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Straftatbestand: Elternabend geschwänzt

Weil sie mit der Tochter Geburtstag feierte, statt an einem Schulanlass teilzunehmen, wurde eine Mutter auf den Polizeiposten zitiert und gebüsst. Das ist zwar korrekt, wird aber kaum je so gehandhabt.

Von Marius Huber Bassersdorf/Kloten – Manuela Hoffmann verstand die Welt nicht mehr, als ihr kürzlich eine Vorladung der Polizei ins Haus flatterte. Sie war angezeigt worden von der Bassersdorfer Schule. Straftatbestand: Elternabend geschwänzt. Auf dem Polizeiposten las ihr dann ein verdutzter Beamter ihre Rechte vor – er habe noch nie einen solchen Fall erlebt. Trotzdem ging bald darauf ein dreiseitiger Bericht ans Statthalteramt Bülach, zurück kam eine Busse über 500 Franken inklusive Gebühren. Manuela Hoffmann fühlte sich verletzt und enttäuscht: «Ich bin eine pflichtbewusste Mutter und immer da für meine Kinder», wehrte sie sich in einem Brief, den sie an die Dorfzeitung schickte. Sie habe den Elternabend ihrer jüngsten Tochter nur deshalb nicht besucht, weil sie mit der zweitjüngsten deren Geburtstag gefeiert habe.Seit das neue Volksschulgesetz in Kraft ist, können die Schulen die Eltern in die Pflicht nehmen, indem sie bestimmte Anlässe für obligatorisch erklären. Mütter und Väter, die diesen vorsätzlich fernbleiben, müssen mit einer Busse von bis zu 5000 Franken rechnen. Dies allerdings nur, wenn die Schulpflege einen entsprechenden Strafantrag stellt. Und das geschieht äusserst selten, wie eine Umfrage bei den Statthaltern zeigt, die für die Bussen zuständig sind: Der Bassersdorfer Fall ist einer von kantonsweit gerade mal zehn, die es in den letzten zweieinhalb Jahren gegeben hat – wenn man einmal vom Sonderfall Kloten absieht. Kloten büsst konsequent Die Flughafengemeinde ist nämlich die einzige weit und breit, die auf ein strenges Bussenregime setzt. Publik wurde dies schon vor eineinhalb Jahren, als es nach einem obligatorischen Elternabend zum Thema Gewaltprävention Strafzettel gehagelt hatte. «Die Klotener machen das konsequent», sagt der Bülacher Statthalter Hanspeter Frei. Er bekomme die Strafanträge jeweils im Multipack, 20 bis 30 pro Jahr. Die Schule wisse genau, wie sie dabei vorgehen müsse. Weil nicht nachweisbar ist, dass Eltern die Einladung zum Elternabend tatsächlich erhalten haben, bekommen sie jeweils eine zweite Chance: Ein neuer Termin wird angesetzt, diesmal mit einer Einladung per Einschreiben. Wer erneut kneift, muss zahlen.«Wir ziehen das so durch und bleiben auch dabei», bestätigt Klotens Schulpräsidentin, die CVP-Kantonsrätin Corinne Thomet. Sie beeilt sich aber, zu ergänzen, dass sich Eltern in begründeten Fällen auch von obligatorischen Anlässen abmelden könnten. Was sie bekämpfe, seien einzig und allein die unentschuldigten Absenzen. Das sei eine Frage des gegenseitigen Respekts. «Wir weisen Eltern zunächst auf die Konsequenzen hin, und wenn sie dann immer noch nicht ernst nehmen, dass die Zusammenarbeit mit der Schule wichtig ist, gibt es eine Busse.» Eine Haltung, die das Volksschulamt auf Anfrage unterstützt. Trotzdem ist Kloten damit allein auf weiter Flur, was Thomet allerdings nicht irritiert, im Gegenteil: Sie würde ihr Vorgehen auch anderen Gemeinden weiterempfehlen. «Eine klare Linie zu haben ist nichts Negatives.» Nicht bei Nachbarn abgeschaut Von Kloten ist es nur ein Katzensprung nach Bassersdorf, wo die gebüsste Manuela Hoffmann mit ihrer Familie lebt. Hat das Klotener Beispiel etwa in der Nachbargemeinde Schule gemacht? Hans Stutz (FDP), der Präsident der dortigen Schulpflege, winkt ab: «Das hat überhaupt nichts damit zu tun.» Die Schule habe in diesem besonderen Fall einen obligatorischen Abend organisiert, weil es in einer Klasse derart rumorte, dass eigens eine externe Beraterin beigezogen werden musste. Grundsätzlich seien Pflichtanlässe unter Strafandrohung aber kein Mittel, das man in Bassersdorf forcieren wolle. Dies nicht zuletzt deshalb, weil es sonst suggerieren könnte, dass alle anderen Anlässe freiwillig seien. Es gibt seines Erachtens aber nur zwei Sorten von Elternabenden: «Wichtige und sehr wichtige.» Anzeige wieder zurückgezogen Für Manuela Hoffmann dürfte die Welt inzwischen übrigens wieder im Lot sein: Die Schule hat die Strafanzeige zurückgezogen, worauf der Statthalter das Verfahren einstellte. Die Busse ist hinfällig. Die Behörden hatten den formalen Fehler begangen, der Mutter keine eingeschriebene Einladung zum Elternabend zu schicken, bevor sie diese anzeigten. Überhaupt habe sich das Ganze als eine Verknüpfung unglücklicher Umstände erwiesen, sagt Schulpflegepräsident Stutz. «Sollten wir aber in Zukunft einmal einen Fall haben, in dem Eltern wirklich ihre Teilnahme verweigern, werden wir wieder auf Bussen zurückgreifen.» Und bis dann, so ist zu vermuten, wird auch die Bassersdorfer Polizei wissen, worum es geht. «Sollten Eltern in Zukunft ihre Teilnahme verweigern, werden wir wieder auf Bussen zurückkommen.» Hans Stutz, Schulpflegepräsident Bassersdorf «Wir weisen Eltern auf die Konsequenzen hin. Nehmen sie es immer noch nicht ernst, gibt es eine Busse.» Corinne Thomet, Schulpräsidentin Kloten

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