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Lauter die Glocken nicht klingen

Das Geläute von Bauma ist das längste und lauteste im Tösstal. Heuer wird zum 125. Mal das alte Jahr aus- und das neue eingeläutet – je 15 Minuten lang.

Von Daniel Hess Bauma – Unvermittelt sausen die Hämmer je einmal auf die beiden kleinen, mit Raureif besetzten Glocken nieder. Es schlägt Viertel nach neun. Wer an diesem frostigen Wintermorgen in der Glockenstube der reformierten Kirche Bauma nicht bereits erstarrt ist vor Kälte, schrickt auf. Wie ohrenbetäubend mag es tönen, wenn auch die grossen Glocken zum Einsatz kommen? Mehr als 5,4 Tonnen wiegen die vier Kirchenglocken, die am zweigeschossigen, aus massivem Eichenholz gefertigten Glockenstuhl hängen, insgesamt. Damit bilden sie das schwerste und entsprechend tontiefste Geläut im Tösstal; allein die mannshohe «Predigtglocke» bringt mit ihrem 1,7 Meter grossen Durchmesser über 2,8 Tonnen auf die Waage. Töne nicht getroffen Heute vor 125 Jahren wurden die reich verzierten und mit Bibelzitaten versehenen, bronzenen Kunstwerke gegossen und nur Wochen später – der noch heute gültigen Tradition gemäss – von Kindern aufgezogen. Seither hängen sie majestätisch auf fast 30 Meter Höhe und rufen die Gläubigen zum Gottesdienst und zum Gebet. «Und nicht zuletzt vermitteln sie ein Stück Heimat», sagt Sigrist Andreas Berweger und streicht damit auch die emotionale Bedeutung der Glocken heraus. Die Fertigung eines neuen Geläuts war nötig geworden, nachdem gleich zwei der bedeutend leichteren Vorgängerglocken Risse aufgewiesen hatten.Gleich wie die Kirchglocken in Wila, Sitzberg, Zell und einst in Sternenberg stammen auch diejenigen in Bauma aus der dazumal weit herum bekannten Giesserei Jakob Keller in Unterstrass. Die Akkorde von Geläuten seien jeweils verschiedenen Liedern zugeordnet, erklärtBerweger. «Dasjenige in Bauma ist auf den Akkord des Kanons ‹vom Aufgang der Sonne, bis zu ihrem Niedergang› gestimmt – also auf H, dis’, fis’ und h’. Zwar habe der Giesser die Töne nicht ganz getroffen, wodurch sie leicht über der normalen Höhe lägen. Da der Akkord in sich aber dennoch stimme, sei dies nicht weiter tragisch und für den Laien kaum hörbar. «Die Glocken befinden sich einfach in einem dauernden Stimmungshoch», sagt der gebürtige Baumer und lacht. Andeutung des Jahreszyklus Dem Silvesterabend kommt auch in der Kirche eine spezielle Bedeutung zu, und die Glocken spielten dabei schon immer eine wichtige Rolle. Während die Worte des vorgängig erwähnten Kanons den Tageszyklus aufnehmen, deute diese Glockenmelodie an Silvester mit dem Ausläuten des alten Jahres sowie dem Einläuten des neuen den Jahreszyklus an, erklärtBerweger. Ausgeläutet wird an den meisten Orten eine Viertelstunde lang mit vollem Geläut bis zum Mitternachtsschlag. Seltener kommt nur die grosse Glocke oder ein ernst wirkendes Teilgeläute zum Einsatz, um die Stimmung des ausklingenden Jahres zu untermalen. Eine umso erhabenere und freudige Note erhält das darauffolgende Einläuten des neuen Jahres, das in der Regel ebenfalls eine Viertelstunde dauert und nach dem Mitternachtsschlag mit allen Glocken erfolgt.

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