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Jeder dritte Arzt im Spital Zollikerberg ist Ausländer«Wenn alle Herzspezialisten werden, nützt das nichts»

Bis in zehn Jahren fehlen der Schweiz 5000 Pflegefachleute. An der Goldküste behilft man sich mit Personal aus dem nahen Ausland.

Georg Schulthess plädiert für die Ausbildung von mehr Hausärzten Von Eva Robman Männedorf/Zollikon – Weder bei Ärzten noch bei Pflegefachleuten gibt es in den Spitälern Männedorf und Zollikerberg einen Notstand. Man habe alle Stellen besetzt, heisst es. Doch welcher Arbeitgeber möchte schon klagen? Tatsache ist, dass bereits jeder vierte Arzt (23 Prozent) im Spital Männedorf aus dem Ausland stammt, vorwiegend aus Deutschland. Im Spital Zollikerberg ist sogar jeder dritte Arzt (37 Prozent) ein Ausländer, was deutlich über dem Schweizer Schnitt von 28 Prozent liegt. Im Spital Männedorf sind – ganz unten in der Ärztehierarchie – neun von vierzehn Volontärärzten Ausländer, bei den Leitenden Ärzten sind es vier von elf. Nur die Chefärzte – sowohl im Spital Männedorf als auch im Spital Zollikerberg – sind ausschliesslich Schweizer. In beiden Spitälern bahnt sich bei der Rekrutierung von Fachleuten ein Engpass an. Von der kürzlich veröffentlichten Obsan-Studie wird bis in zehn Jahren für die Schweiz ein Mangel an Pflegefachkräften von jährlich 5000 Personen prognostiziert. Orsola Vettori, seit gut neun Jahren Direktorin des Spitals Zollikerberg, spürt die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt. Wo man vor einigen Jahren noch genügend Spontanbewerbungen erhalten habe, müsse man heute eines oder mehrere Inserate aufgeben. Neue Ausbildung soll helfen Grosse Hoffnungen setzt Vettori auf die Integration der neuen Berufsgattung Fachfrau Gesundheit in den Spitalbetrieb. Gleich nach der obligatorischen Schulzeit können die Schulabgänger diese – immer beliebtere – dreijährige Lehre absolvieren. Anschliessend steht ihnen die Möglichkeit offen, sich während zweier weiterer Jahre zur diplomierten Pflegefachfrau weiterzubilden oder direkt in die Pflege einzusteigen. Schwieriger zu finden sind Pflegefachleute mit Zusatzausbildung, und auch bei der Suche nach Ärzten ist der Blick über die Landesgrenze nicht unüblich.Im Spital Männedorf setzt man vermehrt auf Stellenvermittlungsbüros. Auf Inserate für Pflegefachleute mit Zusatzausbildung melden sich laut Patrick Kuratli, Bereichsleiter Personal, null bis – im Glücksfall – fünf Personen. So stammt auch in Männedorf jede dritte Pflegefachperson der medizinisch-technischen Berufe aus dem Ausland. Aus Deutschland, aber auch aus Holland und dem Balkan, vereinzelt aus Asien. Beim Pflegepersonal auf den Bettenstationen liegt der Ausländeranteil hingegen nur bei 11 Prozent. Das ausländische Spitalpersonal stellt gemäss Georg Schulthess, Chefarzt Innere Medizin in Männedorf, kein Problem dar für die Spitalkultur. Es gilt bei der Anstellung die Bedingung, dass sie Deutsch sprechen. Im Zollikerberg wird die Spitalkultur für alle neuen Angestellten mit einem Workshop gefördert. «Schliesslich arbeiten bei uns 30 Nationalitäten mit 30 verschiedenen Berufen im selben Unternehmen», sagt Vettori. Mit Georg Schulthess sprach Eva Robmann 28 Prozent der Ärzte in der Schweiz sind Ausländer. Bildet die Schweiz zu wenig Ärzte aus? In der Schweiz werden tatsächlich zu wenig Ärzte ausgebildet, um den Bedarf des Landes zu decken. Welche Ärzte braucht es denn? Die Zahl der über 65-jährigen Patienten steigt in Zukunft stark an. Ältere Leute leiden häufig an mehreren Krankheiten gleichzeitig. Dafür braucht es in ausgewogener Verteilung Generalisten und Spezialisten, wobei die Generalisten eine besonders wichtige Aufgabe haben. Der Staat muss sich bemühen, genügend Grundversorger auszubilden. Wenn alle Herzspezialisten werden wollen, nützt das nichts. Der Numerus clausus verwehrt vielen Schweizern das Medizinstudium. Ist die hohe Zuwanderung von ausländischen Ärzten für die Überzähligen nicht ein Hohn? Dass man den Ärztebedarf im Ausland deckt und den eigenen Leuten das Studium verwehrt – das würde ich als Betroffener meinem Staat übel nehmen. Auch Sie stellen deutsche Ärzte an. Gab es keine Schweizer Bewerber? Bei der Auswahl achten wir in erster Linie auf die Fähigkeiten und die bereits gewonnene Erfahrung. Wir wollen vor allem gute Ärzte für das Spital Männedorf. Meistens haben die ausländischen Mitarbeitenden bereits zuvor in der Schweiz gearbeitet. Dass sie Deutsch sprechen, ist Voraussetzung für eine Anstellung. Georg Schulthess Georg Schulthess istChefarzt für Innere Medizin im Spital Männedorf.

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