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Querung von Ausfallachse nur mit Ampel gesichert

Die Betreiber der neuen Glattalbahn haben bereits vier Unfälle auf Kreuzungen von Schiene und Strasse verzeichnet.

Von Sarah Rüegger Dübendorf – Letztes Wochenende stiess ein Tram der Linie 12 der Glattalbahn mit einer Motorradfahrerin zusammen. Diese hatte ein Rotlicht übersehen und erlitt schwere Bein- und Rückenverletzungen. Der Unfall trug sich in Dübendorf auf einer Kreuzung von Schiene und Strasse zu, welche nur durch ein Lichtsignal gesichert wird. Diese Kreuzungen waren zuletzt bei der Forchbahn im Gespräch. Regelmässig hatten sich dort Unfälle zwischen Zügen und anderen Verkehrsteilnehmern zugetragen. Die Glattalbahn überquert mit der Überlandstrasse eine vierspurige Ausfallachse zwischen Zürich und Dübendorf. Der Übergang ist durch eine Ampel gesichert, jedoch nicht durch eine Bahnschranke. «Die Glattalbahn verkehrt wie eine Strassenbahn in der Stadt Zürich nach dem Prinzip der vortrittsberechtigten Sicht», sagt Andreas Flury, Direktor der Verkehrsbetriebe Glattal (VBG). Zudem verfügt sie nicht über dasselbe Sicherungssystem wie eine Eisenbahn. Und für den Trambetrieb stehen die VBG nicht in der Pflicht, Barrieren anzubringen. Anders liegt der Fall bei der Forchbahn. Betriebsleiter Fritz Heiniger: «Die Forchbahn gilt ausserhalb der städtischen Gebiete als Eisenbahn. Somit werden nun bei 50 Kreuzungen ausserhalb des Stadtnetzes Bahnschranken angebracht.» Die Barrieren müssen bis Ende 2014 montiert sein, so verlangt es die entsprechende Bundesverordnung. Seit Inbetriebnahme der ersten Glattalbahnlinie im Dezember 2008 haben sich auf Kreuzungen von Schiene und Strasse vier Unfälle ereignet. Eine Fussgängerin, zwei Radfahrer und die oben genannte Motorradfahrerin hatten jeweils ein Rotlicht übersehen oder ignoriert. «Natürlich haben wir versucht, möglichst wenig Kreuzungsstellen zu bauen», sagt Flury im Rückblick auf die Planung der Glattalbahn. Ganz zu vermeiden seien diese aber nicht, denn die Glattalbahn musste ins Strassennetz eingebunden werden. In Zusammenarbeit mit der Stadt- und Kantonspolizei habe man dazu jede Kreuzung beurteilt, so Flury. An der Überlandstrasse wurde zuerst eine Lösung im Kreuzungsbereich mit der Ringstrasse gesucht. Laut Flury musste diese Option aber aus Gründen der Leistungsfähigkeit verworfen werden. Der Bau einer Unterführung sei wegen der Gewässersituation nicht möglich gewesen. Thomas Maag, Sprecher der Zürcher Baudirektion, verweist auf die technischen Probleme, ein Tram über oder unter einer Strasse durchzuführen. Denn das Gefälle dürfe nicht zu gross sein — dadurch werde ein Viadukt oder eine Unterführung sehr lang. «Gerade in städtischen Gebieten ist der benötigte Platz dafür in den wenigsten Fällen vorhanden.» Zudem sei eine Überführung natürlich eine Kostenfrage: Laut Maag kostet eine Überführung rund fünfmal so viel wie eine Kreuzung. «Noch keine Langzeiterfahrung» Bei der Kantonspolizei sieht man die Kreuzungen von Schiene und Strasse auf den Linien der Glattalbahn nicht als Unfallherd. «Langzeiterfahrungen sind uns aber noch keine bekannt», sagt Marc Neracher, Chef der Verkehrstechnischen Abteilung. Bei den bis jetzt bekannten Unfällen mit beteiligter Strassenbahn handle es sich jeweils um Einzelereignisse an verschiedenen Orten. Zurückzuführen seien sie auf mangelnde Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer. «Eine Schranke wäre vom Sicherheitsaspekt her wirkungsvoller», räumt Neracher ein. «Dem gegenüber stehen aber zahlreiche andere Aspekte wie Verkehrsfluss, Kosten und Verhältnismässigkeit.» «Natürlich haben wir versucht, möglichst wenig Kreuzungsstellen für die Glattalbahn zu bauen.» Andreas Flury, Verkehrsbetriebe Glattal Die Glattalbahn führt über die mehrspurige Überlandstrasse.Foto: Dominique Meienberg

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