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Mit dem siebten Mal soll die «Karriere» enden

Ein Regensdorfer muss für sechs Monate ins Gefängnis. Zu viel hat er auf dem Kerbholz. Neu kommt eine gefälschte Unterschrift unter einen Kreditvertrag dazu.

Von Fahrettin Calislar Dielsdorf – Vor dem Bezirksgericht Dielsdorf sass gestern ein schmächtiger junger Mann. Er beteuerte mit leiser Stimme immer wieder, dass er sich seit über einem Jahr nichts mehr habe zuschulden kommen lassen. Das Gericht solle deshalb doch Gnade walten lassen. Gerichts-Vizepräsident und Richter Andreas Bleuler anerkannten seine Bemühungen zwar, doch zu schwer wogen die langen Strafregistereinträge des Angeklagten. Er wurde wegen mehrfacher Urkundenfälschung, Diebstahls und Fahrens ohne Fahrausweis zu 12 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. 6 Monate muss er davon absitzen. Paolo P.*, 23-jährig, Italiener und wohnhaft in Regensdorf, hat innerhalb von einem halben Jahr gleich mehrfach gegen das Gesetz verstossen. Vergleichsweise leicht wog da noch der Diebstahl. Er stahl seiner damaligen Freundin 630 Franken. Um die Miete zu zahlen, wie er gestern den drei Richtern sagte, was diese ihm nicht glaubten und er nicht belegen konnte. Dann borgte er sich im Februar 2009 vom Vater dieser Freundin das Auto und machte damit eine Spritztour, obschon ihm der Ausweis entzogen worden war. Dass er sich den Aufwand machte, dem Vater der Freundin eine gefälschte Fahrbefähigung unter die Nase zu halten – auch das wäre noch nicht so schlimm gewesen. Doch die gefälschte Unterschrift seines Vaters unter einen Darlehensvertrag kostet ihn nun die Freiheit. 38 000 Franken plus Zinsen und Gebühren ertrog er mit den falschen Angaben. Er selbst war angesichts der Pfändungen wegen seiner hohen Schulden nicht zahlungsfähig und hätte das Geld niemals erhalten. Er hatte sich ein teures Auto gekauft, Telefonrechnungen nicht bezahlt und einiges mehr. Mit dem erschlichenen Geld wollte der Italiener seine Schulden bezahlen. Das Gericht wunderte sich, wie einfach es ihm sein Vater gemacht und für ihn das Geld sogar abgehoben hatte. Er habe seinem Vater gesagt, es handle sich um einen Vorbezug der dritten Säule, so Paolo P. Der Angeklagte begründete seine Taten mit zerrütteten Familienverhältnissen und seiner Geldnot: «Ich habe ein Ghetto gehabt und Scheisse gebaut.» Er wolle nun alles bereinigen. Immer wieder vor Gericht Paolo P. wünschte ein bedingtes Urteil. Das Urteil des Gerichts ist nun härter ausgefallen, als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Das Gericht stellte dem Italiener in Aussicht, dass er die Haft in Halbgefangenschaft antreten könne, damit er seine Stelle behalten könne. Der Rest wird in eine bedingte Strafe mit fünfjähriger Probezeit umgewandelt. Und der junge Mann muss die Gerichtsgebühr bezahlen. In ihrer Urteilsbegründung hielten die Richter ihm vor allem seine Vorgeschichte vor Augen. Sechsmal sass Paolo P. schon vor dem Kadi. 2005 und 2007 wurde er wegen Rasens erwischt und verurteilt. Das dritte Mal hatte er zu viel getrunken und musste deshalb seinen Ausweis abgeben. In der Folge ging er der Polizei dreimal ohne Ausweis ins Netz. Jedesmal wurde er zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt, wandelte einen Teil dieser Arbeit in Geldstrafen um. Diese kamen nun zu seinen anderen Schulden hinzu. «Wie soll es weitergehen mit Ihnen? Was denken Sie sich dabei?», fragte ihn Richter Bleuler nach der Aufzählung seines Sündenregisters. Selbst sein Pflichtverteidiger bescheinigte seinem Mandanten eine «deliktische Karriere». Das Verschulden sei tatsächlich erheblich. Doch das Gericht müsse noch einmal ein Auge zudrücken und Paolo P. eine Chance geben. «Das geht nicht mehr, jetzt muss etwas passieren», fasste Bleuler bei der Urteilsverkündung zusammen. Nur mit einer unbedingten Haftstrafe sehe er eine Möglichkeit, Paolo P. «nachhaltig zu beeindrucken», wie er erklärte. Der junge Mann sei der «wandelnde Beweis» dafür, dass leichtere Strafen nicht reichten. Dieser versprach abschliessend, sich nun endlich zu bessern. * Name der Redaktion bekannt

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