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Marcel Koller: «Mein GC-Herz blutet»

Der letzte Meistertrainer der Grasshoppersist über die Entwicklungen in seinem früheren Klub besorgt.

Mit Marcel Koller sprach Peter Bühler Seine ganze Laufbahn als Fussballer verbrachte Marcel Koller bei GC. «Es waren 25 wunderbare Jahre», sagt der Zürcher aus Schwamendingen, «wir spielten praktisch in jeder Saison um den Titel.» Fünfmal wurde er mit GC Meister, siebenmal gewann er den Cup. Nach der Spielerkarriere kehrte er im Winter 2002 als Trainer zu «seinem» Verein zurück, ein Jahr danach führte er die Mannschaft zum 27. und bislang letzten Meistertitel. Im Oktober 2003 trat er nach fünf Niederlagen in Folge zurück und wechselte in die Bundesliga, in der er zuerst Köln und später Bochum trainierte. Seit September 2009 ist er arbeitslos. Die Geschehnisse rund um GC, dem er sich nach wie vor verbunden fühlt, beobachtet er aus Distanz und mit zunehmender Besorgnis. Er kann nur schwer begreifen, dass die Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz liegt und der Klub nicht einmal mehr in der Lage ist, die Mietkosten für den Letzigrund zu bezahlen. Marcel Koller, können Sie sichvorstellen, dass GC ab nächstem Sommer in Aarau, Winterthuroder Niederhasli spielt? Nein, das kann sich keiner vorstellen, der Sympathien für diesen Klub hegt. Mein GC-Herz blutet, wenn ich daran denke, dass der Verein demnächst in der Provinz Fussball spielen soll. Im Sommer 2003 waren wir noch Meister, und jetzt sind wir vielleicht bald heimatlos. Was ist nur aus den einst so stolzen Grasshoppers geworden? Diese Frage stellen wir Ihnen. Super League in Niederhasli! Das kann es ja wohl nicht sein! Klar ist, dass GC wie der FCZ stark darunter leidet, dass sich der Baubeginn des neuen Hardturms immer weiter verzögert. Aber Niederhasli . . . Vielleicht hat sich Präsident Linsi gedacht, dass die Mannschaft so oder so absteigt. Und Challenge League könnte man auf dem Campus ja vielleicht schon spielen. GC also in der Challenge League . . . (unterbricht) . . . Für mich ist eigentlich auch das undenkbar – auch wenn es eine logische Konsequenz der Entwicklungen der letzten Jahre wäre. Warum? Es fehlte das Geld. Deshalb musste GC die besten Spieler verkaufen. Das Kader wurde ausgedünnt, das konnte nicht gut gehen. Nur mit Jungen kann man nicht bestehen. Und es wurde mit ihnen über die Jahre nicht nachhaltig gearbeitet, sonst lägen die wichtigsten Nachwuchsteams in ihren Alterskategorien heute nicht mehrheitlich am Tabellenende. Fehlt es in der Führung bei GC an sportlicher Kompetenz? Andy Egli (Kollers einstiger Mitspieler bei GC) hat kürzlich gesagt es herrsche «die kumulierte Inkompetenz». Das sind harte Worte. Fakt ist, dass heute im Fussball viele Führungsleute aus der Geschäftswelt kommen und wenig von Fussball verstehen. Das ist bei vielen Klubs der Fall – und wohl auch bei GC. Der Verein hat kein Geld, kein Stadion, das Team ist Tabellenletzter: Wohin führt der Weg von GC? Hoffentlich nicht in die Challenge League! Aber ich denke, sie haben bei GC wenigstens den Ernst der Lage erkannt. Sehr lange wurden all die Niederlagen schöngeredet. Es hiess immer: «Es kommt schon gut.» Gegen Ende der Vorrunde haben sie wenigstens mit diesem absurden Positivismus aufgehört. Würden Sie in der jetzigen Situation GC als Trainer übernehmen? (lacht) Darf ich den Joker ziehen? Miet- und Sicherheitskosten, Seite 19 Marcel Koller.

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