Zum Hauptinhalt springen

Regionaljournalismus braucht mehr Leidenschaft

Abschied?Bilanz nach vier Jahren «Tages-Anzeiger» im Zürcher Unterland.Von Markus Rohr Heute schliesst die Regionalredaktion des «Tages-Anzeigers» an der Zürichstrasse in Bülach ihre Pforten. Morgen erscheint die letzte Ausgabe in bisheriger Form. Ab übermorgen wird der Unterland-Split in Zürich produziert, mit Inhalten des «Zürcher Unterländers», ergänzt durch eigene Beiträge einer kleinen Regionalredaktionsequipe in Zürich. Die beliebte Agendaseite mit den Veranstaltungshinweisen wird es im «Tages-Anzeiger» nicht mehr geben. 7 von zuletzt 12 Redaktorinnen und Redaktoren wechseln in die Redaktionen des «Zürcher Unterländers» in Dielsdorf und Bülach respektive zum «Tages-Anzeiger» nach Zürich, der Rest muss das Unternehmen verlassen. Die Tamedia hat nach dem Kauf der Landzeitungen im April dieses Jahres beschlossen, die Redaktionen der beiden Zeitungen aus Kostengründen zusammenzulegen. 2006 ist der «Tages-Anzeiger» ausgezogen, um die Regionalberichterstattung aufzumischen und für mehr publizistischen Wettbewerb zu sorgen, nicht nur im Unterland, sondern auch im Oberland und an den Seeufern. Am 6. November 2006 ist die erste Unterland-Ausgabe des «Tages-Anzeigers» erschienen, damals mit einem eigenen sechsten Bund. Die Hauptgeschichte trug den Titel «Aufrüsten gegen Sozialhilfebetrüger». Das Team zählte zu Beginn 21 Journalistinnen und Journalisten respektive Fotografinnen und Fotografen sowie zahlreiche freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Neben der aktuellen Berichterstattung aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport bot die letzte Seite des Regionalbundes auch viel Platz für gesellschaftliche Themen. Am 28. September 2009 stellte der «Tages-Anzeiger» vom Sechsbund- auf das Vierbundkonzept um. Die Regionalberichterstattung wurde redimensioniert, 8 von 20 Mitarbeitenden verloren im Unterland ihre Stelle. Die letzte Seite wurde abgeschafft und der Regionalsport in redimensionierter Form von Zürich aus betreut. Vom Eindringling zum Leader Der «Tages-Anzeiger» galt im Unterland für viele als unerwünschter Eindringling. Die Zahl der Leser ging zunächst nicht ganz unerwartet zurück. In den letzten anderthalb Jahren ist sie jedoch entgegen dem landesweiten Trend bei den Printmedien um 15 Prozent gestiegen. Zuletzt konnte der «Tages-Anzeiger» im Unterland mehr Leser ausweisen als der «Zürcher Unterländer». Kritischer, aber fairer Journalismus hat auch im doch eher konservativen Zürcher Unterland deutlich an Akzeptanz gewonnen. Dies zeigte sich zuletzt im Versuch zahlreicher Unterländer Persönlichkeiten, Tamedia umzustimmen und den Fusionsentscheid rückgängig zu machen. Das Unternehmen lehnte dies mit der Begründung ab, der Betrieb der Redaktion sei wirtschaftlich nicht rentabel. Anspruchsvolle Aufgabe Die Bülacher Tagi-Redaktion hat in den letzten vier Jahren mit grossem Engagement Journalismus aus der Region für die Region betrieben. Mit zuletzt sehr beschränkten Mitteln hat sie versucht, das Geschehen in dieser grossen, schönen und spannenden Region zu spiegeln und zu hinterfragen. Ziel der Berichterstattung war es, zwischen relevanten und weniger relevanten Ereignissen zu unterscheiden, mit unverstelltem Blick darüber zu schreiben, für die Bürgerinnen und Bürger grösstmögliche Transparenz herzustellen und nötigenfalls mit Fairness auch Kritik anzubringen. Wer sich hohe Ziele setzt, verfehlt diese manchmal auch. Die Berichterstattung im lokalen oder regionalen Bereich ist eine der anspruchsvollsten und schwierigsten, aber auch spannendsten und dankbarsten Aufgaben, die es im Journalismus gibt. Aber Regionaljournalismus mit Tiefgang ist auch aufwendig. Wer guten Regionaljournalismus betreiben will, darf sich nicht allein am wirtschaftlichen Gewinn orientieren. Es braucht dafür auch Leidenschaft und die Überzeugung, dass bürgernaher Journalismus gerade im Zeitalter des World Wide Web Zukunft hat. Am meisten herausgefordert hat die Redaktion die Grösse des Gebietes mit ihren zwei Bezirken und 44 Gemeinden, deren Unterschiedlichkeit nicht grösser sein könnte, wenn man beispielsweise an das ländliche und grenznahe Wasterkingen und das schon fast etwas städtisch anmutende Wallisellen denkt. Zuletzt gilt unser Dank den Leserinnen und Lesern, die uns die Treue gehalten haben, aber auch den Behörden, Organisationen und Einzelpersonen, welche uns in unserem Bestreben nach mehr relevanter Information unterstützt haben. Wir rufen Ihnen zu: Bleiben Sie dran! Kontakte ab 1. Dezember: E-Mail: unterland@tages-anzeiger.ch, Briefpost: Tages-Anzeiger, Redaktion Region, Werdstrasse 21, 8021 Zürich, Telefon: 044 248 52 47, Veranstaltungskalender (Agenda): agenda@zuonline.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch