Zum Hauptinhalt springen

Mit der Jugend der finanziellen Depression trotzen

Es war einmal, dass GC als reich galt. Inzwischen kämpft der Klub dauernd ums finanzielle Überleben. Die Strategie heisst darum: sparen und Junge fördern.

Von Thomas Schifferle Innocent Emeghara war noch Junior in Winterthur, als er am Fernsehen Arsenal und sein traumwandlerisch sicheres Kombinationsspiel entdeckte. Seither hat er den Traum, selbst einmal für Arsenal zu spielen. Der Junge aus Obibi, einem Dorf in Nigeria, ist erst dabei, einmal zu lernen, was ein Profifussballer überhaupt ist. Und weil er ganz am Anfang seiner Lehre ist, hat er noch einen ganz weiten Weg vor sich. Und keiner weiss, wohin er kommt. Er ist wohl schnell, und er ist zäh, willensstark, ein Dauerläufer in der Sturmspitze. «Dankbar» nennen Trainer Spieler wie ihn. Ciriaco Sforza ist der Trainer hinter Emeghara. Er wollte ihn schon im vergangenen Winter zu GC holen, als der 21-Jährige noch vom FC Zürich an Winterthur ausgeliehen war. Der Wechsel klappte erst im Sommer, für etwas mehr als 200 000 Franken, die GC an Ausbildungsentschädigung dem FCW und dem FCZ überweisen musste. Für Sforza ist es gut angelegtes Geld. Emeghara ist das Beispiel, wie die Grasshoppers in der Phase der finanziellen Depression personell planen müssen. Die Zeit der spektakulären Transfers ist längst vorbei, kostspielige Rückholaktionen wie vor drei Jahren bei Ricardo Cabanas (aus Köln) und Boris Smiljanic (aus Basel) sind für die aktuelle Führung unvorstellbar. GC ist zwar nicht gleich zum Armenhaus der Liga verkommen, der Klub leistet sich weiterhin respektable Ausgaben von 16 Millionen Franken, den Campus in Niederhasli inklusive. Aber er muss «sich strecken», wie Hansruedi Hasler sagt, er muss sich jede Investition und Ausgabe genau überlegen, weil er nicht mehr in die Schuldenfalle früherer Jahre tappen will. Hasler ist als früherer Technischer Direktor des Schweizer Verbandes das beratende Gewissen des Verwaltungsrates. Er hat viel dazu beigetragen, dass die nationale Nachwuchsarbeit europäisches Ansehen geniesst. Auf dem Campus soll er helfen, die Versäumnisse in der Ausbildungsarbeit während der vergangenen Jahre zu korrigieren. Das Scouting im Nachwuchsbereich bei GC sei schwach, sagt er ungeschminkt. Er entwirft unter anderem Konzepte, wie das zu korrigieren wäre. Doch «unter dem Strich» gehe es immer um eines: «Was kostet das? Darf es das kosten? Was lässt sich optimieren?» Die Lücke im Nachwuchs 2003 gewann die U-16 von GC Meisterschaft und Cup. Der 87er-Jahrgang stellte zehn Junioren-Internationale. Zwei haben es in die Super League geschafft: Heinz Barmettler beim FCZ, Kay Voser bei GC. «Die anderen acht sind verschwunden», rechnet Hasler vor, «das heisst, aus dem damaligen Potenzial ist nicht genug herausgeholt worden.» Heute klafft auf dem Campus eine Lücke bei den 15- bis 18-Jährigen. Wo GC nicht mehr bereit zu Investitionen war, handelten der FCZ, YB und vor allem der FC Basel entschlossener. Oder wie es Hasler sagt: «Offensiver, vielleicht sogar aggressiver.» GC muss aufholen, im Juniorenbereich selbst wieder aktiv werden und Geld aufwenden. Der Klub bekennt sich zur Strategie, mit Jungen zu arbeiten, die entweder bereits im Verein sind oder die sich wie diesen Sommer in der Challenge League bei Winterthur (Emeghara, Abrashi, Lenjani) oder Wohlen (Cvetinovic) finden lassen. Das heisst für die Trainer, dass sie viel Arbeit haben. Es heisst aber nicht, dass es nur mit Jugend geht, im Gegenteil. Das Gerüst müssen weiterhin erfahrene Kräfte bilden, Benito, Vallori, Smiljanic, Salatic, Cabanas. Darum ist für Hasler wesentlich, wie fit «die Alten» sind: «Wenn sie dauernd auf dem ‹Schragen› der Physiotherapeuten liegen, bringen sie nichts.» Im Moment gilt das für Smiljanic und Cabanas. In diesem Jahr verloren die Grasshoppers gleich vier Offensivspieler. Das waren zum einen die erfahrenen Zarate und Lulic, zum anderen die U-17-Weltmeister Ben Khalifa und Seferovic. Sie gingen für «gutes Geld» (Hasler), die beiden Nachwuchsspieler zusammen für gut 4 Millionen Franken, was zumindest diese Saison hilft, das Budget einigermassen ausgeglichen zu gestalten. GC wird auch künftig diesen Weg gehen und mit Spielerverkäufen Einkommenslöcher decken müssen. Das ist die eine Seite, die andere beschäftigt Hasler sehr: dass die Jungen viel zu früh «ins Ausland abhauen». Darin sieht er für den Schweizer Fussball eine «ganz grosse Gefahr», weil die Talente sehr oft dem Ruf des Geldes folgen, in Florenz oder Wolfsburg Verträge unterschreiben, aber da nicht auf höchster Stufe spielen und sich darum nicht weiterentwickeln, wie sie das in der ausbildungsstarken Schweiz könnten. GC versuchte mehrmals, Ben Khalifa davon zu überzeugen, sich von Wolfsburg zurück in die Schweiz ausleihen zu lassen. «Aber er wollte das einfach nicht», sagt Hasler. Ben Khalifa spielt heute versteckt in der Regionalliga Nord. Das Lob für den Trainer Sforza lebt auf dem Campus mit den Umständen. Hasler hält ihn für einen «sehr begabten Trainer», einen Trainer, der die Philosophie des Vereins klaglos akzeptiere, der an die Zukunft der Jungen glaube, der aktiv und gut coache, der an der Seitenlinie nicht tobe, sondern von da aus helfen wolle. Der Trainer freut sich, wenn in der Kabine oder im Kraftraum «Jubel und Trubel» herrschen, wenn die Jungen für Betrieb sorgen. Und wenn er einmal darauf verzichten kann, selbst spielerisch trostlose Auftritte wie am Montag beim 1:1 in Neuenburg schönzureden – dann schadet das keinem. Es hilft nur, seine Glaubwürdigkeit zu stärken. Innocent Emeghara: Ein zäher, lauf-starker Kämpfer. Foto: Di Domenico/EQ

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch