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Im Pferdetempel der Superlative

Steve Guerdat ist der Topstar fürs Publikumam Weltcup der Spring-reiterin Genf. Auch wenner nicht gewinnt.

OrtsterminAm 50. Concours Hippique International in der Genfer Palexpo Von Rolf Gfeller, Genf Der Lärm ist ohrenbetäubend. Von Beginn weg, weil die ersten beiden Starter in der Weltcup-Prüfung, dem mit 200 000 Franken dotierten Hauptereignis am Concours Hippique International in Genf, Schweizer sind. Alle einheimischen Reiterinnen und Reiter sind Lieblinge des Publikums in der riesigen Halle 4 der Genfer Messe Palexpo. Wenn sie auf ihren Pferden in die mit den Ausmassen von 53 mal 89 Meter weltweit grösste Indoor-Arena an einem Pferdesportanlass reiten, schreien sich die Teenager auf der Tribüne an der Stirnseite jeweils in Hochform. Sie tanzen, kreischen, klatschen, schwenken Schweizer Fahnen und halten bemalte Bettlaken in die Höhe. Wären Dezibel die Masseinheit für Ranglisten, die Reiterinnen und Reiter aus der Schweiz, egal aus welchem Landesteil, lägen zweifellos auf den ersten Plätzen. Gefolgt von allen anderen Frauen und den Teilnehmern aus Frankreich. Das Paar Meredith Michaels-Beerbaum und Shutterfly aus Deutschland wird ebenfalls wie immer mit tosenden Ovationen empfangen, und auch der Österreicher Hugo Simon, mit 68 Jahren genau 50 Jahre älter als der unmittelbar vor ihm gestartete Zürcher Martin Fuchs, zählt nach wie vor zu den Favoriten der Masse. Einer überragt aber alle: Steve Guerdat, ein Romand, gut aussehend, seit Jahren von Erfolg zu Erfolg springend, quasi der perfekte Schwiegersohn. Wenn der 28-jährige Jurassier, der seit bald vier Jahren in Herrliberg lebt und arbeitet, mit seinen Pferden in die Halle galoppiert, gerät das jugendliche Publikum gänzlich aus dem Häuschen. Und wenn er wie am Freitagabend eine der wichtigsten Prüfungen gewinnt, wird die Halle zum Tollhaus, und die Stimmung lässt sich durchaus mit derjenigen während eines Davis-Cup-Matches in der Westschweiz vergleichen. Jubiläum mit Abstrichen 1926 fand das internationale Springturnier in Genf zum ersten Mal statt. Damals noch im Palais des Expositions im Stadtzentrum, später während einiger Jahre in der Les-Vernets-Halle, der heutigen Heimat der Eishockeyaner von Servette, und seit 1991 hat es in den Hallen der Palexpo in unmittelbarer Nähe des Flughafens seinen idealen Standort gefunden. Am Wochenende feierten die Organisatoren die 50.?Auflage der Veranstaltung, ausverkauft waren die Zuschauerplätze trotzdem an keinem der vier Tage. Dass nur sieben Monate vergangenen sind, seit im April an gleicher Stätte die Leute zum zweiten Mal nach 1996 mit dem Weltcupfinal der Springreiter verwöhnt worden waren, mag einer der Gründe für die Lücken auf den Tribünen sein. Zur Nummer 1 gekürt Schon mehrmals in den vergangenen 19 Jahren zeichneten die Springreiter den CHI-W Genf als weltweit bestes Hallenturnier aus. Die gute, ausgelassene Stimmung während der Prüfungen, oft angeheizt durch die enthusiastischen Speaker, erleichtert ihnen die Wahl. Daneben profitieren sie von einer Infrastruktur, die sie an anderen Stationen kaum antreffen: Das Turnierhotel, das Parkhaus, der Bahnhof und selbst der Flughafen sind nur wenige Gehminuten entfernt. Und mit dem Sattelschlepper kann quasi vor die Boxentür der Stallungen in den riesigen Hallen gefahren werden. Zudem geniesst nicht nur das Publikum jeweils im Dezember dank der aufwendigen und liebevoll angebrachten Dekoration im Stadion die entspannt weihnachtliche Stimmung ausserhalb der Arena. Schweizer nicht im Finale Ins Stechen der wichtigsten Prüfung am Jubiläumsturnier schaffte es keiner der neun gestarteten Schweizerinnen und Schweizer. Mitfavorit Steve Guerdat scheiterte mit seiner Stute Jalisca Solier an zwei der überaus schwer gebauten Hindernisse. Einzig Christina Liebherr, die mit ihrem Hengst Casanova nur einen Abwurf zu beklagen hatte, konnte sich als Neunte in einem mit Geld belohnten Rang klassieren. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Das Publikum zelebrierte sich weiter selber, freute sich über die Hochspannung im Finale. Und der Sieger war auch nach seinem Geschmack. Schliesslich ist Kevin Staut Europameister und Leader der Weltrangliste. Und Franzose. Resultate Seite 49 Weltcup mit Weltrekord: Die Genfer Palexpo bietet die grösste Indoor-Arena für einen Pferdesportanlass.Foto: Valeria Streun

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