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Renault entschuldigt sich

Es begann als Spitzelaffäre, jetzt ist es interner Betrug: Renault-Vizesicherheitschef sitzt in Haft.

Von Oliver Meiler, Marseille Die Polizei konnte ihn gerade noch abfangen – am Pariser Flughafen. Dominique Gevrey, die Nummer 2 des internen Sicherheitsdienstes von Renault, war auf einem Flug nach Guinea gebucht. Wahrscheinlich wollte er fliehen. Nun sitzt Gevrey in Untersuchungshaft. Gegen ihn läuft ein Verfahren wegen mutmasslichen «Betrugs in einer organisierten Bande». Er soll Renault mit Falschinformationen und Scheinrechnungen davon überzeugt haben, dass drei hohe Kader des Konzerns strategisches Wissen aus dem Elektrosektor an einen chinesischen Konkurrenten verkauft hätten. Die drei Mitarbeiter wurden am 3.?Januar wegen angeblicher Industriespionage entlassen. Die Geschichte warf hohe Wellen. Mittlerweile redet niemand mehr von Spionage. Die Konzernleitung entschuldigte sich am Montag bei den «zu Unrecht» entlassenen Mitarbeitern und versprach, den Schaden wieder gutzumachen. Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte wenige Stunden davor bekannt gegeben, dass sie nur noch der Betrugsfährte nachgehe. Nachforschungen in der Schweiz hätten ergeben, dass die belasteten Kader weder ein Konto bei der Zürcher Kantonalbank noch bei der Lausanner Migros-Bank gehabt hätten, wie das ein Informant – die einzige Quelle des Falls – behauptete. Mit dem mysteriösen Informanten hatte offenbar einzig der 53-jährige Ex-Militär Gevrey Kontakt. Nun fragt sich die Justiz, ob Gevrey den Informanten nur erfunden habe, um an die Prämien von Renault zu kommen, oder ob der Informant ein Komplize gewesen sei. Der Konzern hat bereits 310 000?Euro für die falschen Informationen bezahlt und sollte nochmals 390 000?Euro nachschieben. Eine weitere, wenig plausible These besagt, Gevrey könnte seinerseits das Opfer einer Intrige rivalisierender Kollegen im Sicherheitsdienst sein. Folgen in der Chefetage? Für die Firmenspitze ist die Affäre nach der Entschuldigung wohl nicht ausgestanden: Sie bedroht sie direkt. Präsident Carlos Ghosn und CEO Patrick Pélata hatten sich zu Beginn in den Medien persönlich sehr überzeugt gegeben von den Spionagevorwürfen gegen die Kaderleute, obschon das Dossier, wie man heute weiss, immer recht dünn und schwach gestützt war. Ghosn trat gar in den Abendnachrichten auf. Als die Zweifel der Geheimdienste immer grösser wurden, räumte Pélata ein, dass er persönliche Konsequenzen ziehen würde, sollte er sich getäuscht haben. Am Montagabend traf sich der Verwaltungsrat zu einer ausserordentlichen Sitzung. Pélata dürfte dabei ein Thema gewesen sein.

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