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Im Rausch der Tiefe

Der Embracher Peter Colat hat an der Schweizer Meisterschaft im Apnoetauchen Silber gewonnen. Er erreichte unter der Oberfläche des Zürichsees eine Tiefe von über 63 Metern.

Von Oliver Loga, Herrliberg Die Spannung auf der Zürichsee-Plattform in Herrliberg ist deutlich spürbar. Es scheint beinahe, als würde nicht nur Peter Colat kurz vor seinem Tauchgang die Luft anhalten, sondern auch die anderen Athleten, Betreuer, Organisatoren, Jurymitglieder und Medienvertreter. Nach über zwei Minuten, die wie eine kleine Ewigkeit erscheinen, taucht Colat endlich wieder auf. Er nimmt tiefe Atemzüge und signalisiert, dass es ihm gut gehe. Mit Applaus zollen die Beobachter dem Embracher ihre Anerkennung. Dieser ist mit seiner Leistung jedoch nicht ganz zufrieden. «Mein Ziel waren 65 Meter. Das habe ich leider um 1,6 Meter verpasst», sagt Colat. Aus Angst, dass sein Trommelfell platzen könnte, hat er den Tauchgang vorzeitig abgebrochen. Immerhin reichte Colats Leistung an der Schweizer Meisterschaft im Apnoetauchen (siehe Kasten) zum Gewinn der Silbermedaille. Gold ging an seinen stärksten Konkurrenten und Mitfavoriten Michael Naef. Die Enttäuschung von Colat hielt aber nicht lange an. Schliesslich ist die Erfolgsliste des 38-Jährigen lang. Im Zeittauchen hat er sich vor einem halben Jahr in St. Gallen einen Eintrag ins «Guinnessbuch der Rekorde» gesichert. Unglaubliche 19 Minuten und 21 Sekunden blieb Colat mit nur einem Atemzug unter Wasser. «Es ist wichtig, absolut entspannt zu sein und sich einfach wohlzufühlen», erklärt der Rekordmann seine simple Erfolgsformel. Mit Spass zu Rekorden Die Leidenschaft fürs Tauchen entdeckte Colat 1995 auf der griechischen Ferieninsel Korfu. «Aus Spass haben meine Freunde und ich uns im Pool im Luftanhalten gemessen», erinnert sich der Unterländer. Schnell merkte er, dass sein Durchhaltevermögen mit Abstand am grössten war. Bereits drei Jahre später qualifizierte sich Colat für die Apnoe-Weltmeisterschaft in Sardinien. «So kam alles in Rollen», sagt er und lacht. Colats Lieblingsdisziplin ist das Streckentauchen. Mit 127 Metern ohne Flossen hält er den Schweizer Rekord. Mit Flossen brachte er es sogar auf 169 Meter. Beinahe überflüssig zu erwähnen, dass auch dies die nationale Bestmarke darstellt. In der Gesamtwertung der Tieftauch-SM musste sich Colat dagegen wie schon 2008 mit Platz 2 begnügen – auch in der zweiten Disziplin Free Immersion war Naef erfolgreicher. Dennoch trug Colat mit seinem Tauchgang zu einem gelungenen Meisterschaftsablauf bei. «Es gab keine Zwischenfälle, und das Wetter war fantastisch», zog Organisator Marco Melileo ein positives Fazit. Er konnte neben den Schweizern Taucher aus Kanada, Italien und Deutschland auf dem Zürichsee begrüssen. Melileo, der ebenfalls taucht, hatte sich neben dem starken Starterfeld um die wichtigen Sicherheitsvorkehrungen gekümmert. Die Körperleine, an der man den Taucher spüren kann, und Rettungssanitäter gewährleisteten, dass nichts Gravierendes passieren konnte. «Aufgrund von Sauerstoffmangel kann es schon einmal zu einer Ohnmacht kommen. Auch das Trommelfell könnte wegen des grossen Drucks platzen», weist Melileo auf die Gefahren des Extremsports hin. Er habe aber zum Glück noch nie erlebt, dass etwas Schlimmeres passiert sei. Ein wichtiger Faktor, der dafür verantwortlich sei, sei die Vernunft der Athleten. «Sie kennen ihre Leistungsgrenzen und halten sich in der Regel daran», so Melileo. Colat unterstrich diese These, indem er seinen Tauchgang kurz vor dem Ziel abbrach und damit die Gesundheit über den Gewinn der Goldmedaille stellte. Ein letztes Mal einatmen, bevor er 63 Meter tief in den Zürichsee abtaucht: Peter Colat. Foto: Daniel Kellenberger

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