haben. Und es ist das alte Drama von der Sturheit des Alters, das will, was es nicht mehr kann; und von der Wut auf die Ungerechtigkeit, dass manchmal etwas Junges stirbt, bevor es anfangen darf zu leben. Züritipp Die Regisseurinnen Stéphanie Chuat und Véronique Reymond erzählen hier eine sehr menschliche und menschenmögliche Geschichte. Sie wird getragen von hervorragendem Schauspielerhandwerk. Und auch wenn sie sich etwas musterhaft und allzu exem-plarisch rundet, mag man dem Film seine Schweizer Filmpreise 2011 wirklich von Herzen gönnen. (csr) ARTHOUSE PICCADILLY POTICHE Von François Ozon, F 2010; 104 min. Komödie Frankreich 1977: Nach einem Streik in der Schirmfabrik erkrankt der strenge Patron (Fabrice Luchini). Seine geknechtete Frau (Catherine Deneuve) übernimmt die Leitung und spannt ihre Kinder sowie eine alte Liebschaft ein: den kommunistischen Bürgermeister (Gérard Depardieu). Züritipp Die Gesellschaftskomödie nach einem Bühnenstück erzählt die Emanzipation einer Ziervase, das nämlich bedeutet «potiche»: Da wandelt sich eine Frau vom Schmuckstück ihres reaktionären Mannes zur feministischen Galionsfigur. Ironischer Tonfall, kitschige Interieurs und die chargierenden Darsteller erinnern an Ozons Komödie «8 femmes». Das Ganze ist mehr Pastiche als Parodie, doch indem François Ozon mit der Figur des Fabrikanten Sarkozy karikiert, mit Deneuves Star-Image spielt und sich nach anständigen Unternehmern zurücksehnt, gelingt ihm ein hintersinniger Schwank mit Resonanzraum. Kein grosser Film, aber ein sehr vergnüglicher. – Vorpremiere im Lunchkino. (blu) ARTHOUSE LE PARIS RANGO Von Gore Verbinski, USA 2011; 107 min. Animation Ein Chamäleon in der Sinnkrise: Das vertrottelte Reptil Rango (Stimme: Johnny Depp) träumt davon, ein Held zu sein. Es strandet in einem ausgedörrten Wildwestkaff, dessen Wasserver-sorgung von Gangstern geschröpft wird. Die grosskotzige Echse wird zum Sheriff ernannt. Züritipp «Rango» verhilft dem Animationsfilm zu neuer Blüte. Die Western-Parodie pfeift auf niedliche Figuren und setzt auf intelligenten Witz. Und Gore Verbinski («Pirates of the Caribbean») veranstaltet ein heiteres Filmeraten: Wer findet die Verweise auf «Mad Max», «Chinatown», «Star Wars», «Avatar»? (ase) ABATON 5, ABATON 6, ABC 4, ARENA 2, CORSO 3 REICH DES BÖSEN – FÜNF LEBEN IM IRAN Von Mohammad Farokhmanesh D 2007; 90 min. Dokumentarfilm Da können eine Fechterin und eine Sängerin ihren Lebenstraum nicht erfüllen, und eine Siebenjährige muss ein Kopftuch anziehen, sowie sie schulpflichtig wird. Ein Herr predigt über den moralischen Zerfall des Westens, und ein Computerexperte kämpft mit Finanzproblemen. Trotz der Zensur sprechen die Porträtierten erstaunlich offen über ihre Situation.XENIX RUBBER Von Quentin Dupieux, F 2010; 85 min. Horror Er zertrümmert Flaschen, zerfetzt Skorpione, walzt Hasen flach, schliesslich lässt er immer mal wieder einen Menschenkopf platzen. Die Komödie «Rubber» schildert Leben und Werk eines Autoreifens, der durch eine Wüste rollt und alles plattmacht, was ihm in den Weg kommt. Züritipp «Rubber» ist ein Splatter-film für Ironiker, ein Gewaltfilm für Intellektuelle, eine Komödie für Hornbrillenträger, die sich noch in Jahren mit Schachtelsätzen an «Rubber» erinnern und so ihren Geschmack fürs Schräge unterstreichen werden. Etwa eine Stunde lang macht das Spass, dann wird es öd. Der Grund: Es geschieht immer das Gleiche. (leo) RIFFRAFF 4 SATTE FARBEN VOR SCHWARZ Von Sophie HeldmanD/CH 2010; 85 min. Drama Die Eheleute Anita (Senta Berger) und Fred (Bruno Ganz) teilen seit 50 Jahren ihr Leben miteinander. Da will der krebskranke Fred plötzlich einen Raum für sich – zum Nachdenken. Vor den Kopf gestossen, zieht Anita ins Senioren-heim. Die Hochzeit der Tochter und die Abiturfeier der Enkelin bringen die beiden einander wieder näher. Gemeinsam treffen sie daraufhin eine Entscheidung. Züritipp Die einzelnen Szenen werden durch Abblenden ins Schwarze nur lose miteinander verbunden. Dadurch entsteht zwar ein interessanter Gucklocheffekt ins Leben der beiden, gleichzeitig bleibt man aber als Zuschauer seltsam unbeteiligt, während man das Gefühl nicht loswird, etwas Wichtiges zu verpassen; eben jene Szenen ihres Lebens, die uns die Figuren emotional näherbringen und ihr Verhalten zugänglich machen würden. (msw) UTO STUDIO SEASON OF THE WITCH Von Dominic Sena, USA 2011; 95 min. Fantasy Europa im 14. Jahrhundert; die Pest wütet. Die letzte Hoffnung ruht auf zwei Kreuzrittern (Nicolas Cage und Ron Perlman). Sie müssen eine Hexe (Claire Foy) als vermeint-liche Urheberin der Seuche zu einer Abtei schaffen, denn nur dort kann ihr Bann gebrochen werden. Die Reise wird zum Himmelfahrtskommando. Züritipp Die Story ist simpel wie ein Computerspiel – erfülle den Auftrag und töte dabei möglichst viele üble Kreaturen – die Handlung, dünner als Zigarettenpapier. Selbst die Schau-spieler scheinen sich zu langweilen, dafür wird mit Effekten nicht gegeizt. Am Schluss ist klar: Selbst Fantasy-filme brauchen ein Mindestmass an Fantasie – und Cage müsste seine Rollenwahl dringend kritisch überdenken. (jst) ABATON 5, ABATON 9, ABC 4, ARENA 6, METROPOL 2 SMALL WORLD Von Bruno Chiche, F/D 2010; 93 min. Drama Eine junge Frau (Alexandra Maria Lara) kümmert sich um einen senilen Alten (Gérard Depardieu). Dessen Kurzzeitgedächtnis wird immer schlechter, dafür werden plötzlich früheste Kindheitserinnerungen wach. Wie die Frau diese zusammensetzt, kommt sie einem grossen Geheimnis auf die Spur. Züritipp Mit der Story hatte Martin Suter grossen Erfolg. Regisseur Bruno Chiche legt zu viel Gewicht auf den Krimi-Aspekt der Geschichte. Er hätte sich besser auf das Demenz-Drama konzentriert. Aber wie Gérard Depardieu den senilen Schussel spielt, ist Weltklasse. (ase) CAPITOL 2, UTO STUDIO SUCKER PUNCH Von Zack Snyder, USA 2011; 109 min. actionfilm In einem Etablissement betören erotische Tänzerinnen (Abbie Cornish, Emily Browning u. a.) reiche Kunden eines Kriminellen. Um auszubrechen, spannen sie zusammen und lenken die Unter-drücker mit Tänzen ab, während deren sie in Fantasiewelten herumballern. Züritipp Der Schwachsinn trägt Glitzer in Zack Snyders so brachialem wie prüdem Pulp-Vexierspiel, in dem die Erzählebenen so rasch wechseln wie die Waffen, mit denen hantiert wird. Das die Story eigentlich in einem Irrenhaus spielt, mag ein sinniger Rahmen sein für das Potpourri aus Videogame, Martial-Arts und Fantasy. Worum es geht, weiss der Regisseur von «300» selber nicht. Erneut erweist er sich als Meister der suggestiven Montage, doch reiht er in seinem Selbstverteidigungskurs für Frauen lediglich allerlei Action-Umbaupausen aneinander und ruft schliesslich zum Kampf auf – aber gegen was? Das ist Zweihänder-Postfeminismus, das heisst, mit der einen Hand holt sich Snyder einen runter, die andere hat er in der Kokainschüssel. (blu) ABATON A, ABATON 1, ABC 1, ARENA 5, METROPOL 1, METROPOL 2 THE TREE Von Julie Bertuccelli F/Au/D/I 2010; 92 min. Drama Nach dem Tod ihres Vaters glaubt die achtjährige Simone, sein Geist lebe im riesigen Feigenbaum vor dem Haus der Familie weiter. Doch eben dieser Baum verstopft mit seinen Wurzeln nicht nur die Abläufe, sondern droht das ganze Haus zu zerstören. Als Simones Mutter (Charlotte Gainsbourg) sich auch noch in einen Spengler verliebt, der den Baum fällen möchte, eskaliert der Mutter-Tochter-Konflikt. Züritipp Wunderschöne Bilder sind Kameramann Nigel Bluck gelungen, und es gibt tolle Nebenepisoden mit Fröschen im Klo und Fledermäusen in der Küche. Eine Entdeckung ist Morgana Davies, die Darstellerin von Simone. Leider geht dem Film aber einem Hurrikan zum Trotz mit der Zeit der Schnauf aus. (bod) ARTHOUSE COMMERCIO TRUE GRIT Von Joel & Ethan Coen USA 2011; 110 min. Western Ende der 1870er-Jahre im Staate Arkansas. Eine Vierzehnjährige, deren Vater ermordet worden ist, stellt einen US-Marshal an, um den Mörder zur Strecke zu bringen. Ein Texas Ranger macht ihm dabei Konkurrenz. Züritipp Die Coen Brothers halten sich enger an den gleichnamigen Roman von Charles Portis als Henry Hathaway, der ihn 1969 mit John Wayne verfilmt hatte. Jeff Bridges, der für die Coens schon den Big Lebowski verkörpert hatte, grummelt und knurrt als einäugiger Marshal ganz wunderbar. Ihm ebenbürtig sind Matt Damon als eitler Texas Ranger und die 13-jährige Hailee Steinfeld als knallhartes Mädchen. Nicht nur der Marshal, auch sie beweist «echten Mut», was «true grit» nämlich heisst. Souverän zeigen die Coens, wie man auch heute einen starken Western drehen kann. (bod) CAPITOL 1, RIFFRAFF 4 UNCLE BOONMEE Von Apichatpong Weerasethakul Thai 2010; 114 min. Drama Der todkranke Imker Onkel Boonmee fährt zum Sterben aufs Land, wo ihn Gespenster seiner verstorbenen Liebsten besuchen: seine Frau und sein verschollener Sohn in Form eines Affengeists. ARTHOUSE MOVIE 1 UNKNOWN IDENTITY Von Jaume Collet-Serra D/USA 2010; 111 min. Thriller Als ein Botaniker (Liam Neeson) einen Kongress im winterlichen Berlin besucht, fällt sein Taxi in die Spree. Wie er im Spital aufwacht, erkennt ihn keiner mehr, seine Frau hält ihn für einen Spinner. Als der Wissenschaftler die Taxi-fahrerin (Diane Kruger) aufspürt und die Hilfe eines Ex-Stasi (Bruno Ganz) in Anspruch nimmt, wird er von einem Killer gejagt. Züritipp Zwischen vielerlei Verfolgungsjagden zu Fuss und im Auto sagt dieser Verschwörungsthriller, dass Identität ohne Gesellschaft unmöglich ist. Wäre der Plot ein Velo, es hätte einen Platten, zwei Stützräder, ausgeleierte Bremsen und keine Vignette. Trotz unglaubwürdiger Begegnungen aber entwickelt der Film einen Sog und steckt voller Wendungen und Berliner Stimmung. Mitunter leuchtet das Licht der Kinogeschichte von Hitchcock bis «The Third Man» auf. Es leuchtet schwach, aber immerhin. (blu) ABATON 4, ABC 3, METROPOL 2 WINTERS BONE Von Debra Granik, USA 2010; 100 min. Drama Die 17-jährige Ree (Jennifer Lawrence) muss ihren Vater finden. Bevor er spurlos verschwand, kochte er Crystal Meth in den Wäldern der Ozark-Berge in Missouri. Wenn sie ihn nicht rechtzeitig findet, wird das Haus der Familie gepfändet. Ihre Suche wird zur Odyssee durch eine zerrüttete Gesellschaft. Züritipp Mit einem Minibudget und einer einfachen, doch spannenden Geschichte gelingt Granik ein wuchtiger Film, der in den USA mehrfach ausgezeichnet wurde. Auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt, die Gesichter der Darsteller brennen sich ins Gedächtnis. Wie ist es möglich, dass Schauspieler so beängstigend echt wirken? (jst) RIFFRAFF 1 ZWISCHEN INSELN Von Maurizius Staerkle-Drux CH 2010; 64 min. Dokumentarfilm Das Jugendsinfonieorchester Zürich und der Cantautore Pippo Pollina proben gemeinsam Songs für eine Tour durch Italien, was zwischen Pop und Klassik zu einer Art Krieg führt. Züritipp Die Proben im Konservatorium mischt der Dokumentarfilm mit Touraufnahmen in Italien, wo die höheren Töchter des Jugendsinfonieorchesters das Wort «Pop» aus-sprechen, als müssten sie gleich erbrechen. Schliesslich aber tritt das Superorchester zu tosendem Applaus auf. Der Film benutzt eine dialektische Montage, um im konkreten Arbeitsprozess die Bruchlinien sichtbar zu machen. Hervorragend ist vor allem die Kamera in diesem Dokumentarfilm, der an der Kunsthochschule Zürich entstand und genauer als manch anderer Film vermittelt, wie Musiker arbeiten. (blu) RIFFRAFF 3

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