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Schlammschlacht ohne Publikum

Das Radquer Wetzikon lockt immer weniger Zuschauer an. Ein kleiner, dafür harter Kern bleibt dem Traditionsanlass jedoch treu – dieses Jahr hatte er vielleicht zum letzten Mal die Möglichkeit dazu.

Von Susanne Bucher Wetzikon – Sie tragen gute Schuhe und sind warm eingepackt. Zuschauer, die das Radquer in Wetzikon besuchen, wissen, worauf sie sich einlassen. Kalt ist es immer, meistens dazu auch nass. Einen gemütlichen Sonntag stellen sich viele anders vor, als bei Schneeregen auf einer schlammigen Wiese zu stehen und Radfahrer anzufeuern, bei denen man das Gesicht vor lauter Dreck kaum mehr sieht. Die grosse Zuschauermasse bleibt darum schon seit vielen Jahren aus. Einer kleinen, treuen Fangemeinschaft sind die widrigen Umstände jedoch egal. Sie besucht das Radquer Wetzikon seit Jahren. Auch Ida Jörg aus Rüti. Sie sitzt zusammen mit ihrer Kollegin auf einer Festbank im Freien und trotzt den nassen Schneeflocken. «Ich bin seit Jahren mit dem Radsport verbunden. Mein Mann war ein Schulkollege des ehemaligen Weltmeisters Albert Zweifel», sagt sie. OK ist zurückgetreten Heute geht sie nach Wetzikon, um Kollegen zu treffen. «Man kennt aber jedes Jahr weniger», bedauert sie. Es sei ein Jammer, dass es je länger, je weniger Radquers im Oberland gebe. «Es wäre sehr schade, wenn auch das Radquer in Wetzikon sterben würde», sagt Jörg. Das ist nicht auszuschliessen: Das Organisationskomitee (OK) tritt nämlich geschlossen zurück, Nachfolger sind keine in Sicht. Die meisten Zuschauer kommen gegen 14.30 Uhr aufs Gelände, kurz bevor die Elite startet. «Am Morgen hatte es kaum Leute», sagt Urs Häfliger, der seit rund zehn Jahren für den Radfahrer-Verein Wetzikon Würste grilliert. «Die Besucherzahl hat in den letzten Jahren markant abgenommen. Es sind immer die Gleichen, die wiederkommen.» Das beobachtet auch OK-Präsident Christian Trafelet: «Die Querfamilie ist wie eine Schwingerfamilie: Sie besteht aus den immer gleichen Gesichtern, sie ist urchig und hat meist Angehörige, die mitfahren», so Trafelet. Für die diesjährige Austragung hatte er sich 1000 zahlende Zuschauer erhofft, er wurde aber enttäuscht: «Wir hatten nur etwa 500 zahlende Besucher», sagt er. Insgesamt seien rund 1000 Besucher an die Radquerpiste gepilgert – das OK habe viele Tickets gratis verteilt. Dass unter den Zuschauern viele Radquer-Experten sind, zeigt sich an den Zurufen am Pistenrand: Sie schreien nicht einfach «Hopp, hopp!» oder «Zieh, zieh!», sondern «Hopp Dani!», oder «Zieh Dani! Super gmacht, Dani!» Wer am Parcoursrand des Radquers in Wetzikon die Fahrer anfeuert, ist meist ein Kenner der Szene.Foto: David Kündig

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