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Querulant will Freiheit

Erich S., vom Schweizer Fernsehen 2007 in zwei Dokumentarfilmen porträtiert, ist froh, nach seiner Spanienodyssee wieder zu Hause zu sein.

Von Maurice Thiriet Erich S., je nach Darstellung Schaffhauser Stadtoriginal oder verwirrter notorischer Gewalttäter, ist zurück im Psychiatriezentrum Rheinau ZH. Dort, wo er 2006 ausgebrochen war und sich ins Ausland abgesetzt hatte. Zuletzt nach Spanien, wo er wild campierte und Ende Mai 2009 unter Mordverdacht an einem Schweizer Besucher festgenommen wurde. Am Montag landete S. als Auslieferungshäftling in der Schweiz, weil die spanischen Behörden das Verfahren gegen ihn eingestellt hatten (TA vom Dienstag). Damit endet vorläufig die Odyssee des Rohkostfanatikers, der 2005 wegen mehrerer Gewaltdelikte 15 Monate Freiheitsstrafe kassierte und aus der stationären Massnahme flüchtete, um Zwangsmedikationen zu entgehen. Eine grössere Bekanntheit erreichte S. dank einem Dokufilm des SF, der aus S.’ Leben erzählte und von mehreren mit der Akte S. vertrauten Gerichtsreportern wegen Verharmlosung scharf kritisiert worden war. In der Sendung «Dok – Fortsetzung folgt», fand S. ein zusätzliches Publikum. Im Rahmen der Sendung besuchte Moderator Röbi Koller S. an seinem letzten Aufenthaltsort nahe Valencia. Ebendort, wo S. kurz darauf den Schweizer Abenteurer U.?B. erschlagen haben soll, mit dem er zuvor sechs Wochen zusammengewohnt hatte. Nach über einem Jahr U- und Auslieferungshaft in Spanien und einer weiteren Nacht in einem Schweizer Gefängnis wurde S. nun zurück in die Klinik Rheinau verlegt, wo ihn sein Anwalt schnellstmöglich wieder rausholen will. «Noch vor seiner Flucht 2006 habe ich Antrag auf Einstellung der stationären Massnahme oder aber bedingte Entlassung aus der Massnahme gestellt», sagt S.’ Anwalt Martin Schnyder. Über diese Anträge sei nun, da S. wieder angehört werden könne, schnellstmöglich zu entscheiden. Fluchtgefahr gebannt Schnyder sieht gute Chancen. «Der Verdacht des Totschlags ist aus rechtsstaatlicher Sicht mangels Beweisen ausgeräumt. Und auch ansonsten hat sich mein Mandant während dreier Jahre in Freiheit nichts zuschulden kommen lassen, weswegen der Freiheitsentzug nicht mehr zu rechtfertigen ist», sagt Schnyder. Angesichts der aktenkundigen, jahrzehntelangen gewalttätigen und querulatorischen Vorgeschichte von S., dessen Opfer oft Beamte und Polizisten waren, dürften die Schaffhauser Richter das Begehren skeptischer beurteilen. Immerhin scheint die Fluchtgefahr bei S. nach dem Spanienabenteuer ein Stück weit gebannt. Dieter Fey, Leiter des Justizvollzugs im Kanton Schaffhausen, hat nach eigenen Angaben ein längeres Gespräch mit S. geführt. «Er hat sich mir gegenüber dahin gehend geäussert, dass er nun doch sehr froh sei, wieder in der Schweiz zu sein», sagt Fey.

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