Zum Hauptinhalt springen

Nigerianer beim Koksdeal erwischt

Ein 39-Jähriger wollte am Bahnhof Männedorf für 40 000 Franken Kokain verkaufen. Ins Gefängnis muss er dafür nicht.

Von Daniel Fritzsche Männedorf – Der Bahnhof Männedorf ist nicht der Ort, den man gemeinhin als Drehscheibe eines Drogenhandels vermutet. Vielleicht liegt es gerade daran, dass sich Ken A.* diesen Ort für seinen Deal ausgesucht hat. Am 12. November 2010 überquert der Deutsche nigerianischer Abstammung die Schweizer Grenze. In einem Hohlraum unter dem Fussteppich seines Mercedes-Benz hat er 790 Gramm Kokain versteckt, abgepackt in 80 verkaufsbereiten Fingerlingen. Um 17.20 Uhr trifft er in Männedorf ein. Dort wartet bereits der Abnehmer der Drogen im Wert von rund 40 000 Franken. Doch zu einer Übergabe kommt es nicht: Dank Telefonüberwachung hat die Polizei von der Aktion Wind bekommen und kann die beiden Dealer noch vor Ort dingfest machen. Kuriere wechseln Namen Gestern musste sich Ken A. für den Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten. Für Staatsanwalt Roger Keller ist der Fall typisch. Fast täglich hat er mit afrikanischstämmigen Drogenkurieren zu tun, die Stoff aus Spanien oder Holland in die Schweiz schaffen. Die Übergabe an Kleindealer erfolge nicht mehr unbedingt in den Grossstädten, sondern vermehrt in den Agglomerationen, sagt er. «Die Dealer sind gut organisiert und kennen die juristischen Schlupflöcher.» Oft kann ihnen nur wenig nachgewiesen werden. Häufig wechseln die Händler ihre Namen. Dadurch wird es für die Untersuchungsbehörden fast unmöglich, bei Delikten in anderen Staaten Vorstrafen zu erkennen. Vorstrafen, die Ken A. belasten würden, hat der Staatsanwalt keine gefunden. Dennoch forderte er eine relativ hohe, teilbedingte Freiheitsstrafe von 3 Jahren. Keller sprach von einem «erheblichen Verschulden» des Angeklagten. «Ohne das Einschreiten der Polizei wären die 790 Gramm Kokain in Umlauf geraten und hätten die Gesundheit anderer Personen gefährdet.» Mr. Johns Hirnwäsche Ken A. zeigte sich geständig und reuig. Der Drogentransport vom 12. November sei eine einmalige Angelegenheit gewesen. Ein Bekannter – ein gewisser «Mr. John» – habe ihm den Auftrag in Holland erteilt. «Er hat mich in diesen Schlamassel geritten», sagte der 39-Jährige. Worauf der Bezirksrichter meinte, das sei bloss eine Ausrede: «Sie sind ein stattlicher Mann mit eigener Meinung, der in der Lage gewesen wäre, Nein zu sagen.» Der Angeklagte behauptete, von «Mr. John» eine Gehirnwäsche erhalten zu haben. Der Pflichtverteidiger plädierte, seinen Mandanten zwar schuldig zu sprechen, ihn jedoch nur mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 20 Monaten zu bestrafen. Ken A. sei bloss ein «Rädchen im Getriebe» und kein typischer Drogendealer. «Er ist ein familiär und sozial gut integrierter EU-Bürger ohne Vorstrafen.» Im Jahr 2000 hatte Ken A. eine deutsche Frau geheiratet und so die Staatsbürgerschaft erlangt. Später trennte er sich von ihr. Seit 2007 ist er mit einer Nigerianerin, die in Belgien eine Niederlassungsbewilligung hat und dort Arbeitslosengeld bezieht, liiert. Sie haben einen gemeinsamen, einjährigen Sohn. Nun plant das Paar die Heirat und eine gemeinsame Zukunft in Deutschland. Der gelernte Metzger arbeitete bis zu seiner Verhaftung als Personalvermittler für Jobs in deutschen und holländischen Schlachthäusern. Zurück nach Deutschland Das Gericht bestrafte den fehlbaren Familienvater schliesslich mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren. Den Vollzug schob es aber auf. Dieser bedingte Vollzug entspreche der gerichtlichen Praxis bei Ersttätern. Ken A. nahm das Urteil mit einem Lächeln entgegen und bedankte sich mehrfach bei den zuständigen Richtern. Er wird an das Migrationsamt überführt und anschliessend wohl auf freiem Fuss zurück nach Deutschland geschickt. Die Kosten des Prozesses belaufen sich auf über 10 000 Franken.* Name der Redaktion bekannt

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch