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Michel Zeiter: «Verrückter als in dieser Saison geht es nicht»

Der langjährige ZSC-Stürmer wechselte im Sommer zu Visp. Ab heute Donnerstag spielt der 36-Jährige in der Ligaqualifikation gegen Ambri um den Aufstieg.

Mit Michel Zeiter sprachPhilipp Muschg Michel Zeiter, Sie stürmten 15 Jahre für den ZSC, insgesamt 18 in der Nationalliga A. War die NLB für Sie ein Kulturschock? So weit würde ich nicht gehen. Natürlich kommen in der Nationalliga B weniger Scheiben zurück – dafür ist die Liga vom Tempo her auf sehr gutem Niveau. Was sicher stimmt: Es war eine ganz schwierige Saison für den EHC Visp. Wir hatten drei verschiedene Trainer, einen Wechsel bei den Ausländern. Sportlich lief es anfangs gar nicht rund. Aber im Playoff haben wir uns dann fast in einen Spielrausch gesteigert. Verrückter als diese Saison geht es nicht. Wie realistisch war der Meistertitel bei Ihrem Wechsel im Sommer? Ich habe den Transfer schon mit dem Ziel gemacht, NLB-Meister zu werden. Andererseits wollte ich auch den nächsten Karriereschritt vorbereiten und habe deshalb zusätzlich als Assistenztrainer unterschrieben. Schon nach wenigen Wochen wurden Sie dann Nachfolger von Trainer Réal Paiement . . . Das war keine einfache Zeit. Zwischen Paiement und dem Team funkte es nicht, die Resultate blieben aus. Als Sportchef Sébastien Pico fragte, ob ich übernehmen wolle, sagte ich zu. Aber die Doppelfunktion als Spieler und Trainer erwies sich als enormer Stress, die Rollenverteilung war schwierig. Meine Arbeitstage dauerten von 8 Uhr morgens bis 22 Uhr. Ihre Ersetzung durch Bob Mongrain haben Sie nicht als Entmachtung empfunden? Nein, gar nicht. Es nützt allen, wenn ich mich diese Saison auf die Arbeit auf dem Eis konzentrieren kann. Sie sind 120-facher Nationalspieler, waren Meister und Teamleader.Was ist Ihre Rolle in Visp? Die eines Allrounders. Ich spiele in verschiedenen Linien, Powerplay, Boxplay – zuletzt 28 Minuten pro Match. Ich hoffe auch, dass ich von meiner Erfahrung etwas weitergeben kann: Wir haben sieben Spieler im Team mit Jahrgang 1990 oder jünger. Und wo ich kann, greife ich auch dem Trainerstab unter die Arme. Wieso sind Sie nach Ihrer Saison in Kloten ausgerechnet in Visp gelandet? Als im Juni die Anfrage kam, musste ich nicht lange überlegen. Ich wollte noch zwei, drei Jahre weiterspielen, erste Erfahrungen im Coaching sammeln und bin ausserdem im Wallis ziemlich verwurzelt. Mein Vater kommt aus Visp, als Kind bin ich ständig hierher gekommen. In Rosswald ob Brig habe ich Skifahren gelernt, und ich spreche auch leidlich Walliserdeutsch. Haben Sie noch Verbindungen nach Zürich? Selbstverständlich. Ich habe zwar eine Wohnung in Visp, aber meine Familie lebt nach wie vor in Zürich. Fast jeden Mittwoch pendle ich deswegen hin und her. Wie erleben Sie den Mentalitätsunterschied zum Wallis? Verglichen mit meiner Zeit in Zürich und Langnau würde ich sagen: Der Walliser ist ebenfalls eishockeyverrückt, aber impulsiver. Er ist stolz, hartnäckig, ehrlich, sagt die Dinge geradeheraus. Hier zeigen sie einem, wie sie fühlen. Im Herbst war es zum Teil nicht sehr lustig in Visp, am Freitag bei der Meisterfeier dafür grandios. Da sind wir in einem offenen Londoner Bus vom Bahnhof zum St. Martiniplatz gefahren. Die Strassen waren voll, es herrschte Riesenstimmung. Der NLB-Meistertitel hat fürs Wallis eine enorme Bedeutung. Sie glauben, die Mannschaft kann sich nach diesem Höhepunkt gegen Ambri wieder konzentrieren? Davon bin ich überzeugt. Das Team und auch ich mussten zum Teil extrem untendurch diese Saison – und doch haben wir immer bessere Leistungen gezeigt, je wichtiger die Spiele wurden. Die Krisen haben uns gestärkt, wir haben auch gezeigt, dass wir mit Druck umgehen können. Was wird im Kampf um den Aufstieg entscheidend sein? Drei Dinge: Ambri kann ebenfalls nur auf zwei Ausländer zählen. Die jüngsten Niederlagen der Tessiner haben auch mental Spuren hinterlassen. Und die einmalige Stimmung in der Litternahalle, die keinen Gegner unberührt lässt. Erst recht keine Mannschaft, die aus dem Playout kommt: Die Teams haben dort ja einen fast verängstigten Eindruck gemacht. Ambitioniert: Michel Zeiter strebt mit Visp den Aufstieg an. Foto: Pascal Muller (EQ )

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