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«In der Kirche ist Einheit in Vielfalt gefragt»

Bischof HuonderImmun gegen Kritik,TA vom 21. Februar Reaktionär in die Zukunft. Warum ärgert «Katholisch-Zürich» sich eigentlich? Weil der erzkonservative Weihbischof Eleganti versetzt wird? Er galt zwar von Anfang an als Fehlbesetzung, aber inzwischen hat man sich an den so netten und geschmeidigen Herrn gewöhnt. Für mich ist ärgerlich, dass man sich an die diversen Fehlbesetzungen in der katholischen Kirche zu gewöhnen scheint. An Bischof Grab, der seine Rückständigkeit ebenso nett und geschmeidig zu kaschieren verstand, hatte man sich auch gewöhnt. Dabei hat er seinen Auftrag, die Churer Diözesanleitung zu sanieren, nicht einmal ansatzweise erfüllt, sonst hätte er Haas-Getreue wie Niederberger, Casetti, Grichting und Huonder aus dem Ordinariat entfernt. Stattdessen wurde Huonder sein Nachfolger und beweist nun Woche für Woche, dass er eine Fehlbesetzung ist, die eine verheerend destruktive Wirkung hat und die Kirche spaltet, statt sie zu einen. Hat man sich auch schon an ihn gewöhnt? Wird es nicht Zeit, mit aller Entschiedenheit seine Absetzung zu fordern? Weihbischof Eleganti ist kein «Bauernopfer». Vermutlich wird es ihm in Chur unter seinesgleichen wohler sein als in Zürich. Sorge müsste bereiten, dass er auch noch Regens des Priesterseminars werden soll, also hauptverantwortlich für die Formung zukünftiger Seelsorger. Reaktionär in die Zukunft? Das ist keine Hoffnungsperspektive. Walter Achermann, Zürich Antiquiertes Kirchenverständnis. Bischof Huonder und seine Anhängerschaft setzen mit ihrem antiquierten Kirchenverständnis in der Tat die Zukunft der katholischen Kirche aufs Spiel. In einer demokratischen, pluralistischen Gesellschaft hat eine Klerikerkirche, in der die Laien zu schweigen und zu gehorchen haben, nichts zu suchen. Huonder will sich nicht dreinreden lassen und würde das duale kirchenrechtliche System lieber schon heute als erst morgen abschaffen. Damit nimmt er in Kauf, dass die katholische Kirche mangels Geld ihren diakonischen Auftrag, den Dienst am Nächsten, nicht mehr erfüllen kann. Synodalratspräsident Benno Schnüriger hat recht, wenn er sagt, dass Bischof Huonder weg muss. Nicht Uniformität, sondern Einheit in Vielfalt ist gefragt. Tradition und Fortschritt sollten nebeneinander Platz haben. Ich habe Verständnis dafür, dass es Menschen gibt, die an der lateinischen Messe Gefallen finden und ihr eine identitätsstiftende Bedeutung für die katholische Weltkirche beimessen. Insofern hat sie als Alternative zur Volkssprache – in begrenztem Rahmen – in der Liturgie durchaus ihre Berechtigung. Wir brauchen keine fromme Elite, die dem Papst und seiner Hierarchie bedingungslos Gehorsam leistet und nicht aufzumucken wagt. Konflikte gehören zum Leben. Eine lebendige Kirche muss mit Widersprüchen umgehen können. Im Übrigen kommt die katholische Kirche längerfristig nicht darum herum, das Pflichtzölibat aufzuheben und die Frauenordination einzuführen, will sie sich nicht vollends ruinieren und zu einer Sekte schrumpfen. Walter Artho, Schlieren Protestieren wie die Ägypter. Nach den leidigen Ereignissen rund um den vormaligen Churer Bischof Haas hätte man eigentlich erwarten dürfen, dass daraus die nötigen Lehren gezogen würden. Doch weit gefehlt. Bischof Huonder und sein Führungsstab schreiten weiterhin unbeirrt rückwärts in die Zukunft. Da die arg verkrustete römisch-katholische Weltkirche bekanntlich nach dem Prinzip «Top-down» und nicht «Bottom-up» organisiert ist, würde es wenig bewirken, wenn das frustrierte Kirchenvolk des Bistums vor dem Churer Bischofssitz laut seinen Unwillen demonstrieren würde. Denn Bischof Huonder weiss genau, dass er Rückendeckung aus Rom hat. Das zeigte sein süffisantes, ungerührtes Lächeln vor der TV-Kamera beim kurzen Interview. Teile des verprellten Kirchenvolkes aus aller Welt – insbesondere Frauen – müssten, ähnlich wie die Ägypter auf dem Tahrir-Platz, mit lauter Stimme, unterstützt von Trillerpfeifen und Vuvuzelas, ihre Ohnmacht auf dem Petersplatz hinauf zum Arbeitszimmer des Papstes schreien – nachempfunden dem Psalm 130, Vers 1 und 2: «Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir. Herr, höre meine Stimme! Aufmerken mögen deine Ohren auf mein lautes Flehen!» Auch in der Kirche erreicht die menschliche Geduld einmal ihre Grenze. Vielleicht vermag erlittene Peinlichkeit der Kirchenführung vor den Augen der Weltöffentlichkeit mehr zu bewirken als das end- und erfolglose Ringen der Gläubigen um mehr Verständnis der Amtskirche für die dringlichen Probleme ihrer Schäfchen in der Welt von heute. Paul Buchegger, Horgen Spielregeln einhalten. So bedenklich bestimmte sektiererische Tendenzen im Bistum Chur sind, so befremdend ist Benno Schnüringers Frontalangriff auf den Churer Bischof. Befremdend deswegen, weil die katholische Körperschaft nicht dazu da ist, bischöfliche Entscheidungen zu beurteilen. Mit seinem Vorgehen gibt Schnüriger jenen Recht, welche in der Zürcher Kantonalkirche eine Gegenkirche sehen. Was würden wir von einem Bundesrat sagen, der die Entscheidungen des Bundesgerichts kritisiert? Wir würden ihm zu Recht vorwerfen, die Gewaltenteilung zu unterlaufen. Das staatskirchenrechtliche System der Schweiz ist anspruchsvoll, denn alle Beteiligten müssen sich an die Spielregeln halten, wenn das Ganze funktionieren soll. Indem Exponenten beider Seiten auf Crash-Kurs gehen, arbeiten sie auf Abbruch. Es ist nötig, dass alle besonnenen Kräfte diese Extremisten in die Schranken wiesen – auch die Extremisten in der sogenannten Zürcher Synode. Ich jedenfalls will weder eine total verbürgerlichte Nationalkirche noch eine sich in die Bedeutungslosigkeit verabschiedete Kirche der Reinen. Francesco Papagni, Zürich Vitus Huonder, der umstrittene Bischof von Chur.Foto: Sabina Bobst

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