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Kampf gegen Elektronik und Image

Das Zürich Open war einst das zweitgrösste Dart-Turnier der Schweiz. Bis zu 220 Spieler kämpften jeweils um den Sieg. Die 23. Austragung fand im Keller des Krone Pub in Winterthur statt – mit 24 Teilnehmern.

Von René Hauri, Winterthur Die Bilder lassen die Herzen von Dart-Spielern höher schlagen: Eine riesige Halle, mit 7000 Zuschauern gefüllt, Schlachtrufe, feiernde Fans auf Bänken und Tischen. Vorne auf der Bühne zwei Spieler, meistens korpulent, meistens tätowiert. Nach gelungenen Würfen ballen sie die Faust Richtung Publikum. Und dann ist da der Speaker. Russ Bray, dessen unvergleichliche rauchige Stimme sich bei geworfenem Maximalscore von 180 Punkten beinahe überschlägt. Es ist die Weltmeisterschaft. Natürlich in England. Über deutsche Sportsender konnte dieses Spektakel via Kabelfernsehen auch in unseren Breitengraden mitverfolgt werden. Das ist zwar nicht mehr möglich, die Eindrücke aber blieben. Von einem solchen Trubel um ihre Sportart können die Spieler am 23. Zürich Open nur träumen. Eine überschaubare Gruppe von 24 Teilnehmern hat sich im Keller des Krone Pub in Winterthur-Seen eingefunden, dem Trainingsraum des DC Mohair. Auf sechs Scheiben, die mit Spots beleuchtet sind, spielen sie gleichzeitig. Links daneben steht jeweils ein Schreiber, rechnet und notiert das Resultat mit einer Kreide auf die Tafel. Es ist etwas schummrig, obwohl schon lange Rauchverbot gilt, und – ruhig. Es wird geflüstert. Am Tisch in der Mitte sitzt das Organisationskomitee des Stadtzürcher Klubs DC «Lucky Players». Präsident René Lienhard bittet ins Obergeschoss, wo die Bar steht. Damit die Spieler nicht gestört werden. «Ist einer zu laut, erntet er böse Blicke. Das ist hier halt so», erklärt der 50-Jährige nicht ohne Bedauern. Interne Konkurrenz Zehnmal war Lienhard, in der Szene «Lieni» genannt, bereits am British Open – sowohl als Teilnehmer wie als Zuschauer, genoss die Stimmung. Damit, dass es an einem Wettkampf in der Schweiz wohl nie vergleichbar zu- und hergehen wird, hat er sich abgefunden. Das Zürich Open aber soll wieder grösser werden. Einst war es hinter dem Swiss Open das zweitbedeutendste Turnier des Landes. In den besten Jahren kämpften bis zu 220 Spieler unter anderem im Volkshaus um die Titel. Die Auslagen waren allerdings nicht mehr tragbar. Und überhaupt, sagt Lienhard, sei ein Rückgang an Steeldart-Spielern bemerkbar. Daran ist nicht nur die Konkurrenz anderer Sportarten schuld, sondern auch interne. Immer mehr Akteure lassen sich von den höheren Preisgeldern an E-Dart-Turnieren locken. Der Geldeinwurf bei den elektronischen Geräten ermöglicht dies. Steeldart-Opens leben alleine vom Startgeld, und dieses wird komplett als Preisgeld ausbezahlt. Zu verdienen sei daher nur etwas, wenn der Organisator auch die Festwirtschaft betreiben und Bier ausschenken dürfe, so Lienhard. Denn davon wird noch immer viel getrunken. Allerdings fällt im Krone Pub auf, dass während des Turniers kaum ein Spieler zum Bierkrug greift. Was danach ist, sei etwas anderes, sagen die meisten. «Willst du vorne mitspielen, liegt Alkohol einfach nicht drin», weiss Roman Bleistein, die Nummer 2 der Schweiz. Bundfaltenhose und Hemd Dennoch hängt dem Sport noch immer der Ruf nach, ein Pub-, ein Trinkersport zu sein. Das ärgert insbesondere Spieler wie Bleistein, die täglich zwei Stunden vor der Scheibe stehen. «Wir versuchen, diesen Eindruck zu korrigieren. Aber der hat sich in die Köpfe der Leute gebrannt», sagt er. Seit über 10 Jahren ist bei den meisten Turnieren Rauchen verboten. Und die neue Dopingliste sei ein halbes Buch, sagt der Nationalspieler und ergänzt: «Auch ein generelles Alkoholverbot wird diskutiert.» Bleistein trägt bei seinen Auftritten stets eine Bundfaltenhose und ein Spielerhemd, denn der Auftritt der Akteure sei wichtig. Das Ziel ist, vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) endlich als Sportart anerkannt zu werden. Bisher haben die Bemühungen nicht gefruchtet. An den Sommerspielen 2012 in London hätte Dart als Anschauungswettbewerb einem grösseren Publikum vorgestellt werden sollen. Auch dieser Versuch scheiterte. Um in der Schweiz mehr Aufmerksamkeit zu erhalten, lanciert der Steeldart-Verband (SDA) nach zweijähriger Pause wieder sein Magazin. «Die meisten sind schon sehr lange dabei. Wir wollen aber neue Leute anlocken», sagt Kim von Rufs vom Vorstand des SDA. Eine Szene aufzubauen, wie sie in England herrscht, dürfte allerdings ein ewiger Traum bleiben. Treffsicher ist nur, wer nicht trinkt, sind sich die Spieler am Zürich Open einig. Foto: Beat Marti

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