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Schlaraffenland für Lieblinge bedeutet Tortur für Hühner und Kaninchen«Am Anfang stand die Liebe zu Tieren»

Qualipet, der Supermarkt für Haustier-Liebhaber, hat seinen Ursprung in Dietlikon. Der Inhaber wurde Unternehmer des Jahres.Haustiere geniessen in der Schweiz ein angenehmes Leben. Die Nutztiere, die für Hunde- und Katzenfutter verwendet werden, weniger.

Tierliebe mit Schattenseiten Mit Rolf Boffa sprach Andrea Söldi Dietlikon – In der Schweiz bieten heute 78 Qualipet-Filialen alle nur erdenklichen Artikel rund um das Haustier an. Lange Regale voller Aquarien, Hundemäntelchen, Katzenspielzeug, Futternäpfe und Terrarien-Zubehör säumen die Läden. Im Angebot sind auch Kleintiere. Das erste Geschäft eröffnete Rolf Boffa 1991 in Dietlikon. Dieses ist mit 1800 Quadratmeter Ladenfläche heute das grösste; früher war es sogar 2500 Quadratmeter gross. Der in Birchwil wohnhafte Unternehmer beschäftigt heute 586 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 62 in Ausbildung. Ende Oktober wurde der 59-Jährige vom Beratungsinstitut Ernst & Young zum Unternehmer des Jahres in der Kategorie Dienstleistung/Handel gekürt. Herr Boffa, was steht am Anfang Ihrer Erfolgsgeschichte? Tierliebe oder unternehmerisches Geschick? Eindeutig die Tierliebe. Mein Hund, meine beiden Katzen und die Koi-Fische bedeuten mir viel. Bereits als Verleger von Tiermagazinen hatte ich Erfolg, weil ich erkannt hatte, wie viel den Leuten ihr Tier bedeutet. Als ich den ersten Abholmarkt eröffnete, musste ich alles vorauszahlen, weil meine Lieferanten dachten, ich würde in Konkurs gehen. Stattdessen bauten Sie das Unternehmen zu einem regelrechten Imperium aus. Planen Sie, ins Ausland zu expandieren? Nein, da gibt es bereits genügend andere Anbieter. Wir beschränken uns auf die Schweiz. Ich arbeite heute nur noch 150 Prozent. Ich gehe lieber mit dem Hund spazieren, als noch mehr zu arbeiten – und schliesslich kann man nicht mehr als ein Entrecote pro Tag essen. Hat Qualipet auch etwas von der Wirtschaftskrise gespürt? Nein, denn wenn die Leute weniger Geld haben, bleiben sie mehr daheim. Beim Tier sparen sie nicht, sie wählen höchstens mal das günstigere Futter. Ausserdem zeichnet unsere Branche eine gewisse Kontinuität aus: Es gibt keine Umsatzspitzen, aber auch keine Abstürze. Hasen und Vögel, die in Ihren Geschäften auch erhältlich sind, brauchen viel Platz. Meerschweinchen werden nicht gerne gestreichelt. Haben Haustiere unter der grassierenden Tierliebe zu leiden? Hasen und Meerschweinchen verkaufen wir nur zu zweit, damit sie nicht einsam sind – auch wenn sich einige Kunden ärgern und uns Profitdenken unterstellen.Unsere Gehege sind mindestens so gross, wie es das Tierschutzgesetz vorschreibt. Die kleinen sind nur für den Transport gedacht. Immer beliebter werden kleine Reptilien wie Schlangen und Bartagamen; da stellt sich das Problem weniger. Zudem legen wir grossen Wert auf gute Beratung der Kunden. Einen grossen Teil Ihres Jahresumsatzes von 150 Millionen Franken machen Sie mit Tierfutter – vieles davon fleischhaltig. Müssen Nutztiere sterben, damit es Haustiere schön haben? Nein. Für Tierfutter werden keine zusätzlichen Tiere gezüchtet. Es ist nur Fleisch enthalten, welches Menschen nicht essen. Wir haben auch eine Marke im Sortiment mit Fleisch aus biologischer Tierhaltung. Leider wird sie nur wenig gekauft, weil sie teurer ist. Wieso besitzen heute so viele Leute ein Haustier? Es ist erwiesen, dass eine Katze zu streicheln den Blutdruck senkt. Für Kinder ist es besser, ein Tier zu umsorgen, als sich nur noch mit elektronischen Spielen zu beschäftigen. Und ein Hund hält fit: Dank meinem Toller muss ich bei jedem Wetter spazieren gehen. Von Andrea Söldi Unterland – In der Schweiz besitzt etwa jeder 15. Einwohner einen Hund; eine Katze kommt auf 5,5 Personen. Rechnet man diese Zahlen aufs Unterland mit 204 000 Einwohnern herunter, dürften hier etwa 37 000 Katzen umherstreichen und 13 000 Hunde spazieren geführt werden. Diese Vierbeiner sind beliebte Haustiere, weil sie zum Menschen eine Beziehung aufbauen können. Beide Arten ernähren sich jedoch zu einem grossen Teil von Fleisch. Und dieses stammt häufig von Nutztieren, die bei weitem nicht ein so tolles Leben führen wie die geliebten Haustiere. Die Regale für Hunde- und Katzenfutter bei Qualipet sind lang und prall gefüllt. Dem Tierhalter steht für jede Rasse, jedes Alter und jedes Problem ein spezifisches Futter zur Verfügung: Ob Haarausfall, Zahnstein oder Übergewicht – die Tierfutterindustrie hat vorgesorgt. Fleisch aus Massentierhaltung Bei der Herkunftsdeklaration des verwendeten Fleisches gehen die Produzenten von Tiernahrung jedoch nicht allzu sehr ins Detail. Bei den meisten Produkten stammt das Fleisch gemäss Etikette aus der EU. Dort seien die Vorgaben für die Haltung von Nutztieren deutlich weniger streng als in der Schweiz, sagt Nadja Brodmann von der Nutztierschutz-Organisation KAGfreiland. Geflügel und anderes Fleisch für Tierfutter stamme meist aus ausländischer Massentierhaltung. Für Tierfutter werde jährlich rund 500 000 Kilogramm minderwertiges Kaninchenfleisch aus übelster Käfighaltung importiert, so Brodmann weiter. Da in der Schweiz deutlich strengere Vorgaben für die Haltung von Nutztieren bestehen, sei Tierfutter aus Schweizer Fleisch klar zu empfehlen. «Noch besser wäre Bio-Tierfutter, das neuerdings erhältlich ist.» Nestlé Purina schreibt auf Anfrage, für die Tiernahrung würden Schlachtnebenprodukte, wie zum Beispiel Lungen, Nieren, Leber und anderes Fleisch verwendet, dessen Verzehr durch den Menschen heutzutage unüblich geworden ist. Ob dies auch für Poulet gilt, bei dem der grösste Teil des Fleisches auch für Menschen geniessbar ist, liess die Firma unbeantwortet. Auch zum verwendeten Fisch war lediglich zu erfahren, man arbeite mit Umweltorganisationen zusammen. Viele Katzenfutter enthalten Fisch, darunter vom Aussterben bedrohte Arten wie Kabeljau, Thunfisch und Sardinen, aber auch Lachs, Crevetten und Weissfisch. Tierschutz zog sich zurück Auf der Firmen-Website schmückt sich Qualipet mit einer Empfehlung des Schweizerischen Tierschutzes (STS) und des Verbands zoologischer Fachgeschäfte Schweiz (vzfs). Diese Angabe ist jedoch nicht aktuell: Nachdem 2008 das neue Tierschutzgesetz in Kraft getreten war, wollte der STS den Tierschutz-Standard anheben, insbesondere was den Verkauf von Tiergehegen betrifft. Dazu war der vzfs nicht bereit. Der STS kündigte darauf die Zusammenarbeit auf. Der vzfs vergibt seither ein Label in Eigenregie. Rolf Boffa bietet in seinen Qualipet-Geschäften eine riesige Auswahl an Produkten fürs Haustier an.Foto: David Baer

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