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Selbst ein gutes Spital wie Wetzikon lässt sich von Siemens durchleuchten

Die Einführung der Fallpauschalen 2012 erhöht den Druck auf Spitäler, noch kosteneffizienter zu werden.

Von Andreas Flütsch Das Spital für das Zürcher Oberland in Wetzikon rangiert seit 2007 stets in der Spitzengruppe der drei kostengünstigsten Spitäler im Kanton Zürich. Die Einführung von Fallpauschalen am 1. Januar 2012 setzt Wetzikon also weniger unter Kostendruck als andere Spitäler. Dennoch hat sich das Regionalspital von Spitalspezialisten von Siemens Schweiz auf seine Stärken und Schwächen punkto Umwelt, Qualität und Effizienz durchleuchten lassen. «Wer sich verbessern möchte, muss seine Stärken und Schwächen kennen», begründet Spitalchef Andreas Gattiker den Schritt. Wetzikon erhielt von Siemens ein Rating von 53 Punkten, was sehr deutlich über dem Durchschnittswert von 33 liegt. Das Spital sei selbst im Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen in Deutschland «überdurchschnittlich gut aufgestellt», stellten die Spezialisten fest. Siemens Schweiz baut auf Erfahrungen mit Optimierungsprojekten in über 40 Spitälern in Deutschland auf, wo es seit 2004 Fallpauschalen gibt. Zu hohe Energiekosten «Die Einführung von Fallpauschalen erhöht den Druck auf Spitäler, möglichst effizient und kostengünstig zu arbeiten und dennoch gute Qualität zu liefern», sagt Siemens-Manager Serge Reichlin: «Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Abläufe und Prozesse im Spital umfassend standardisiert und industrialisiert werden.» Denn die Fallpauschalen bringen es mit sich, dass Spitäler für einzelne Eingriffe oder Behandlungen neu mit einem festgelegten Fixbetrag entschädigt werden. Das erhöht den Kostendruck, zumal im Zuge der Revision im Gesundheitswesen auch die Spitalfinanzierung neu geregelt wurde. «Bisher wurden die Investitionen für den Bau und die Erneuerung der Spitäler vom Kanton und den Gemeinden getragen», sagt Spital-Chef Gattiker. Im neuen Preissystem mit Fallpauschalen dagegen ist vom Betrieb über den Unterhalt bis zu den Investitionen alles im Preis enthalten. Das hat Folgen. «Spitäler müssen neben den laufenden Kosten neu die Investitionen verdienen, was in der Privatwirtschaft von jeher üblich ist», so Gattiker. Spitäler, die das nicht bereits tun, müssen neu ihre Investitionen planen. Es überrascht daher nicht, dass Siemens «Verbesserungspotenzial beim Energieverbrauch» sieht. Die Einsparungsmöglichkeiten seien seit längerem erkannt, sagt Gattiker: «Wir haben Nachholbedarf punkto Gebäudesubstanz, Beleuchtung und Energieeffizienz.» Die Fassade des Spitals wird für 30 Millionen Franken saniert und auf Minergiestandard gebracht. Die Basis für die Fähigkeit, grosse Investitionen über Fremdmittel zu finanzieren, hat Wetzikon lange vor der Neuregelung der Spitalfinanzierung gelegt. «Wir haben schon vor einigen Jahren moderne Unternehmensstrukturen geschaffen», sagt Gattiker. «Das Spital Wetzikon, das früher ein Zweckverband mit politisch gewählten Gremien war, wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt mit Geschäftsleitung und Verwaltungsrat.» Um die Ärzte in die Ergebnisverantwortung einzubinden, wurde auch das Entschädigungssystem für halbprivate und private Behandlungen geändert. Anstatt umsatzbasierter Honorare erhalten die Ärzte eine Beteiligung am erwirtschafteten Überschuss. 20 Optimierungsprojekte Wetzikons Strategie sei klar fokussiert, die Bereiche Logistik und Einkauf erstklassig, der Einsatz der Mitarbeiter effektiv, der medizinische Gerätepark modern, heisst es in der Beurteilung von Siemens. Das Spital interagiere auch eng mit der Öffentlichkeit. Verbesserungen sind laut Siemens im «Management des Patientenprozesses» möglich. «In den meisten Bereichen schneiden wir sehr gut ab», sagt Gattiker: «Rund um die Patienten verbessern wir die Abläufe weiter.» In Wetzikon laufen über 20 grössere Optimierungsprojekte, dazu gehört auch der Ausbau der Tagesklinik, der Intensivstation und der Diagnostik. «Zudem bauen wir 2012 eine neue Dialysestation auf.» Gross ist das Sparpotenzial nicht. «Wetzikon arbeitet bereits sehr kostengünstig», sagt Gattiker. Zudem wächst die Patientenzahl seit Jahren. Es geht in Wetzikon eher darum, die Effizienz erneut um ein paar Prozente zu steigern. In Wetzikon wird einem Patienten ein Herzschrittmacher eingesetzt. Das Spital will die Abläufe noch verbessern. Foto: GZO

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