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Obelix im Porzellanladen

Die kleine Geschichte Wie der Schauspieler Gérard Depardieu den Franzosen Sorgen bereitet. Wenn Gérard Depardieu am Fernsehen auftritt, und das tut der Schauspieler oft und knorrig und laut, dann hält Frankreich den Atem an, gewissermassen kollektiv. Dann hoffen die Moderatoren, dass «Gégé national» zwar eine gehörige Dosis jener «folie» ins Studio mitbringt, die seinem Überschwang entspringt und dass er damit hohe Einschaltquoten garantiert. Gleichzeitig sind diese Einladungen aber auch Gratwanderungen. Depardieu, 61 Jahre alt, wohl die ideale Besetzung für Obelix, ist ein unberechenbarer Gast mit schnellen, manchmal überschnellen und übertriebenen Reflexen, einer, der auch schon mal ausfällig wird. Die verbalen Aussetzer werden dann in der Regel seinem exzessiven Hang zur Flasche zugeschrieben, was als Entschuldigung meist ausreicht. Im Volk ist er beliebt, er gilt als Bonvivant und als authentisch, als einer von «unten» – heute noch, obwohl er mit Millionengagen, Weingütern und einem Pariser Restaurant ein reicher Mann ist. Zuletzt aber leistete sich Depardieu so viele grobschlächtige Provokationen, dass Frankreichs auflagenstärkste nationale Zeitung, «Le Parisien» – ein Blatt des gehobenen Boulevards –, nun am Wochenende mit Sorge fragte: «Was ist nur los mit unserem Gégé national?» Dazu lieferte das Blatt eine «Untersuchung» über zwei volle Seiten. Da wird der Leser zum Beispiel daran erinnert, wie Depardieu vor einigen Monaten auf TF 1 über den populären Umweltschützer und Filmer Nicolas Hulot sagte: «Der verpestet mir echt das Leben.» Zu einer Journalistin, die ihm eine Frage zu seinem erfolgreichen Film «Mammuth» stellen wollte, sagte er vor laufender Kamera: «Warum soll ich mit dir reden, du Miststück?» Oder den Filmemacher Jean-Luc Godard beschrieb er so: «Ich habe nie verstanden, ob Godard ein Regisseur oder ein Professor ist. Jedenfalls kann er nicht schreiben, er theoretisiert alles. Dem ist ein Bus über die Eier gefahren.» Doch für die meisten Schlagzeilen sorgte Depardieus Tirade gegen Juliette Binoche, die Schauspielerkollegin, die auch schon einen Oscar gewonnen hat und im Ausland viel Anerkennung geniesst. In einem Interview mit einem österreichischen Nachrichtenmagazin taxierte er die Künste Binoches so: «Ich würde gerne einmal erfahren, warum sie überall so sehr geschätzt wird nach all den Jahren. Sie hat nichts, überhaupt nichts – sie ist nichts.» Binoche reagierte elegant: «Man muss ja nicht jeden mögen», sagte sie, «doch die Gewalt seiner Worte ist schon erstaunlich. Mit mir hat das wahrscheinlich nichts zu tun.» In der Kulturszene, zumal in den ihm nicht sehr gewogenen Kreisen, heisst es nun, Depardieu habe beim Trinken wohl viele Hirnzellen verloren. Ein Produzent bezeichnete ihn als «gestrandeten Walfisch», was als Bild doch einiges für sich hat. «Le Parisien» befragte aber auch Leute aus dem nächsten Umfeld Depardieus. Und die erklären sich die neuere Eskalation mit dem kürzlichen Verlust einiger Menschen, die ihm wichtig waren. Allen voran sein Sohn Guillaume, ebenfalls Schauspieler, der vor zwei Jahren mit 37 Jahren starb – nach einem kurzen und bewegten Leben, voller Probleme mit Drogen und mit der Justiz. Das habe den Vater gezeichnet und alle Sorgen um Konventionen beseitigt. Allerdings haben ihn Konventionen eh nie viel gekümmert. Bei seinem jüngsten Auftritt bei einer Filmpremiere in Paris zeigte sich Gégé vor einer Woche sichtlich frischer, ruhiger auch, um einige Kilos leichter. Depardieu war zur Kur. Die Ärzte hatten ihn dazu gedrängt. Dem Publikum sagte er: «Ich habe aufgehört mit dem Trinken.» Es gab Applaus. Die People-Presse nannte es eine «Sensationsmeldung». Oliver Meiler, Marseille Die Aussetzer werden seinem Hang zur Flasche zugeschrieben. Knorrig, laut und unberechenbar: Gérard Depardieu .

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