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Kantonsräte locken wenig Wähler an die Urne

Im Bezirk Horgen hat bislang knapp ein Viertel der Stimmbürger seine Kantons- und Regierungsräte brieflich gewählt. Das lässt auf eine tiefe Wahlbeteiligung schliessen. Experten wundert das nicht.

Von Anja Müller Die Wahlcouverts liegen zwar schon seit Wochen zu Hause auf dem Küchentisch, doch bis jetzt – drei Tage vor der Wahl am Wochenende – hat sie noch nicht einmal ein Viertel der Stimmberechtigten im Bezirk Horgen ausgefüllt, abgeschickt und damit seinen Kantons- und Regierungsräten seine Stimme gegeben. Dies ergibt eine Umfrage bei den grössten Gemeinden in der Zimmerberg-Region. In Wädenswil haben bis gestern Mittwoch 3100 Personen die Kantons- und Regierungsräte brieflich gewählt, das entspricht 24 Prozent der Wahlberechtigten. In Thalwil und in Adliswil sind es rund 22 Prozent, in Horgen rund 21 Prozent der Stimmberechtigten. Auch wenn die Verantwortlichen der Gemeinden allesamt heute und morgen noch einen Schub erwarten, zeigt dieser Trend doch, dass die Wahlbeteiligung im Bezirk Horgen voraussichtlich ebenso schwach oder sogar noch schwächer ausfallen wird wie bei den letzten Kantons- und Regierungsratswahlen 2007. Damals lag die Wahlbeteiligung im Bezirk bei rund 34 Prozent. Zum Vergleich: Bei den kommunalen Wahlen 2010 gaben zum Beispiel in Wädenswil immerhin 43 Prozent der Wählerschaft ihre Stimme ab. Markant mehr sind es bei grossen Sachgeschäften. Die Ausschaffungsinitiative lockte im letzten November 59 Prozent der stimmberechtigten Wädenswiler an die Urne. «Wenig Spektakel» Den Zürcher Politologen Michael Hermann überraschen die wenigen brieflichen Stimmen im Bezirk Horgen nicht. Während die Wahlbeteiligung auf nationaler Ebene in den letzten Jahren wieder gestiegen sei, befinde sie sich auf kantonaler Ebene im Sinkflug, sagt er. Dies liege vor allem daran, dass der Kanton in der «vergessenen Mitte» zwischen den nationalen und den kommunalen Wahlen liege: «National geht es um grosse und wichtige Themen sowie bekannte Gesichter, die medial präsent sind. Das ist für die Wähler attraktiv. Die kommunalen Wahlen auf der anderen Seite gehen den Leuten nahe, da sie Einfluss auf ihre unmittelbare Umgebung haben.» Zusätzlich beobachtet Hermann auf kantonaler Ebene – vor allem in der Exekutive – eine Entpolitisierung: «Jede politische Seite gesteht der anderen ihre Sitze zu, die Wahlkämpfe werden sehr zivilisiert geführt, es herrscht eine konkordante Kultur – das bietet nun mal wenig Spektakel.»Bei Sachgeschäften reden hingegen wesentlich mehr Wählerinnen und Wähler mit. Darin sieht Hermann einen weiteren Nachteil für die Kantons- und Regierungsräte: «Die Personen sind für die Wähler weniger wichtig als in anderen Ländern, weil sie hier wissen, dass sie über wichtige Sachgeschäfte sowieso selber abstimmen können.» «Da die Wähler über gewisse Sachgeschäfte selber abstimmen, sind ihnen die Kandidaten weniger wichtig.» Michael Hermann, Politologe

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