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Kanti Küsnacht entlarvt Plagiate mit Spezialsoftware

Wenn es an die Maturarbeit geht, kopieren manche Gymnasiasten drauflos wie der Freiherr zu Guttenberg. Drei bis vier pro Jahr werden dabei erwischt.

Von Daniel Fritzsche Küsnacht – Man muss nicht Karl-Theodor zu Guttenberg heissen, um beim Verfassen von Arbeiten zu schummeln. Auch einfache Gymnasiasten greifen bisweilen auf die gleichen Tricks zurück wie der deutsche Verteidigungsminister. Die Kantonsschule Küsnacht legt deshalb grossen Wert darauf, ihre Schüler für die Probleme zu sensibilisieren, die entstehen, wenn man geistiges Eigentum nicht respektiert. Vor allem, bevor es an die Maturarbeit geht. Die Gymnasten bekommen dann jeweils eine Wegleitung mit klaren Richtlinien ausgehändigt. Mit Sensibilisierung allein ist der «Copy-and-paste-Mentalität» einiger Schüler jedoch nicht beizukommen. Die Hemmschwellen müssen erhöht werden. Darum kommt in Küsnacht seit etwa drei Jahren eine spezielle Computer-Software (Docoloc) zum Einsatz, die Plagiate aufspüren soll. Alle Maturarbeiten werden digital eingespeist und mit einer Datenbank von Texten verglichen. Es droht der Verweis So kommt es immer wieder vor, dass Docoloc Maturanden als Schummler entlarvt. Von den rund 90 Schülern in einem Jahrgang sind es jedoch jährlich höchstens drei bis vier. Die Delinquenten werden von Betreuern, welche die Arbeitsweise aller Maturanden kontrollieren, verwarnt. In Härtefällen werden sie vor die Schulleitung zitiert. «Wir mussten auch schon Verweise aussprechen», sagt Rektor Peter Ritzmann. Im Normalfall handeln die Schüler ihm zufolge nicht aus krimineller Energie. Viele hätten schlicht die gültigen Regelungen fürs Zitieren vergessen. «Meist sehen sie ihre Fehler sofort ein», sagt Ritzmann. Kommt es dennoch zu einem Verweis, könne dies eine präventive Wirkung auf andere Schüler haben. Das Internet hat die Kanti Küsnacht laut Ritzmann vor grosse pädagogische Herausforderungen gestellt. Es sei zwar erlaubt, Informationen aus dem Netz zu beziehen, das müsse aber klar deklariert werden. Und natürlich sei die Versuchung da, sich eine ganze schriftliche Arbeit zusammenzukopieren. Das ist nicht in Ritzmanns Sinn: «Wir versuchen, eine Kultur zu etablieren, die eigenständiges Arbeiten fördert», sagt er. Die Küsnachter Maturanden sollen einen Sinn für Qualität entwickeln, den sie später an der Universität weiter- verwenden können. In den Maturarbeiten, die zwischen 20 und 30 Seiten lang sind, lernen die Schüler, eigene Fragestellungen zu erarbeiten. «Die können sie nicht aus Wikipedia herunterladen», sagt der Rektor. An der Sek läuft es anders Ähnlich wie an der Kantonsschule werden auch in den Sekundarschulen im letzten Schuljahr aufwendige schriftliche Hausarbeiten geschrieben. Eine Anti-Plagiats-Software wie an der Kanti Küsnacht komme an der Sek Meilen aber nicht zum Einsatz, sagt deren Rektor Jörg Walser. Die Lehrerinnen und Lehrer würden ihre Schüler gut genug kennen, um allfällige Plagiate zu erkennen, ist er überzeugt – etwa wegen eines ungewohnten Schreibstils. Die Meilemer Schulleitung beobachte die Entwicklung aber aufmerksam. Gerade die Affäre um den schummelnden Minister zu Guttenberg könnte zu einem Umdenken führen. Walser sagt: «Wir werden nach den Ferien mit einem Computerfachmann besprechen, wie wir in Zukunft noch besser gegen Plagiate vorgehen können.»

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