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Nach dem Geburtstagsfest gehen für die Bülacher Kurzfilme die Lichter aus

Die zehnte Bülacher Kurzfilmnacht im August wird die letzte sein. Die Macher werfen das Handtuch. Nicht aus Not, sondern wegen ihres grossen Erfolgs.

Mit Simon Schmid sprach Fahrettin Calislar Nach zehn Kurzfilmnächten hören Sie auf. Warum? Haben Sie finanzielle Sorgen? Wir wollen auf dem Höhepunkt aufhören können und als Kult in Erinnerung bleiben. Wir konnten bisher jedes Jahr unsere Zuschauerzahlen erhöhen. Jedes Jahr übertrafen wir uns selber. Irgendwann wird es schwierig, dies zu toppen. Petrus war uns immer gnädig gestimmt. Wir wollen nicht erleben müssen, dass uns plötzlich die Zuschauer oder die Sponsoren ausbleiben. Finanzielle Probleme haben wir keine, doch der Anlass hat eine Grösse erreicht, die eine Professionalisierung nötig machen würden. Das konnten wir nicht gewährleisten. Alles hat einmal ein Ende. Sie gehörten seit der zweiten Ausgabe 2003 zu den zentralen Akteuren der Kurzfilmnacht. Wie haben sie diese Jahre erlebt? Ich bin stolz auf das, was wir geschaffen haben. Die Bülacher Kurzfilmnacht begann 2002 bei strömendem Regen auf dem Lindenhof. Die zehn Zuschauer waren alle aus dem Bekanntenkreis der Organisatoren. Dann kam ich dazu, und wir wechselten in den Guss. Wir konnten jedes Jahr immer wieder etwas Neues einbringen, beispielsweise optimierten wir oft die Technik. Wir haben viel Herzblut in die Sache gesteckt, alle arbeiten ehrenamtlich. Viele Gäste kommen von ausserhalb der Region, einige gar aus dem Ausland. Es war fantastisch, doch man zahlt persönlich drauf. Ich war beispielsweise seit vier Jahren nicht mehr in den Sommerferien. Hängt der Beschluss mit der bevorstehenden Schliessung des Kulturzentrums Guss zusammen? Nein, damit hat der Entscheid nichts zu tun. Der Guss war für uns zwar eine ideale Plattform. Wir konnten einiges an Infrastruktur benützen. Durch die Schliessung des Guss hätten wir diese Möglichkeiten nicht mehr gehabt. Doch wir hatten schon erste Alternativen mit der Stadt erörtert. Es wäre möglich gewesen, das Festival an einem anderen Ort durchzuführen. Ausserdem überlegten wir uns schon nach der letzten Kurzfilmnacht, ob wir aufhören wollen. Welchen Effekt hat die Kurzfilmnacht auf das Film- und Kulturschaffen im Zürcher Unterland? Das Festival hat einen guten Ruf in der Szene. Namhafte Filmemacher schicken ihre Filme bei uns ein, weil sie das Festival eine tolle Sachen finden. Viele Junge aus der Region machen ihre ersten Filme mit dem Ziel, sie bei uns zu zeigen. So habe übrigens auch ich mit Filmen begonnen. Es gibt nichts Undankbareres, als einen Film zu machen und ihn nur im stillen Kämmerlein zeigen zu können. Dann verschwinden Kurzfilme also aus dem Bülacher Kulturkalender? Vielleicht kommt mal jemand und will hier wieder ein Kurzfilmfestival organisieren. Dass wir aufhören, bietet eine Chance für einen Neuanfang. Kurzfilme sind heute sehr im Trend. Sowohl unter den Produzenten als auch unter den Zuschauern. Viele Filmfestivals oder Open-Air-Kinos zeigen Kurzfilme, sogar Firmen an Betriebsfesten. Die Nachfrage ist da. Andererseits – und das sage ich voller Stolz – hinterlassen wir grosse Fussstapfen. Und wer in diese Fussstapfen treten und etwas Neues machen will, wird es nicht leicht haben. Seit 2008 kümmert sich ein Trägerverein um die Geschicke des Festivals. Wird er nun aufgelöst? Der Verein wurde zur Professionalisierung des Anlasses gegründet. Wir wollten das Festival institutionalisieren. Doch wir hören jetzt wirklich auf. Also müssen wir auch den Verein auflösen. Wer also etwas Neues beginnen möchte, muss etwas Eigenes aufbauen. Wie stellen Sie sich ein Leben nach der Kurzfilmnacht vor? Uns tut es weh, nach so vielen schönen Erlebnissen aufzuhören. Wir werden nun alle unseren Berufen, Ideen und Projekten nachgehen können. Allerdings – es ist nicht ausgeschlossen, dass wir nächstes Jahr im Sommer schlaflose Nächte haben und es uns in den Fingern kribbelt. Und dann könnte es sein, dass wir einen Projektor organisieren und irgendwo irgendwem wieder einen Film zeigen. Und wir wissen auch, dass wir eine Lücke hinterlassen werden. Doch man wird es in ein paar Jahren verkraften. Sommeranlässe gibt es ja genug. Es bleibt dann die Erinnerung an eine Kultveranstaltung. Und das ist gut so. Sie feiern dieses Jahr das 10-Jahr-Jubiläum. Fällt das Programm deshalb aus dem bisherigen Rahmen? Neben dem eigentlichen Programm organisieren wir eine Horrornacht und ein «Best of» der letzten zehn Jahre. Wir wollen uns bei unserem Stammpublikum bedanken. Das ist uns wichtig. Der Höhepunkt des Jubiläums ist ein Stück unseres Geburtstagskuchens. www.kurzfilmnacht.com Simon Schmid Der 30-jährige Filmemacher arbeitet beim Schweizer Fernsehen und organisiert die Kurzfilmnacht Bülach.

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