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Rintanens Wehmut und Sehnsucht

Der Finne vermisst das Gefühl, Meister zu sein. Im Playoff folgt die letzte Chance, es mit Kloten zu werden.

Von Etienne Wuillemin, Kloten Als Kimmo Rintanen im Sommer 2001 in Kloten unterschrieb, tat er das auch, weil mit Marko Kiprusoff bereits ein finnischer Verteidiger bei den Flyers spielte, den er kannte. Kurz vor Saisonbeginn ergriff dieser aber noch einmal eine Chance in der NHL, sodass sich Rintanen fragte: «Wie finde ich mich allein in der fremden Schweiz zurecht?» Die Integration klappte auch ohne Kiprusoff. Und aus dem Wagnis zwischen Rintanen und Kloten wurde eine zehnjährige Beziehung, geprägt von vielen Toren, stetiger Harmonie und gegenseitigem Respekt. Seit Rintanen im Spätherbst erfahren musste, dass seine Zeit bei den Flyers nach dieser Saison abgelaufen ist, äussert sich der Finne ungewohnt kritisch über die Verantwortlichen von Kloten. Er habe gehört, dass Kloten bis zu zwei Millionen sparen müsse und deswegen nur mit zwei Ausländern plane, blickt Rintanen zurück. «Unter solchen Umständen hätte ich die Entscheidung einfacher akzeptieren können. Aber der Zuzug von Nordgren kurz darauf war ein Stich ins Herz.» Das Alter, das Geld und die Verletzungsanfälligkeit, vermutet Rintanen, waren die Gründe, dass sein Vertrag nicht verlängert wurde. Lugano-Sportchef Roland Habisreutinger, der den 37-Jährigen noch so gerne für ein Jahr ins Tessin holte, sagt dazu: «Seit ich Kimmo kenne – und das ist schon lange –, fiel er ausser in diesem Herbst noch nie länger aus.» Rintanen macht kein Hehl daraus, dass ihm der Abschied nach zehn Jahren in Kloten schwerfällt. «Ich weiss nicht, wie ich darauf reagiere, wenn nach dem letzten Spiel plötzlich alles vorbei ist.» Er versuche, solche Gedanken möglichst zu verdrängen, «aber das ist nicht immer einfach.» Verpasste Chance gegen Davos Auch wenn sich in letzter Zeit die Stimmen mehrten, die bei Rintanen Zeichen von geringer Motivation ausgemacht haben, wird er alles daran setzen, seinen letzten Tanz im Klotener Dress möglichst lange hinauszuzögern. Nichts wünscht sich der Finne sehnlicher als endlich das letzte Spiel der Saison zu gewinnen – «und zwar im Playoff». Aber sofort schiebt Rintanen nach: «Es ist nicht gut, schon jetzt an den April zu denken. Eine gute Qualifikation zählt nichts, wir sind ja nicht beim Fussball.» Warum der Titel Rintanens grösster Wunsch ist, wird deutlich, wenn er über seine Erinnerungen aus zehn Jahren Kloten spricht: «Ich habe hier noch nichts gewonnen.» Dieses Gefühl war sich der dreifache finnische Meister mit Turku nicht mehr gewohnt. Wehmütig denkt er an die verpasste Chance im siebten Finalspiel gegen Davos vor zwei Jahren zurück. Noch Emotionaler seien nur die Geburten seiner Kinder Emilie (4) und Jesper (8), der bei den Bambini spielt, gewesen. «Diese Erlebnisse kann mir niemand mehr nehmen.» Wie heimisch Rintanen in Kloten aber wirklich wurde, weiss der Finne wohl nur selbst. Einen besonderen Ort, den er in Kloten vermissen wird, gibt es nicht. Und eine Schweizer Handynummer besitzt Rintanen noch immer keine – er wollte das Risiko eines Einjahresvertrags mit einem Anbieter nicht eingehen. Bei seiner Ankunft deutete für den fliegenden Finnen, wie er von seinen Fans geadelt wird, noch wenig darauf hin, dass er so lange bleiben würde. Im Sommer steht der Umzug nach Lugano an. Eine Wohnung hat Familie Rintanen zwar noch nicht gefunden. Dafür freut sich Rintanen jetzt schon auf Petteri Nummelin, seinen Weggefährten aus dem finnischen Nationalteam. Auch die beiden Familien verstehen sich gut. Und Rintanen sagt: «Ich bin froh, dass ich einen Freund an meiner Seite habe, der mir bei der Integration hilft.» Die Haare sind weniger geworden, der Torinstinkt ist geblieben: Der 37-jährige Kimmo Rintanen im Klotener Wald.Foto: Nicola Pitaro

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