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Junge Forellen, seetauglich gemacht

Bald werden die Seeforellen der Stäfner Fischzuchtanlage in den See entlassen. In Freiheit lauern grosse Gefahren. Die Jungfische erhalten deshalb seit diesem Jahr einen Wachstumsvorsprung.

Von Regine Imholz Stäfa – Hurtig flitzen die gut einjährigen Seeforellen durch das glitzernde Wasser – so schnell, dass das Auge des Betrachters ihnen kaum zu folgen vermag. Seit Oktober leben rund 10 000 Tiere in den zwei 70 Meter langen Aufzuchtkanälen der kantonalen Fischzuchtanlage in Stäfa. Noch geniessen sie Schutz, Kost und Logis: 12 Stunden lang schiebt der Futterautomat maulgerechte, ernährungstechnisch hochwertige Häppchen ins Wasser. Jeden Monat wird das Wasser in den beiden bachähnlichen Kanälen abgelassen, die Granitblöcke werden geschrubbt und die Steine von Algen und Moos befreit. «Der Arbeitsaufwand ist gross», sagt Arno Filli, Leiter der Fischzuchtanlage. Dennoch ist er von der Aufzuchtmethode in den neu gebauten Kanälen überzeugt: «Mit rund 20 Zentimeter Länge», sagt er, «haben die jungen Seeforellen gute Chancen zu überleben.» Tests mit markierten Forellenjährlingen aus den Aufzuchtkanälen zeigen, dass die grösseren Fische im See die weit höheren Überlebenschancen haben, als wenn sie als Brütlinge eingesetzt würden. Von den 100 Millionen jedes Jahr im Frühling eingesetzten Felchen, Hechten Saiblingen und Forellen enden die meisten als Fischfutter für die grossen Kollegen endet: Nur wenige Prozent überleben ihr erstes Lebensjahr. Aufzucht für den Angelhaken? Mehrere Hunderttausend der ausgesetzten Brütlinge sind Seeforellen. Sie kommen im Gegensatz zu den 20 Zentimeter langen Seeforellenjährlingen in die Zürichseebäche, ihre natürlichen Kinderstuben. Weil die Zürichsee-Zuflüsse jedoch vielerorts durch Strassen oder Hochwasserschutz zubetoniert sind, haben die Fische – sind sie einmal ausgewachsen – kaum mehr Chancen, aus eigener Kraft zum Laichen in einen der Bäche aufzusteigen. Nur der künstliche Besatz durch die Fischereiverwaltung bewahrt sie vor dem Aussterben: «Anhand der Fischfangstatistik lässt sich feststellen, dass der Bestand wächst», sagt Fischereiaufseher Filli. Werden die jungen Forellen aber nicht einzig zu dem Zweck aufgezogen und eingesetzt, damit die Fischer sich über fette Beute freuen können? «Nein», entgegnet Filli, «es geht vielmehr darum, diese stark gefährdete Art zu erhalten und zu fördern.» Ein Fangverbot der seltenen Art würde ihr hingegen nichts nützen, sagt Filli, «die Tiere gehen ja trotzdem an die Angel.» Und in den meisten Fällen seien sie durch die Haken oder Netze zu schwer verletzt, um ins Wasser zurückgesetzt zu werden. Das Hauptproblem der Seeforellen ist nicht die Befischung, sondern die Beeinträchtigung ihrer Laichgewässer, die nur langsam angegangen werden kann. Die Seepolizei als Zügelhelfer Nach den Tagen der offenen Tür Anfang April werden die jungen Forellen in der Nähe von Bachmündungen im See ausgesetzt. Eine Fuhre übernimmt dabei die Seepolizei mit ihrem Waidling. Arno Filli und sein Team in der Stäfner Fischzuchtanlage betreuen die Tiere seit 14 Monaten. «Es ist schön, sie jetzt in die Freiheit zu entlassen», sagt der Fischereiaufseher, «auch wenn der Abschied etwas schwer fällt.» Tage der offenen Tür in der kantonalen Fischzuchtanlage an der Seestrasse Stäfa: 9. und 10. April ab 9.30 Uhr.

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