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Mit Jugendlichen auf Raubzug gegangen

Ein 27-jähriger Schweizer hat zusammen mit mehreren Jugendlichen Passanten überfallen. Das Bezirksgericht Dielsdorf verhängte dafür zwei Jahre Haft auf Bewährung.

Dielsdorf. - Mit dem Mercedes der Grossmutter fuhr der heute 27-jährige Angeklagte im Mai und im Juli des vergangenen Jahres zum Teil ziellos in der Gegend herum. Durch seinen minderjährigen Nachbarn war er in Kontakt mit einer Gruppe Jugendlicher gekommen und verbrachte immer wieder Zeit mit ihnen, obwohl alle rund zehn Jahre jünger waren als er. Während der Autofahrten fällten der Angeklagte und seine Mitfahrer - so steht es in der Anklageschrift - dreimal spontan den Entschluss, Passanten zu überfallen, um so an Geld für Benzin zu kommen. Dabei wurde auch Gewalt angewendet. Bei einem 18-jährigen Opfer, das nachts in Bülach überfallen wurde, führten die Fusstritte der Gruppe zu schweren Kopfverletzungen, unter deren Folgen der junge Mann noch heute leidet.

Was trieb den Angeklagten dazu, mit Teenagern auf Tour zu gehen, wollte der vorsitzende Richter des Bezirksgerichts Dielsdorf gestern wissen. «Ich habe Anerkennung bekommen. Zudem war es wohl der Frust», sagte der Angeklagte. Er war unzufrieden, weil er im Berufsleben Probleme und im Privaten Differenzen mit der langjährigen Partnerin hatte, mit welcher er einen 6-jährigen Sohn hat.

Wagen ausser Sichtweite gefahren

Über die Rolle des 27-Jährigen hatten die Vertreterin des schwer verletzten Opfers und der Verteidiger zwei völlig unterschiedliche Ansichten. Die Anwältin des Geschädigten zeichnete das Bild eines Anstifters, der die Jugendlichen in der Hand hatte und sie dazu drängte, Geld zu besorgen. Der Angeklagte fuhr das Auto bei den Überfällen jeweils ausser Sichtweite und holte seine jungen Freunde nach dem Raub wieder ab. «Er liess die Jugendlichen die Drecksarbeit verrichten», so die Geschädigtenvertreterin. Und als sich nach einem Überfall herausgestellt habe, dass kaum Geld im erbeuteten Portemonnaie war, habe er seine jungen Komplizen als Strafe nach Hause laufen lassen.

Weitaus milder schilderte der Verteidiger das Geschehene und die Funktion seines Mandanten: «Er hatte lediglich die Rolle des Fahrers.» Die Beschlüsse, jemanden auszurauben, seien spontan gefasst worden. Von wem genau die Idee stammte, bleibe offen. Der Verteidiger plädierte deshalb für eine bedingte Haftstrafe von 16 Monaten. Der Staatsanwalt forderte 24 Monate, wobei 6 davon abzusitzen seien. Der Angeklagte war bereits sechseinhalb Monate in Untersuchungshaft.

Neben den Anklagepunkten Raub und versuchter Raub - einmal konnten die Opfer flüchten - wurde dem Angeklagten ein Delikt wegen Pornografie zur Last gelegt. Auch hier zeigte er sich geständig. Er hatte einem 16-Jährigen und zwei 14-Jährigen aus der besagten Gruppe bei sich zu Hause in Rümlang drei CDs mit pornografischen Filmen übergeben. Seine Partnerin war zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause. Der Richter fragte, wie es überhaupt dazu gekommen sei. Der Angeklagte: «Sie haben mich gefragt, ob ich Filme habe, die ich nicht mehr brauche. Ich habe mir nichts dabei gedacht und sie ihnen gegeben.»

Bedingte Haftstrafe

Der junge Schweizer ist mit seiner Partnerin unterdessen von Rümlang nach Zürich umgezogen, um Distanz zu Leuten und Vorkommnissen zu gewinnen. Er hat auch wieder eine Arbeitsstelle gefunden. Wegen der U-Haft war ihm zuvor gekündigt worden.

Das Bezirksgericht verurteilte den Rümlanger zu einer bedingten Haftstrafe von 24 Monaten. Es betrachtete das Verschulden beim Raub als erheblich. Dem schwer verletzten Opfer muss der Angeklagte eine Genugtuung von 9000 Franken und Schadensersatz zahlen. Die anderen Mitglieder der Bande müssen sich für ihre Taten ebenfalls verantworten. Die Verfahren werden wegen ihrer Minderjährigkeit von der Jugendanwaltschaft geführt.

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