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«Politiker freuen sich auf die Jagd»

Wolfsschutz Traurige Aussichten für die Generation Wolf, TA vom 1. Oktober Parlamentarier ohne Fachwissen. Ausgerechnet im Jahr der Biodiversität geraten die wenigen Wölfe in der Schweiz in Lebensgefahr. Vor allem, weil unsere gewählten Entscheidungsträger so wenig über die Zusammenhänge wissen. Nicht wissen, dass die grossen Beutegreifer Wolf, Luchs und Bär für die Biodiversität, die Gesundheit der wilden Beutetiere wie Hirsch, Reh und dergleichen mehr und für den Waldschutz äusserst wichtig sind. Seit es im US-amerikanischen Yellowstone-Nationalpark wieder Wolfsrudel gibt, hat die Vielfalt in Flora und Fauna zugenommen, weil die grossen Pflanzenfresser durch die Wölfe reguliert werden und die Hirsche nicht ungehindert alles abfressen können. Die Hirschpolulation ist kleiner, aber gesünder (die Wölfe jagen schwache und kranke Tiere und nicht wie der Mensch die schönsten und gesündesten!). Davon profitiert auch der Wald, weil die Verbisse an jungen Bäumen zurückgegangen sind. Dass man mit Wölfen gut zusammenleben kann, zeigen übrigens Untersuchungen, zum Beispiel in Rumänien. Weil die dortigen Schafe, die Milch und Fleisch liefern, gut gehirtet sind, sind die Verluste absolut minimal (im Promillebereich). Obschon in den Südkarpaten Wölfe nachts bis in die Vororte der Grossstadt Brasov kommen, akzeptiert die Bevölkerung diesen Zustand. Weil Wölfe ungemein scheu sind und den Menschen nicht als Beute ansehen. Deshalb auch fallen sie nicht lästig auf, wie beispielsweise die aufdringlichen Füchse in der Stadt Zürich. Dass eine Mehrheit der vom Volk gewählten National- und Ständeräte am Donnerstag auf die falschen Argumente der Wolfsgegner hereingefallen sind, zeigt, dass sie ihre Aufgabe nicht gemacht haben. Nämlich die, sich umfassend, das heisst unter Beizug der neuesten Forschungsergebnisse zum Thema Wolf, zu informieren. Hedi Wyss,Kilchberg Wolf versus Schaf. Einfach mal die Schafe fragen! Die finden nämlich, Wolfsschutz ist Täterschutz. Laurenz Hüsler, Egg Wie im Mittelalter. Unglaubliches war am Donnerstag im Bundeshaus zu hören! Der Wolf sei eine Bestie, die aus Lust am Töten jage. Man fühlte sich ins Mittelalter versetzt.Damals wurden obskure Theorien über den Wolf verbreitet. Roberto Schmidt (CVP), Oskar Freysinger (SVP) und andere Nationalräte taten sich gütlich an diesen Theorien. Sie scheinen sich jetzt schon auf die Wolfsjagd zu freuen – es fehlte ihnen nur noch der Jägerhut. Es würde wohl auch nichts nützen, wenn man ihnen wissenschaftliche Bücher über den Wolf schenken würde. Sie wollen einfach wieder gewählt werden. Nicht zu fassen, dass die zurzeit 10 bis 15 Wölfe, die in unserem Land leben, so viele Emotionen auslösen. Wer sich mit dem Wolf befasst, weiss, was für ein interessantes, intelligentes und schönes Tier er ist. Seine Geschichte zeigt auch, wie nahe er uns Menschen ist. Ich hoffe, dass viele Schäfer lieber Schutzhunde und andere Massnahmen zum Schutz ihrer Schafherden einsetzen werden, als den Wolf abzuschiessen. Ruth Werren, Winterthur Aus Unterländer Optik. Wut, Enttäuschung, Trauer dies meine Reaktion auf die Wolfsdebatte im Nationalrat. Wie ist es möglich, dass ein reiches Land wie die Schweiz den Naturschutz derart mit Füssen tritt und sich bezüglich des Wolfsschutzes so armselig verhält! Oder passt dieses Verhalten zu unserer Einstellung, dass wir alles und jedes dem Profit unterordnen? Ich frage mich auch, wie lange noch ungeschützte Schafherden (über deren Nutzen an anderer Stelle diskutiert werden könnte) subventioniert werden. Und ob eine Region wie das Wallis Gelder für die Tourismusförderung verdient. Wann werden wir endlich den Mut haben, Parlamentarierinnen und Parlamentarier zu wählen, bei denen der Schutz der Natur über den Profit Einzelner gestellt wird? Um den Argumenten vorzubeugen, dass diese Meinung von Unterländern gut und gerne vertreten werden könne, möchte ich doch anfügen, dass ich auf dem Land lebe und unsere Bauern ihre Hühner und sonstigen Tiere ebenfalls gegen den Fuchs schützen müssen, da sie für gerissene Tiere keine Entschädigung erhalten. Margrit Steimann, Weisslingen Praktische Sündenböcke. Dieses Parlament ist ein Kollektiv, das in seiner Mehrheit aus Lobbyisten besteht, die kaltschnäuzig Partikularinteressen über was auch immer – im konkreten Fall: über neueste wissenschaftliche Erkenntnisse – stellen und verbindliche internationale Verträge entweder nach den eigenen Interessen zurechtbiegen oder dann halt einfach kündigen, so es dem eigenen (!) Nutzen und der eigenen Wiederwahl dienlich ist. Sollen doch die unbehirteten Schafe – und vor allem in viel grösserer Zahl, als das sämtliche Wölfe je fertigbringen würden – abstürzen und elendiglich zu Tode kommen . . . Was kümmert das den ach so tierliebenden Schafhalter, dem es das Herz bricht (was man ja noch versteht!), wenn er von einem Wolf gerissene Schafe auffindet! Mit Verlaub: verlogener gehts nicht. Hauptsache, die Subventionen fliessen weiter. Sündenböcke sind etwas ausserordentlich Praktisches. Man muss dann nicht so scharf über sich selbst nachdenken. Das macht wütend, ist in der Tat armselig, traurig und beschämend. Max Meier, Rapperswil-Jona Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Ein Bildlegende. Foto: Vorname Name, Agentur «Geschrei macht den Wolf grösser, als er ist», lautet ein Sprichwort. Foto: W. Rothermel, AP

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