Zum Hauptinhalt springen

Im Küchengarten von Versailles

Kulinarische Bücher zum Verschenken: Ein prächtiger Band über die Gärten des Sonnenkönigs und vier weitere Tipps aus der Küchenbibliothek.

Von Paul ImhofDer Sonnenkönig ist schon lange tot; aus der Monarchie wurde eine Republik; die Paläste stehen wieder in Paris – und Versailles, von Louis XIV geschaffen, glänzt als königslose Touristenattraktion. Allein der Küchengarten des Königs lebt noch seine Bestimmung aus. In mehr als 330 Jahren «hat er nie aufgehört, zu produzieren und seine Erzeugnisse zu verkaufen», schreibt Antoine Jacobsohn, Agrarwissenschaftler und Leiter des Küchengartens von Versailles, im Vorwort des prachtvollen Buchs «Der Küchengarten des Königs». Gärten – und historische Gärten im Besonderen –, schreibt Jacobsohn, seien «wie eine Partitur mit vorgegebenen Strukturen angelegt: mit Pflanzen als Instrumenten und Gärtnern als Musikern». So virtuos Jacobsohn und seine Equipe den aufwendig inszenierten, nach dem ursprünglichen Plan von Louis XIV und Jean-Baptiste de La Quintinie angelegten Garten pflegen und dabei versuchen, den Vorstellungen der Schöpfer treu zu bleiben, so eindrücklich ist es den Verfassern gelungen, dieses Netz an Natur und Künstlichkeit in Wort und Bild zu fassen. Vor allem die Bemühungen, Spalierbäume in allerhand Formen zu zwingen, verblüffen in einer Zeit, wo man vermutlich dasselbe mit genetischen Veränderungen bewirken könnte. Wie struppige Tanzfiguren sehen die Obstbäume aus in ihrem Winterkleid ohne Blätter und ohne Früchte, denn so lässt sich die Struktur der Formen am besten erkennen – da stehen sie in einer sauberen Reihe, die Äste parallel zueinander in unterschiedlichen Höhen gewachsen. Sie bilden geometrische Muster oder werden mit Ringen so zu wachsen gehalten, dass sie am Ende die Form eines Weinglases bilden. Es gibt Fischgratmuster, Dreizacke, Kandelaber aus 6 Ästen, Rauten, Spiralen, waagrechte Palmetten, Lyra und Medici-Vase mit 16 Ästen. Bald beschleicht einen der Eindruck, der Gestalter des königlichen Gartens hätte nur L’art pour l’art betrieben, doch de La Quintinie hat sein ganzes Leben lang nur ein Ziel verfolgt: gute und schöne Früchte für seine Majestät, den König, zu kultivieren und zu bewirken, dass «allzeit der Baum angenehmer im Anblick sei, als wenn man ihn überhaupt nicht beschnitten hätte». Alte Darstellungen und Fotos von heute zeigen, wie die Bäume getrimmt werden, dazu bietet das Buch einen ausführlichen, reich illustrierten Sortenführer. Pierre David, Gilles Mermet und Martine Willemin: Der Küchengarten des Königs. Dumont Buchverlag, Köln 2011. 208 S., ca. 69 Fr. Pflanzen als Instrumente, Gärtner als Musiker: Ein neues Buch illustriert, mit welchem Aufwand der Garten in Versailles gestaltet wird. Foto: Gilles Mermet

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch