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Spuren eines unerfüllten Wunsches

Bauliche Relikte zeugen von geplanten Umfahrungen bei Bassersdorf. Doch Entlastung ist noch immer in weiter Ferne, und mit der Sanierung des Kreisels droht dem Dorf der Verkehrskollaps.

Von Christian Wüthrich Bassersdorf – Die Bewohner von Bassersdorf wünschen sich schon seit langem eine Umfahrungsstrasse. Und das mit gutem Grund: Täglich staut sich der Verkehr aus allen Richtungen vor dem Kreisel in der Dorfmitte. Morgens stehen die Fahrzeuge von Nürensdorf her und allabendlich bis nach Kloten. Wer jetzt an die Auswirkungen der angekündigten Kreiselerneuerung denkt, wird sich wünschen, dass eines der Umfahrungsprojekte der vergangenen 50 Jahre Realität geworden wäre. Pläne für eine entlastende Strassenverbindung zwischen Brüttisellen, Bassersdorf und dem Flughafen in Kloten gibt es nämlich seit einem halben Jahrhundert. So lange schon denken Verkehrsplaner, Ingenieure und Politiker über eine Umfahrungsstrasse, eine kantonale Hochleistungsstrasse oder zuletzt sogar über eine ausgewachsene mehrspurige Autobahn nach. Eine Brücke für die «Ewigkeit» Allerlei wurde schon diskutiert, entwickelt und gezeichnet – aber nichts davon gebaut. «Die Projekte erhielten bisher nicht die notwendige Priorität, um umgesetzt zu werden», sagt Anselm Schwyn, Sprecher des kantonalen Amtes für Verkehr. Doch es gibt sie trotzdem, die baulichen Zeugnisse der längst ersehnten Entlastung. Vor den Toren von Bassersdorf beweisen eine Strassenbrücke und ein Bahnviadukt – beide mit Jahrgang 1978 – dass Ende der 70er-Jahre eine Umfahrung näher lag, als man denkt. Der unauffällige, weil niedrige Viadukt wenige Meter vor dem Bahnhof von Bassersdorf, sei damals als «Vorleistung» gebaut worden, im Hinblick auf eine Hochleistungsstrasse, die dort die Bahnlinie unterqueren sollte. «Wir bauen für die Ewigkeit, und an dieser Stelle sind wir froh darum», sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi. Das Bauwerk werde regelmässig überprüft und sicher nicht zurückgebaut, solange das nicht absolut notwendig sei. Das würde nicht nur viel kosten, sondern auch empfindliche Unterbrüche sowie Behinderungen auf der hochfrequentierten Flughafenlinie der SBB verursachen, sagt Pallecchi. Karl Muggli kann sich gut an die damalige Zeit erinnern. Der Bassersdorfer ist heute Projektleiter beim Tiefbauamt des Kantons. 1973 war er noch für ein privates Planungsbüro am Projekt «Ringstrasse» beteiligt, das allerdings wenig später verworfen wurde. Glattalautobahn im Gespräch Ernst Dübendorfer hätte umziehen müssen, wäre die Umfahrung gebaut worden. «Mein Grossvater erzählte mir, dass sie mitten durch unseren Bauernhof geführt hätte», sagt Dübendorfer. Der Grund, weshalb er noch heute im Haus direkt neben dem neuen Bahnhof lebt, ist die Verlegung der Bahnlinie in den Jahren vor 1980. Für den Gleisanschluss des neuen Flughafenbahnhofs brauchte es statt des einen Gleises eine Doppelspurstrecke, die neben Dübendorfers Haus am Dorfrand verlegt wurde. Im Zuge dessen musste Muggli neue Pläne der Umfahrungsstrasse entwerfen. Und so baute der Kanton an der Zürichstrasse, bei der Verlegung der Hauptstrassen nach Dietlikon und Wallisellen, ebenfalls eine Brücke als Vorleistung. Gleichzeitig entstand auf der neuen Bahnlinie den bis heute überflüssige Viadukt. Inzwischen spricht man von einer Glattalautobahn, die Bassersdorf dereinst unterirdisch passieren soll. Hierfür ist jetzt nicht mehr der Kanton, sondern neu der Bund verantwortlich. «Der Kanton setzt sich dafür ein, dass die Glattalautobahn realisiert wird, sobald der Nordring fertig ausgebaut ist», sagt Anselm Schwyn, Sprecher des Amtes für Verkehr. Durchgänge im Bahnviadukt lassen Fahrbahnen einer geplanten Umfahrungsstrasse erahnen.Foto: Christian Wüthrich Bildlegende.Foto: Vorname Name, Agentur

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